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Mainzer Goldjunge: Robin Quaison, dreifacher Torschütze in Berlin.

Hertha - Mainz 1:3

Dreierpack und Drohnenalarm

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Nach dem starken Mainzer Spiel im Olympiastadion muss das Flugzeug mit den Siegern von Berlin umgeleitet werden. Zuvor war beim überraschend souveränen 3:1-Sieg Robin Quaison zum Helden des Tages geworden.

Bis dahin war alles glatt gegangen, sowohl auf dem Spielfeld als auch bei der Reiseorganisation. Doch dann meldete sich auf halber Strecke zwischen Berlin und Frankfurt am Samstagabend der Kapitän der Lufthansa-Maschine bei den Passagieren, zu denen auch die Fußballmannschaft von Mainz 05 gehörte. Die hatte am Nachmittag überzeugend 3:1 (1:0) bei Hertha BSC gewonnen und ließ sich auch von der nun folgenden Durchsage die gute Stimmung nicht tiefgreifend versauen. Aufgrund eine Drohnensichtung, erläuterte der Pilot, sei der Frankfurter Flughafen komplett gesperrt, eine Landung somit gerade nicht möglich. Die Maschine flog ins sogenannte Holding, sie drehte also einige Warteschleifen, ehe entschieden wurde, dass weiteres Warten keine gute Idee wäre. Denn die Kraftstoffreserven des Airbus A 320 gingen zur Neige. Da die Airports in Köln-Bonn und Hahn bereits wegen der vielen umgeleiteten Flieger ihre kurzfristige Kapazitätsgrenze erreicht hatten, landeten die Sieger von Berlin in Nürnberg. Teammanager Darius Salbert organisierte noch auf dem Rollfeld einen Omnibus für den Tross, die Mitarbeiter der Pressestelle wurden im Großraumtaxi nach Mainz gefahren, alle miteinander waren dann unversehrt um ein Uhr nachts am Trainingszentrum am Bruchwegstadion.

Soviel zur ungewöhnlichen Nachgeschichte. Aber auch das, was sich vor 35 000 Zuschauern zuvor im Berliner Olympiastadion abgespielt hatte, war durchaus ungewöhnlich. Denn niemand hatte ernsthaft damit rechnen können, dass die millionenschwer aufgemotzte Hertha-Truppe gegen Mainz 05 die klar schwächere Mannschaft abgeben und völlig verdient verlieren würde. Am Ende hatte der schwedische Nationalspieler in Diensten der Nullfünfer, Robin Quaison, alle drei Tore für sein Team erzielt. Das erste Tor Mitte der ersten Halbzeit mit einem präzisen Flachschuss, nachdem er gleich drei Hertha-Verteidiger ins Leere laufen ließ, das zweite Mal nach einer löblich perfekten Vorarbeit des just für den zuvor nahezu unsichtbaren Adam Szalai eingewechselten Karim Onisiwo (81.), und das letzte mit einem konkret getretenen Strafstoß in der Nachspielzeit, nachdem Onisiwo gefoult worden war.

Ein bisschen verrückt ist das schon: Vor fast genau zwei Jahren hatte Quaison beim Mainzer 2:0 in der Hauptstadt beide Tore gemacht, und auch in dieser Hinrunde erzielte er beim glücklichen 2:1 daheim einen Treffer. Der 26-Jährige ist nicht unbedingt der ganz große Redner, was ja auch nicht sein vordringlicher Job ist, also sagte er nach dem Triple von Berlin vor allem: „Das war ein guter Tag für mich.“ Hatte ja ohnehin jeder gesehen bei seinen Saisontoren Nummer neun, zehn und elf.

Quaison, im Januar 2017 für 2,5 Millionen Euro aus Palermo nach Mainz transferiert, wirkte geraume Zeit wie ein Spieler ohne Eigenschaften. Niemand wusste recht, wie gut der komische Kerl wirklich sein kann, mitunter schien er gar nicht am Spiel teilzunehmen. Gespielt hat er dennoch meist, die Trainer konnten ja erkennen, dass da was schlummerte, was nur geweckt werden musste. Mittlerweile weiß man: Quaison ist einer dieser Transfercoups von Sportchef Rouven Schröder. Die Fachleute von Transfermarkt.de haben den Marktwert des Offensivmanns aktuell auf acht Millionen Euro eingestuft, was zu wenig erscheint. Sein Vertrag läuft noch bis 2021. Quaison wäre ein typischer Verkaufskandidat im Sommer, Größenordnung 15 Millionen Euro, denn das Mainzer Geschäftsmodell funktioniert nur, wenn immer wieder Spieler deutlich teurer veräußert werden können, als sie erstanden wurden.

Viele fleißige Arbeiter

In Berlin funktionierte das Spiel der Rheinhessen auch deshalb so gut, weil die notorisch defensivschwachen Mainzer schon vor der mit Winterneuzugang Jeffrey Bruma verstärkten Dreierkette hochkonzentriert verteidigten. Auf der Doppelsechs hatte Trainer Achim Beierlorzer Danny Latza und dem im eigenen Nachwuchs weiterentwickelten Luxemburger Leandro Barreiro den Vorzug vor dem zuletzt ungehorsamen und formschwachen Kunde Malong gegeben. Latza und der schmale Barreiro arbeiteten fleißig, das taten auch alle anderen offensiv ausgerichteteren Mitspieler.

So kam es, dass Torwart Robin Zentner nur Routinearbeit zu erledigen hatte, was er souverän tat. Der Anschlusstreffer zum Berliner 1:2 kurz vor Schluss durch ein Eigentor von Bruma fiel allerdings schon wieder nach einer Standardsituation, die Mainzer sind nach gegnerischen Ecken und Freistößen weiterhin das schwächste Mitglied der Fußball-Bundesliga. Eine Statistik, die an diesem Wochenende, an dem sich die Nullfünfer bis auf zwei Zähler an die Hertha rangerobbt haben, niemandem wehtat.

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