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Damals im Mai: Sandro Schwarz (rechts) und Marco Rose feiern mit Mainz 05 2003 den Aufstieg in die Bundesliga.

Sandro Schwarz und Marco Rose

Mainz gegen Gladbach: WG in der Coachingzone

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Die besten Freunde Sandro Schwarz und Marco Rose treffen am Samstag beim Spiel Mainz 05 gegen Mönchengladbach als Trainer aufeinander.

Als Sandro Schwarz vor knapp zwei Wochen erstmals zu Gast beim Münchner Fußballstammtisch „Doppelpass“ war, gehörten auch Mario Basler und Stefan Effenberg zur Talkrunde. Die beiden Ex-Nationalspieler wurden mit deren schönsten Toren vorgestellt, der Chefcoach von Mainz 05 in einer Küchenszene gemeinsam mit dem alten Kumpel Marco Rose. Schwarz in der Männer-WG mit einem Staubsauger in den Händen.

Da lang: Sandro Schwarz. 

Der Trainer hat die Szene lässig weggelächelt, aber sie hat ihn in diesen Tagen natürlich wieder eingeholt. Denn am Samstag spielt Mainz 05 gegen Borussia Mönchengladbach. Das heißt: Sandro Schwarz, 40, gegen Marco Rose, 42, der zu Saisonbeginn die Gladbacher übernommen hat. Der eine sagt über den anderen: „Er ist mein bester Freund und ein herausragender Mensch.“ Da lässt es sich schwerlich verhindern, dass die ollen Kamellen wieder ausgepackt werden. Beide haben Patenschaften für ein Kind des anderen übernommen, die Familien gehen regelmäßig gemeinsam in den Urlaub, zuletzt waren sie im Sommer auf Mallorca, neulich unterstützten sie gemeinsam ihren Kumpel, Handballer Pascal „Pommes“ Hens, bei der TV-Show „Let’s Dance“. Hens hatte der Ur-Mainzer Schwarz schon als Teenager kennengelernt: „Mit 15, 16 Jahren auf einer Jugendparty. Wir sind mit der Zeit sehr gute Freunde geworden. Es gab immer gute Verbindungen zwischen den Mainzer Fußballern und den Handballern von Wallau/Massenheim.“ So kamen dann auch Hens und der gebürtige Leipziger Rose zusammen, der damals aus von Hannover 96 zu Mainz 05 gewechselt war.

Mittelfeldspieler Schwarz und Linksverteidiger Rose spielten von 2002 bis 2004 gemeinsam unter Jürgen Klopp. Sie spürten schnell, dass sie auf einer Wellenlänge unterwegs sind und sich mehr für Fußball interessieren als die meisten Mitspieler. „Wir haben uns immer intensiv ausgetauscht“, berichtet Schwarz, „unsere Spielideen sind identisch. Wir wollen, dass unsere Mannschaften aktiv gegen den Ball arbeiten.“ Marco Rose, den nicht nur Schwarz „Rosi“ nennt, sei „als Führungsspieler immer für die Mannschaft dagewesen“. Rose bezeichnet die gemeinsamen Erfahrungen des nach zweimaligem knappen Scheitern geglückten Aufstiegs als Schlüsselerlebnis: „Da haben wir mitgenommen, dass es sich immer lohnt, weiterzumachen und nicht aufzugeben.“

Klopp gab ihm einst den Rat, Trainer zu werden, Rose assistierte kurzzeitig Thomas Tuchel, dann dem späteren Mainzer Cheftrainer Martin Schmidt bei der zweiten Mannschaft in Liga drei, ehe er bei RB Salzburg Karriere machte und im vergangenen Sommer die halbe Bundesliga Interesse an dem Überflieger zeigte. Rose sagt über seine Philosophie: „Ich bin weder ein klassischer Ballbesitztrainer noch einer, der nur Haudrauf und Pressing forciert. Ich würde es gerne relativ komplett haben, das ist meine Kernidee.“

Sandro Schwarz hätte es über sich selbst kaum besser formulieren können. Er witzelt vor der Partie am Samstag: „Bei Rosi weiß ich zumindest: Sollte ich verlieren, gewinnt immerhin mein bester Freund.“ Rose witzelt zurück: „Ich denke schon, dass der eine den anderen überraschen kann. Aber wenn ich denke, dass er denkt, dann denkt er, dass ich denke, dass er gedacht hat – wir denken also ziemlich viel und am Ende kann man dann auch falsch liegen.“ Schwarz sagt geschäftsmäßig, er beschäftige sich „nicht mit dem größtmöglichen Überraschungseffekt gegenüber Gladbach und Rosi“.

Hemd raus: Marco Rose. 

Der Druck ist für beide nicht gerade klein. Mainz ist raus aus dem Pokal und hat zum Bundesligaauftakt 0:3 in Freiburg verloren, Rose ist mit seinem Team über ein unspektakuläres 0:0 gegen Schalke 04 nicht hinausgekommen.

Die Erwartungen an den Neuen sind groß. Er sagt, er freue sich darauf, „zurück zu meinem FSV Mainz 05 zu kehren, wo ich zehn Jahre verbracht habe, tolle Leute kennengelernt habe, die auch jetzt noch da arbeiten, wo der Trainer mein bester Freund ist, da ist das schon was Besonderes“. Zuletzt haben sie am Montag telefoniert.

Lieber Chef als Assistent

Fast wäre der zwei Jahre ältere Marco Rose sogar Co-Trainer von Schwarz geworden, als dieser von Sportchef Rouven Schröder 2017 zum Chefcoach der Bundesligamannschaft befördert wurde. Rose war seinerzeit Nachwuchstrainer in Salzburg, unter Schwarz „war wirklich die einzige Konstellation auf dem Planeten, in der ich mir nochmal vorstellen konnte, als Co zu arbeiten“, so Rose.

Am Ende kamen die beiden Freunde aber zu der Erkenntnis, es besser bleiben zu lassen, weil sie beide laut Selbsterkenntnis eher zu Cheftrainern taugen. Für Rose, der sensationell mit der Salzburger U19 die Youth Champions League gewonnen hatte, war das eine besonders kluge Entscheidung, er wurde postwendend befördert. In der Folge präsentierten die Salzburger mitreißenden Fußball und Siege in der Europa League gegen Borussia Dortmund und Lazio Rom, die sie bis in Halbfinale beförderten. Und Rose nach Gladbach.

„Gegenpressing“

Mainz 05 stellt die neue Saison unter das Motto „Gegenpressing“. Die Nullfünfer wollen damit demonstrieren, dass sie in einer direkten Umkehrbewegung gegen sinkende Zuschauerzahlen und stagnierende Dauerkartenverkäufe ankämpfen. Marketingchef Michael Welling sagte bei einem Pressetermin: „Wir wollen mehr ins Zentrum der Stadt rücken und uns mehr um Kinder und Jugendliche kümmern.“ Die zahlen künftig nur noch 50 beziehungsweise 30 Prozent der Erwachsenenpreise. Der billigste Eintritt wird zum Heimspiel gegen den SC Paderborn gewährt. Ein Erwachsener mit Kind zahlt dann zusammen nur 20 Euro für beide Tickets. 

Die Mainzer Arena wurde in der Sommerpause mit einer neuen Flutlichtanlage mit moderner LED-Technik ausgerüstet. Statt 1400 Lux schafft sie nach der 800 000-Euro-Investition nun mehr als 2000 Lux. Gefordert sind seit dieser Saison von der Deutschen Fußball-Liga 1600 Lux. 42 der 145 alten Strahler wurden nach Oberhof gefahren und an den dortigen Skisprungschanzen installiert. Die Mainzer Stadionzeitung wird nicht mehr bei jedem Heimspiel verkauft, sondern einmal monatlich einem Anzeigenblatt in der Auflage von 140 000 beigelegt. Der Klub will so mehr Kontakte erreichen.

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