+
Noch mal durchstarten: Die Mainzer Levin Öztunali, Niko Bungert und Karim Onisiwo (von links).

Bundesliga

Bloß nicht lockerlassen

  • schließen

Mainz spielt gegen Leipzig mehr um die Ehre als um wichtige Punkte.

Was sollen Fußballtrainer sagen, wenn das Saisonziel bereits erreicht wurde, ehe die Spielzeit zu Ende gegangen ist. Sie können ja nicht zugeben, dass es um nichts mehr wirklich geht (außer um die TV-Ertragstabelle), dass man also die restlichen Spiele geruhsam auslaufen lassen kann und auch nicht mehr unbedingt jeder Spieler zum Training kommen muss. Also sagt Ralf Rangnick vor dem Auswärtsspiel des längst für die Champions League qualifizierten RB Leipzig am Freitagabend (20.30 Uhr) bei Mainz 05: „Die Saison ist nicht rum, wir können noch neun Punkte holen und wir wollen noch neun Punkte holen.“ Und sein Kollege Sandro Schwarz, der den Klassenerhalt vor zwei Wochen mit seiner Mannschaft eingetütet hat, bleibt tapfer bei seiner Sprachregelung: „Ziel ist es, auf Platz zehn zu klettern.“ Klingt jeweils etwas angestrengt, ist aber sozusagen alternativlos, will man als verantwortlicher Trainer nicht leichtfertig dafür sorgen, dass alle Spieler ihre Reserven in den Schongang stellen.

Der Sprint des Jahres

Vor etwas mehr als einem Jahr stand das Duell Mainz gegen Leipzig unter völlig anderen Vorzeichen. Seinerzeit überfuhren die Rheinhessen die Sachsen mit 3:0, sicherten sich so praktisch den Klassenerhalt und sorgten dafür, dass die Rasenballer die Champions League verpassten. Sandro Schwarz wurde am gestrigen Donnerstag daran erinnert, dass er an jenem 29. April 2018 nach Spielschluss einen Freudensprint angezogen und dabei leicht und locker den Sportvorstand Rouven Schröder abgehängt hatte. Eine bemerkenswerte Leistung für Schwarz, der Zeit seiner aktiven Karriere nicht eben zu den Schnellsten der Branche gehörte. So viel sei ehrlicherweise hinzugefügt: Kollege Schröder allerdings auch nicht.

Diesmal wird es ähnlichen Szenen nicht geben, das ist klar. Auch können die lediglich 24 000 erwarteten Besucher sicher sein, dass der gebürtige Leipziger René Adler auch aus Anlass der Begegnung gegen seine Heimatstadt nicht offiziell verabschiedet wird. „Wir haben hier keine Abschiedsrunde, sondern ein Meisterschaftsspiel“, bedeutete Schröder kühl, lobte den scheidenden Ex-Nationaltorwart aber ansonsten nach allen Regeln der rhetorischen Kunst. Vor allem stehe Adler „für eine Generation, die sich mehr Gedanken macht als darüber, wie die Pille ins Tor muss.“ Schwarz sekundierte, Adler habe sich auch in seinen Phasen längerer Verletzungspausen als „Topprofi“ präsentiert, der „auch in schwierigen Momenten in der Kabine für die Mannschaft da war“.

Was den weiteren Verlauf der Saison angeht, warten auf Leipzig zweifellos reizvollere Aufgaben als auf Mainz. Sandro Schwarz weilte am Donnerstagabend höchstpersönlich in der Frankfurter Arena, um sich dort „zur Gegnerbeobachtung“ die Partie der Europa League gegen den FC Chelsea anzusehen, schließlich steht am Sonntag in einer Woche das Pflichtspiel der Nullfünfer in Frankfurt an. Für Schwarz, gerade von Frankfurt-Niederrad nach Frankfurt-Sachsenhausen umgezogen, ist der Besuch im Frankfurter Stadtwald ohne Mühe zu bewerkstelligen. Noch einfacher hat es Ralf Rangnick nächste Woche. Der Leipziger Macher muss zur Gegnerbeobachtung fürs Pokalfinale gegen die Bayern (25. Mai) noch nicht mal das eigene Stadion verlassen. Der Spielplan der Bundesliga will es so, dass der Brauseklub die Bayern Samstag in einer Woche zur Probe empfängt - und nebenbei den Titelkampf und die Trainerdebatte in München noch mal richtig spannend machen kann. Und das so wunderbar ganz ohne diesen fiesen Druck des Gewinnenmüssens, genau wie Freitag in Mainz. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion