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Auf gehts: Bürgermeister Günter Beck, Museumsdirektorin Annette Ludwig und 05-Vorstand Jan Lehmann (v. l.)

Bundesliga

Mit Ecken und Kanten

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Mainz 05 bastelt beflissen am Erscheinungsbild und am Kader und kann schon einige Erfolge vermelden.

Wenn die Direktorin des Mainzer Gutenberg-Museums an den Abend mit Jürgen Klopp zurückdenkt, wird ihr noch immer ganz warm ums Herz. Klopp, der Menschenfänger, hat auch Annette Ludwig in seinen Bann gezogen, als er im vergangenen Herbst den Mainzer Medienpreis entgegennehmen durfte und Einzug ins berühmte Museum erhielt – als mit Blattgold belegter Holzschnitt. Es gibt wenig Zweifel, dass allen voran die Klubikone Klopp Mainz 05 zu dem gemacht hat, was der Klub geworden ist. Weitere fünf Jahre lang prägte Thomas Tuchel den Verein auf seine ganz eigene Art, und jahrelang war immer auch Christian Heidel da, der Manager, der das kleine Mainz 05 gemeinsam mit Präsident Harald Strutz so wunderbar groß erscheinen ließ.

Die Nachfolger der Klopp-Strutz-Heidel-Tuchel-Ära brauchten ein bisschen, bis sich im anfänglichen Krisenmanagement alles wieder zurechtgeruckelt hatte, Mainz 05 hat derweil in der öffentlichen Wahrnehmung trotz soliden Fußballsports ein paar Rückschläge hinnehmen müssen. Aber jetzt wähnen sie sich bei den Nullfünfern an dem Punkt, aktiv zu werden. In dieser Woche stellten sie ihr neues Klubdesign vor. Wo könnte das besser geschehen als im Gutenberg-Museum, wo an den Erfinder des modernen Buchdrucks erinnert wird.

Mit zwei Agenturen hat der Fußball-Bundesligist das neue Erscheinungsbild erarbeitet, eine eigene 05-Hausschrift mit recht markanten Ecken und Kanten findet sich auch auf den Trikotnummern wieder. „Vielleicht entfaltet Ihre Schrift eine Sogwirkung“. rief Museumschefin Ludwig den stolzen 05-Vorständen Jan Lehmann und Michael Welling zu. So eine ähnliche Sogwirkung, wie sie einst unter Jürgen Klopp entstanden war. Marketingchef Welling weiß, was einer sagen muss, um der Angelegenheit an diesem „geschichtsträchtigen Tag“ die nötige Gefühlstiefe zu verleihen: „Je öfter ich es sehe, desto verliebter bin ich in das Design.“ Ein bisschen blöd nur, dass der Plan scheiterte, parallel zum neuen Klubdesign die guten, alten, bei den Fans augenscheinlich recht beliebten Karotrikots der Saison 1995/96 wiederaufzulegen. Damit wollen sie in Mainz zu einem Wiedererkennnungsmuster gelangen, das bis auf den VfB Stuttgart mit seinem roten Brustring kein anderer deutscher Lizenzklub vorweisen kann.

Auch mit einer Ticketoffensive wollen die mit rückgängigen Besucherzahlen kämpfenden Mainzer punkten. Als einziger Erstligist bieten sie Dauerkarten zu günstigeren Preisen an als in der vergangenen Saison, Kinder und Jugendliche zahlen noch spürbarer weniger, es gibt eine neue 11er-Karte für Leute, die nicht alle 17 Heimspiele besuchen wollen.

Sonntag Trainingsauftakt

Trainer Sandro Schwarz bittet die Mainzer Profis am heutigen Freitag erstmals wieder zu sich, nach zwei Tagen der Leistungsdiagnostik beginnt das eigentliche Vorbereitungsprogramm am Sonntagnachmittag. Derweil hat Sportvorstand Rouven Schröder einen Gutteil seiner Arbeit bereits verrichtet, den Ex-Mainzer und Ex-Frankfurter Michael Thurk als Co-Trainer geholt, mit Mittelstürmer Jean-Philippe Mateta den Vertrag bis 2023 verlängert, um den Franzosen irgendwann gewinnbringend veräußern zu können, Ersatzmann Anthony Ujah, im Januar 2018 für 3,8 Millionen Euro gekommen, gegen eine Ablöse von zwei Millionen Euro Richtung Union Berlin von der Gehaltsliste genommen. Der Nigerianer wird zumindest als netter Kerl und dufter Teamplayer in Erinnerung bleiben.

Auch Levin Öztunali (nach Augsburg) dürfte bald weg sein und wohl rund fünf Millionen Euro in die Kasse spülen, aus der vor allem für Edimilson Fernandes (Schweizer, Mittelfeld, 23) und Ronaël Pierre-Gabriel (Franzose, Rechtsverteidiger, 21) schon 14 Millionen an Transferentschädigungen entnommen wurden. Weitere sechs, sieben oder acht Millionen Euro könnte ein neuer, gestandener Innenverteidiger kosten, nach dem Schröder seit Monaten fahndet. Da wäre es hilfreich, den dringend abwanderungswilligen Jean-Philippe Gbamin auch loszuwerden. Nur gibt es augenscheinlich derzeit noch niemanden, der bereit wäre, für den Franzosen die erwarteten mehr als 30 Millionen Euro zu berappen. Dafür war der Mittelfeldspieler schlicht zu schlecht in der vergangenen Saison. Darfs also vielleicht ein paar Scheine weniger sein?

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