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War gegen Hoffenheim nicht mehr wiederzuerkennen: Levin Öztunali.

FSV Mainz 05

Bloß kein Dienst nach Vorschrift

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Der FSV Mainz 05 will im zweiten Spiel unter Achim Beierlorzerseine angriffslustige Haltung bewahren.

Sind Fußballlehrer fast zwangsläufig auch Fußball-Workaholics? Wer Achim Beierlorzer zuhört, bekommt für diese These einige Belege serviert. Etwa, wenn der neue Trainer des FSV Mainz 05 den Start an neuer Arbeitsstätte schildert: „Die ersten Tage waren mit 24 Stunden knapp bemessen.“ Wer mitten in der Saison einen fliegenden Wechsel rheinaufwärts von Köln nach Mainz hinlegt, ist anfangs fast automatisch rund um die Uhr beschäftigt.

Der tatendurstige Franke, der eine klare Ansprache bevorzugt, sieht sich zwar noch immer mittendrin im Findungsprozess und kann den verlängerten Vorlauf am 13. Spieltag zum Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt gut gebrauchen („Ich bin über jede Trainingseinheit froh“), hat sich aber mit dem perfekten Einstand die Arbeit selbst ein ganzes Stückchen leichter gemacht.

Der furiose 5:1-Sieg bei der TSG Hoffenheim, als sogar in einer Halbzeit vier Tore in Unterzahl gelangen – Novum der Bundesliga-Geschichte -, hat das Zutrauen aller Beteiligten gestärkt. „Das macht alles leichter. Wir sind alle heiß darauf, einen Anschlusserfolg zu erzielen“, hat der 52-Jährige vor der Heimpremiere versprochen. Beierlorzer ist es eigentlich egal, ob es sich bei dieser Konstellation um ein Derby oder Nachbarschaftsduell handelt; Hauptsache, „die Mannschaft weiß, dass der Gegner eine kurze Anfahrt hat“.

Und natürlich ist ihm bekannt, das Mainz zumindest zu Hause gegen Frankfurt keine schlechte Bilanz aufweist. In der Arena am Europakreisel hatten die Rheinhessen häufig Grund zum Feiern. Sportvorstand Rouven Schröder erinnert sich beispielsweise an das packende 2:2 aus der Vorsaison, „da war alles drin“. Der gebürtige Sauerländer hatte sich ja vor allem deshalb für Beierlorzer entschieden, weil beide sich aus einer gemeinsamen Zeit beim Zweitligisten Greuther Fürth kannten. Beide werkelten damals noch nicht in der ersten Reihe, haben sich aber das Mehr an Verantwortung durch Fleiß und Beharrlichkeit jetzt verdient. „Die Art und Weise, wie er die Stufen genommen hat, fand ich schon sehr, sehr beeindruckend“, sagt Schröder über Beierlorzer.

Und verblüffend allemal, wie wirksam seine Handgriffe waren, um Hoffenheim zu übertölpeln. Fast wie von Zauberhand waren die müden Lebensgeister geweckt. Oft so zögerliche Akteure wie Levin Öztunali oder Pierre Kunde Malong waren nicht wiederzuerkennen, letzterer erzielte seine ersten Bundesligatreffer überhaupt. Das Energiebündel aus Kamerun dürfe seinen Offensivdrang ruhig häufiger zeigen, „Dienst nach Vorschrift“, stellt Beierlorzer klar, soll in Mainz der Vergangenheit angehören.Das Team soll unter ihm seine angriffslustige Haltung bewahren.

Die im Training entsandten Signale stimmen ihn diesbezüglich positiv. „Die Mannschaft nimmt alles an, arbeitet sehr, sehr gut.“ Der für zwei Spiele gesperrte Ridle Baku wird heute durch Kapitän Danny Latza ersetzt („Er kann die Position eins-zu-eins übernehmen“), ansonsten dürften das Personal und die Formation (3-5-2) dieselbe sein.

Auf was es gegen die Eintracht, denen Beierlorzer „Power, Intensität, Wucht, Dynamik und Zweikampfstärke“ zuschreibt, ankommt, ist ebenfalls ermittelt: „Wir müssen giftig sein, kompakt stehen, die Passwege zustellen und ihnen den Spielaufbau erschweren.“ Dass die Mainzer Fans für die erste Viertelstunde einen Stimmungsboykott angekündigt haben – der obligatorische Protest gegen die Ansetzung am ungeliebten Montagabend –, akzeptiert der Coach ohne Wimpernzucken. „Die 15 Minuten kriegen wir hin. Danach brauchen wir die Fans.“

Gar nicht verstehen konnte Beierlorzer indes, dass Lutz Hangartner, der Präsident beim Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), seinen Blitzwechsel kritisierte. Es sei bestimmt nicht sein Plan gewesen, so schnell den Arbeitgeber zu tauschen. Die Situation habe niemand so gewollt, „aber es ist die freie Berufswahl“, und er genießt „diesen tollen Job“. Wer so viel Lust empfindet, der schaut auch nicht auf die Uhr. Insofern hat es Beierlorzer am Wochenende nicht damit bewenden lassen, bei den nicht-öffentlichen Trainingseinheiten auf dem Platz zu stehen. Zwischendrin schaute er sich am Bruchweg noch das Spitzenspiel der U19-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest zwischen Mainz und Hoffenheim (1:2) an. „Erster gegen Zweiter, lauter Toptalente“, erklärte der Coach. Da wolle er sehen, was in Mainz geboten wird. Fußball-Workaholic eben.

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