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Christian Heidel (l-r), Sportvorstand des FSV Mainz 05, Martin Schmidt, Sportdirektor, und der neue Cheftrainer Bo Svensson.
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Christian Heidel (l-r), Sportvorstand des FSV Mainz 05, Martin Schmidt, Sportdirektor, und der neue Cheftrainer Bo Svensson.

Kommentar

Dumm und dreist

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Bei Mainz 05 wird die Mitgliederversammlung erneut verschoben. Die Selbstzerstörung des einstigen Vorzeigeklubs schreitet weiter voran. Ein Kommentar.

Eigentlich hatte Mainz 05 den Stimmungsumschwung von trüb grau zu heiter bis wolkig geplant. Dafür war die Integrationsfigur Christian Heidel von der Sonneninsel Mallorca zurück ins Rheinhessische gelockt worden, der nicht nur aus Geselligkeit die alten Kumpanen Martin Schmidt als Sportchef und Bo Svensson als Trainer mitbrachte. Heidel war es früher stets gewohnt gewesen, das gütige Präsidium so zu dressieren, dass alle miteinander ihm brav folgten. Meist war das auch gut so, denn der Bauchmensch traf viele schlaue Entscheidungen, die Mainz 05 Ruhm und Ehre einbrachten.

Doch, oh je: Vom Rückenwind, mit dem das altbekannte Trio den darbenden Verein anschieben sollten, ist noch nicht mal ein laues Lüftchen übriggeblieben. Sportlich läuft es nicht so, wie Svensson sich das vorgestellt hatte, die Unzufriedenheit des Trainers nach drei Niederlagen in fünf Spielen ist mit Händen greifbar. Die Probleme sind derart fundamental, dass Svensson inzwischen weiß, für deren Lösung länger zu brauchen als erhofft. Der Abstieg ist unter diesen Umständen schwerlich vermeidbar.

Die Selbstzerstörung des einstigen Vorzeigevereins wird derweil auf anderer Ebene fortgeschrieben. Glaubte man, dass die Spieler mit ihrem Streik im vergangenen Herbst schon das Höchstmaß an Dummheit und Dreistigkeit präsentiert hätten, so setzte nun die Wahlkommission noch eine doppelte Portion drauf. In der Folge wurde die für kommenden Dienstag angesetzte Mitgliederversammlung verschoben.

Denn die angeblich unabhängige Wahlkommission, bestehend aus fünf älteren Herren, hat auf ganzen Linie versagt und dabei demokratische Grundsätze mit Füßen getreten. Der Job des Gremiums war es, eine Vorauswahl an Kandidat:innen zu treffen. In Mainz gab es 28 Bewerber:innen, zwischen zwölf und 16 darf die Wahlkommission laut Satzung für die Wahl von acht Aufsichtsräten durch die Mitgliederversammlung benennen. Es gehört dann schon ein Höchstmaß an Unverfrorenheit dazu, in einem vollkommen intransparenten Prozess selbst amtierenden Aufsichtsratsleuten, die sich wieder beworben hatten, von vorne herein eine Absage zu erteilen und statt der möglichen 16 nur zwölf Kandidat:innen zuzulassen.

So erhielt etwa Eva-Maria Federhenn, eine von zwei Frauen im noch amtierenden Aufsichtsrat, laut ihrer Darstellung am Montag vor einer Woche einen Anruf der Wahlkommission, in dem ihr erklärt wurde, sie werde aus dem Kandidatenkreis gestrichen, weil es Bewerber mit mehr wirtschaftlichem Sachverstand gäbe. Freundlicherweise sei ihr noch angeboten worden, die Bewerbung zurückzuziehen, was sie ablehnte. Vier Tage später erfuhr sie dann, dass die Wahlkommission nur zwölf statt der möglichen 16 Bewerber:innen zugelassen hatte, darunter eine einzige Frau.

Der Schaden ist groß

Die Entrüstung über diesen Akt der Ignoranz war nicht nur bei Frau Federhenn groß, sondern bei vielen einfachen Mitgliedern, die Medienberichterstattung geriet entsprechend verheerend. Viele vermuten, mächtige Kräfte im amtierenden Aufsichtsrat hätten Einfluss auf die Wahlkommission genommen, um sich unliebsame Ratsmitglieder geräuschlos vom Leib zu schaffen. Unverständlich bleibt auch, warum ein (vor drei Jahren schon chancenlos gescheiterter) Gegenkandidat für den wieder kandidierenden Vorstandschef Stefan Hofmann von der Wahlkommission nicht zugelassen wurde.

Der Schaden ist nun derart groß, dass die wegen Corona ohnehin schon aus dem vergangenen Herbst verschobene Mitgliederversammlung laut „einvernehmlicher Entscheidung von Vorstand und Aufsichtsrat“ nochmals vertagt wird. Das ist wahrscheinlich klug, um einen Aufstand wütender Mitglieder am Dienstag zu verhindern und sodann eine gerechtere, demokratischere, transparentere Lösung zu finden und die Mitgliederrechte nicht wieder derart infam zu verletzen. Die Peinlichkeit ist schon so groß genug. Und der neuerliche Imageschaden noch dazu.

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