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Mainzer Frust nach dem 0:4 gegen Borussia Dortmund.

Mainz 05

Das Duell der Gerupften

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Die Mainzer wissen das 0:4 gegen ein bärenstarkes Borussia Dortmund einzuschätzen, und sie wissen auch: das kommende Spiel gegen Werder Bremen ist von richtungsweisender Bedeutung.

Als die 81. Minute anbrach, hätten Menschen, die von Fußball keine Ahnung haben, glatt glauben können, Mainz 05 stünde vor einem großen Sieg gegen Borussia Dortmund. Dem Stadionsprecher brach fast die Stimme vor Begeisterung, und das Publikum feierte mit. Dabei führten die heillos überlegenen Gäste uneinholbar 3:0, bald sollte das 4:0 folgen, und es hätte gut und gerne schon 5:0, 6:0 oder 7:0 stehen können. Der Grund für die allgemeine Mainzer Begeisterung hört auf den Namen Jean-Philippe Mateta: Der monatelang verletzte Mittelstürmer erlebte beim 0:4 (0:1) gegen den formidablen BVB sein Comeback. Mehr Positives gibt es allerdings aus Mainzer Sicht von diesem Spiel nicht zu berichten. Immerhin: Mateta ist ein Joker für die Zukunft. Womöglich schon für die sehr nahe Zukunft. Denn an diesem Dienstag (18.30 Uhr) ist Mainz 05 zu Gast bei Werder Bremen. Den gerupften Norddeutschen geht es nach dem 1:6 in München noch schlechter als den Mainzern. „In Bremen“, sagt 05-Trainer Achim Beierlorzer, „wird es ein komplett anderes Spiel.“ Er sah dabei erleichtert aus.

Nur acht gute Minuten

Denn Beierlorzer hatte ja gesehen, wie die Dortmunder zuvor ungeniert Brummkreisel mit den in sämtlichen Belangen überforderten Nullfünfern gespielt hatten. „Die Dortmunder“, analysierte der 05-Chefcoach sehr richtig, „laufen kreuz und quer, aber mit Sinn und Verstand.“ Und sorgten so dafür, dass elf Mainzelmännchen ebenfalls irgendwie kreuz und quer laufen, allerdings ohne Sinn und Verstand. So dermaßen desorientiert dürfte Mainz 05 sich in Bremen eher nicht präsentieren. Beierlorzer hat seine Mannschaft nach vier Spielen (zwei gewonnen, zwei verloren) inzwischen so gut kennengelernt, dass er glaubt zu wissen, was sie kann. Und was sie nicht kann. „Wenn wir vorne drauf gehen, können wir mit unserer Dynamik jeden Gegner beeindrucken.“ Sogar acht Minuten lang Borussia Dortmund. Länger aber auch nicht.

Werder Bremen soll es schlechter ergehen als dem BVB. Der hätte schon viel eher als durch Marco Reus` erstes Auswärtstor der Saison in der 32. Minute führen müssen. Als die Mainzer dann nach einer guten Stunde von der defensiven Fünferkette auf eine offensivere Viererkette umstellten und fast alles nach vorne warfen, wurden sie nach allen Regeln gängiger Fußballkunst ausgekontert. „Die Dortmunder“, seufzte Beierlorzer, „hätten schon einen schlechten Tag erwischen müssen.“ Erwischten sie aber nicht.

Ein schlechter Tag ist eher am Dienstag von den heimschwachen Bremern zu erwarten, Beierlorzer sagt: „Dort zählen nur drei Punkte.“ Das ist ebenso zuversichtlich wie selbstbewusst formuliert aus Sicht des Tabellen-14 vor dem Kellertreppenspiel beim 15. 05- Sportchef Rouven Schröder hat noch mal genau nachgerechnet: „Jetzt kommt eine Mannschaft, die einen Punkt weniger hat als wir.“ Und die hinterher, so der Subtext, bitteschön vier Punkte weniger auf dem ohnehin karg gefüllten Konto haben soll.

St. Juste gelbgesperrt

Mainz 05 muss dann ohne Verteidiger Jeremiah St. Juste auskommen, der sich seine fünfte Gelbe Karte nach einem überflüssigen Einsteigen in der Nähe der Mittellinie redlich verdient hatte (Beierlorzer sollte deshalb lieber mit dem Spieler kritisch reden, als sich über den Schiedsrichter aufzuregen). Das macht die Abwehrarbeit für die Schießbude der Liga nicht leichter. Nur Werder Bremen (35 Gegentore) kommt in Sachen Defensivschwäche den Rheinhessen (38 Gegentreffer in 15 Spielen) halbwegs nah.

Ein offenkundiges Problem aus Mainzer Sicht: Der als Ersatz für den für 25 Millionen Euro zum FC Everton (und dort dauerverletzten) abgewanderten Jean-Philippe Gbamin verpflichtete Schweizer Edimilson Fernandes spielt nahezu körperlos Fußball. Das geht so in der Bundesliga natürlich nicht. Auch die Arbeitsteilung zwischen den defensiven Mittelfeldspielern Ridle Baku und Kunde Malong ist optimierungsbedürftig. Das sieht auch der neue Chefcoach so. Ein Mainzer Pass- und Positionsspiel war gegen Dortmund nicht sichtbar. Beierlorzer glaubt dennoch (noch), dass der Mainzer Kader ausreichend gut für den Klassenerhalt besetzt ist. Er habe in dieser Hinsicht „aktuell keinen Gesprächsbedarf“ mit Sportchef Schröder.

In Bremen nun könnte Torjäger Mateta auf mehr als nur zehn Minuten Einsatzzeit kommen. Im Training hat der Franzose in den ersten drei Einheiten seit seiner zuvor seit Sommer währenden Verletzungspause jedenfalls einen guten Eindruck hinterlassen. Im Spiel war er nur genau einmal am Ball (und ließ ihn geschickt prallen). Natürlich sei Mateta noch nicht wieder in der Lage, 60 Minuten Bundesligafußball zu spielen, glaubt Beierlorzer, aber eine Jokerrolle könnte der Mittelstürmer durchaus besetzen. Matetas Vertreter Adam Szalai wurde gegen Dortmund von Mats Hummels problemlos in Schach gehalten. Soviel Mühe sich der erkennbar zu langsame 32-Jährige auch gibt: In diesem Zustand ist er wohl kaum eine Hilfe als Startelfspieler für einen Bundesligisten.

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