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Sitzfußball: Bayern-Profi Lucas Hernandez und der Mainzer Jean-Paul Boetius.
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Sitzfußball: Bayern-Profi Lucas Hernandez und der Mainzer Jean-Paul Boetius.

Mainz schlägt sich achtbar in München

Die Tücken des Videoentscheids

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der Mainzer Trainer Bo Svensson widerspricht Vereinsikone Niko Bungert, der prompt brav einlenkt.

Am Morgen nach der unglücklichen 1:2-Niederlage beim FC Bayern war Niko Bungert zu Gast im Fußball-Stammtisch „Doppelpass“. Der ehemalige Verteidiger von Mainz 05 ist Vereinsbotschafter der Rheinhessen und musste sich gleich bei der Begrüßung durch Moderator Rudi Brückner ein bisschen winden. Denn tags zuvor in der Halbzeitpause hatte Bungert es noch als richtig angesehen, dass ein Tritt des Bayern Dayot Upamecano gegen den Fuß des Mainzers Jae-sung Lee in der 19. Minute nicht mit einem Strafstoß geahndet worden war. Bungert hatte die Berührung als nicht hart genug empfunden und teilte dies im Halbzeitinterview bei Sky genauso mit.

Cheftrainer Bo Svensson aber bewertete die Szene diametral anders und ließ das in der Pressekonferenz dann so raus: „Fragt ihr wirklich nicht nach der Elfmeterszene?“ fragte er die Medienleute und fügte blitzgescheit in Erinnerung an die Aufregung beim Spitzenspiel Borussia Dortmund gegen den FC Bayern um ein vermeintliches Foul an Marco Reus vor einer Woche hinzu: „Wärt ihr Dortmund-Reporter, würdet ihr bestimmt fragen!“ Was dann auch passierte. Svensson erklärte, er verstehe, dass Schiedsrichter Benjamin Cortus die Szene „im Spiel mit dem Tempo“ als nicht strafstoßwürdig bewertet habe. Was er aber nicht verstehen könnte: „Dass der Schiri das nicht noch mal anschaut“, denn: „Es ist keine schwer zu bewertende Szene.“

Niko Bungert seinerseits nahm Abstand von seiner Halbzeitmeinung. Er habe auf einem „klitzekleinen Bildschirm“ keine präzise Bewertung abgeben können. Am Sonntag war es für ihn dann nach vielen Zeitlupen eine „klare Kiste“, also Strafstoß.

Wie immer man die Szene bewerten mag (die TV-Stationen stimmten mehrheitlich dem Unparteiischen und dem Videoassistenten zu, im Fußball-TV-Stammtisch herrschte Uneinigkeit) - sie zeigt recht exemplarisch, wie schwierig derartige Situationen zu beurteilen sind. Es ist ein bisschen wie beim Thema Corona: Die Wahrnehmungen sind komplett unterschiedlich, jede und jeder glaubt, es besser zu wissen, und die Dummen sind oft die, die zu entscheiden haben: zu hart entschieden, zu weich geblieben, die Grautöne verschwinden in den Beurteilungen.

Ein wenig überflüssig war die Aufregung in München vor allem deshalb, weil die stark pressenden Mainzer schon drei Minuten nach dem nicht gegebenen Strafstoß durch einen Kopfball von Karim Onisiwo 1:0 in Führung gingen. Die Vorarbeit hatten Anton Stach und Jonathan Burkhardt auf brillante Art und Weise geübt. Die Bayern wirkten danach ein wenig geschockt. Mainz war geraume Zeit dann die bessere, mutigere und organisiertere Mannschaft. 05-Torwart Robin Zentner analysierte entsprechend richtig: „Heute waren sie schlagbar.“

Aber dafür hätten die Gäste sich nach dem Wechsel in der Geisterstimmung der riesigen Arena sich nicht so sehr unter Druck setzen lassen dürfen. Und sie hätten nicht so einfach den Ausgleich kassieren dürfen, über den sich Svensson ganz zu Recht noch viel mehr ärgerte als über das nicht geahndete Foul an Lee.

Denn die Nullfünfer machten es erst Corentin Tolisso zu leicht, in aller Ruhe zu passen und dann machten sie es auch dem Torschützen Kingsley Coman zu einfach, den Ball auf Rechtsaußen elegant aufzunehmen und acht Minuten nach der Pause durch Zentnern Beine einzuschießen. Es folgte eine Angriffswelle nach der anderen und das 2:1 durch den frisch geimpften Jamal Musiala nach 75 Minuten, als der eingewechselte Mainzer Jean-Paul Boetius naiv verteidigte.

Nagelsmanns Predigt

Zuvor hatte es bei den Bayern deutliche Kabinenworte von Trainer Julian Nagelsmann gegeben. „In der zweiten Halbzeit haben wir eine Top-Reaktion gezeigt, da waren wir richtig scharf“, lobte sich der Chefcoach ein bisschen auch selbst.

Die Mainzer ihrerseits können durchaus ein bisschen stolz auf ihren Münchner Vortrag sein und selbstbewusst in die Partie am Dienstagabend gegen Hertha BSC gehen. Die Bayern, praktisch Herbstmeister, blicken interessiert auf die Auslosung am Montag zum Achtelfinale der Champions League.

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