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Hat Mainz 05 im Griff: Trainer Bo Svensson. Foto: Imago Images
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Hat Mainz 05 im Griff: Trainer Bo Svensson.

Mainzer Spielerstreik jährt sich

Der tiefste Tiefpunkt

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Vor einem Jahr boykottieren Mainzer Fußballprofis das Training - der Verein zieht die richtigen Lehren und profitiert noch heute davon.

Ein Jahr danach scheint die Sonne über Mainz. Der Trainingsplatz ist gut gewässert. Die Stimmung ist prächtig: das letzte öffentliche Training des Fünften der Fußball-Bundesliga vor dem Spitzenspiel beim Vierten Bayer Leverkusen am Samstag. Hand gezählte neun Fans, zumeist älteren Jahrgangs, ein Fotograf und ein schreibender Reporter sind vor Ort. Nach einer Stunde ist das Übungsprogramm schon vorbei. Cheftrainer Bo Svensson hat es aus einer gewissen Distanz verfolgt und seine Assistenten machen lassen. Der Däne hat alles im Griff bei Mainz 05.

Vor genau einem Jahr am atmosphärisch tiefsten Tiefpunkt der bewegten Klubgeschichte hatte niemand nichts im Griff: Am Nachmittag des 23. September 2020 verweigern die Profis nach heftigen Debatten in der Kabine den Gang auf den Trainingsplatz. Trainer Achim Beierlorzer hat damit endgültig seine seit Monaten schwindende Autorität verloren. Nach einem 1:4 gegen den VfB Stuttgart wird er vier Tage später entlassen. Auch Sportvorstand Rouven Schröder wird den 23. September 2020 nicht langfristig überstehen. Zu viel ist kaputtgegangen.

Die Profis erklären ihren Streik erst einen Monat später in einem offenen Brief, verweisen auf unzureichende Kommunikation beim Thema Gehaltsverzicht in der Coronakrise und die vorher durch Beierlorzer und Schröder ausgesprochene Freistellung von Adam Szalai. Der Stürmer hatte sich mehrfach mit Beierlorzer angelegt. Der inzwischen als Co-Trainer bei RB Leipzig arbeitende Mainzer Ex-Chefcoach wird später sagen, er sei „sehr überrascht“ über seine Demission gewesen. Diese Wahrnehmung hat Beierlorzer exklusiv.

Rouven Schröder, inzwischen Sportdirektor bei Schalke 04, möchte nicht mehr öffentlich über die Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Trainingsboykott sprechen, auch bei Mainz 05 möchte man die Erinnerung an die düsteren Tage des Septembers 2020 nicht durch aktuelle Zitate befeuern,

Beierlorzers im Fortgang ebenso überforderter Assistent Jan-Moritz Lichte steigt mit einer „Mannschaft im Modus der Selbstzerstörung“ (FR) und einem 0:4 bei Union Berlin in seine kurze Mainzer Chefcoach-Episode ein und mit dem peinlichen Pokalaus gegen den Zweitligisten VfL Bochum zur Weihnachtszeit wieder aus. Sein bis 2022 laufender Vertrag wurde gestern endgültig aufgelöst.

Reinigendes Gewitter

Im Rückblick könnte man die Geschehnisse als „reinigendes Gewitter“ interpretieren. Der Vereinsführung um Klubchef Stefan Hofmann wird im Herbst 2020 klar, dass Trainerentlassungen allein für eine Zukunftperspektive nicht reichen. Er holt den langjährigen erfolgreichen Manager Christian Heidel aus dessen neuem ersten Wohnsitz auf Mallorca zurück nach Mainz. Heidels ursprünglicher Plan, im Vorstand an der Seite von Schröder zu arbeiten, wird von diesem abgelehnt. Der Weg ist frei für eine radikale Personalrochade. Zurück in die Zukunft: Heidel holt Ex-Trainer Martin Schmidt als Sportdirektor und Ex-Nachwuchscoach Bo Svensson als neuen Cheftrainer zurück.

Die Drei sind sich Anfang des Jahres angesichts von nur sechs Punkten abgeschlagen im Tabellenkeller einig, dass der Klassenerhalt nicht das vordringliche Ziel sein kann. Es geht darum, wieder Mainz-05-Fußball zu präsentieren und das Bild des schwer beschädigten Vereins zu restaurieren. Svensson startet mit einem 0:2 gegen Eintracht Frankfurt, einem 1:1 in Dortmund und einem 0:2 gegen Wolfsburg humorlos, ehe die Nullfünfer Leipzig im ersten Rückrundenspiel überraschend 3:2 schlagen. Es folgt nach der Hinrunde der Schande eine sensationelle Rückrunde und der Sprung auf Platz zwölf.

Derselbe Klub, der sich im September 2020 zum Gespött der Republik gemacht hat, hat vor allem dank der anerkannten Führungsfiguren Heidel und Svensson zurück zu seiner DNA gefunden. Svensson hört nicht auf, den derzeit verletzten Adam Szalai - seinerzeit Anlass für den Spielerstreik - umfassend zu loben. Der Ungar sei „ein Mensch, der in der Lage ist, andere Menschen mitzunehmen“. Das hat der Stürmer auch vor einem Jahr geschafft.

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