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Von ihm wird mehr erwartet: Christian Wetklo.

Mainz 05

Nur ein bisschen neu erfinden

Mainz 05 will Familienbetrieb bleiben. Man wird den eingeschlagenen Kurs beibehalten und will finanziell nicht ins Risiko gehen. Für die Torhüter gibt es zur neuen Saison eine klare Ansage.

Von Jan Christian Müller

Es gehört zur gepflegten Tradition beim FSV Mainz 05, dass Trainer Thomas Tuchel sich gemeinsam mit Manager Christian Heidel nach Saisonschluss zu Kaffee und Gebäck mit den Medienvertretern trifft und das Spieljahr Revue passieren lässt. Das Pfingstwochenende nach dem 2:2 beim VfB Stuttgart hatte Tuchel zu Einzelterminen mit den Spielern genutzt, auf dass jeder Mainzer Profi weiß, was künftig von ihm erwartet wird. Am Dienstag gaben die Verantwortlichen dann den ständigen journalistischen Wegbegleitern Einblick in ihre Überlegungen.

Bei der Spielersuche, erläuterte Tuchel, „entscheiden wir uns eher für den, der die Charaktereigenschaften besitzt, die klarer zu uns passen, als für denjenigen, der den Ball besser annehmen kann“. Charakter und Widerstandsfähigkeit seien Voraussetzung dafür, sich als Underdog stabil in der Liga zu halten. Was der Trainer aber nicht falsch verstanden haben wollte. Ein Stefan-Effenberg-Typ sei eher nicht der Gesuchte, so der Chefcoach, „denn so einer muss sich hier auch wohlfühlen“, Mainz 05 stehe eben nicht für den Typ Verein, der von sich sage: „Wir gewinnen, egal wie, Hauptsache wir gewinnen“.

„Entwicklungen im Torwartspiel sind auch mit 33 und 35 Jahren noch möglich“

Strenge Maßstäbe werden im Familienbetrieb am Rhein dennoch angelegt, weshalb die aktuellen Unterredungen mit den Spielern nicht immer nur angenehmer Natur waren. Die drei Torhüter Christian Wetklo, Heinz Müller und Loris Karius bekamen zum Beispiel recht deutlich gesagt, dass ihr Arbeitgeber eine Art „Hallo-Wach-Effekt“ erwartet. „Entwicklungen im Torwartspiel sind auch mit 33 und 35 Jahren noch möglich“, fordert Tuchel von den beiden Altmeistern. Grundsätzlich denke der Klub darüber nach, auch „auf der Torhüterposition die Konkurrenzsituation zu verändern“. Müller und der 19-jährige Karius waren zuletzt gar aus dem Kader für das Stuttgart-Spiel gestrichen worden.

Tuchel hat Manager Heidel eine Wunschliste zukommen lassen und wird sich am Wochenende in den Urlaub verabschieden. Beide sind sich einig, dass dem zuletzt müden Kader eine „kreative Unruhe“ zugeführt werden muss. Auch der Chefcoach selbst will sich mitsamt Trainerteam „ein bisschen neu erfinden“, ließ tiefere Einblicke in seine Überlegungen jedoch nicht zu. „Fünf bis zehn Prozent Veränderung in der Herangehensweise“ strebt der 39-Jährige an.

Adam Szalai nach Stuttgart? Manager Heidel: „Die haben sich totgelacht“

Manager Heidel lässt in seiner Herangehensweise dagegen alles beim Alten, verzichtet aufs hauptamtliche Scouting und will auch in Zukunft das Geld zusammenhalten: „Wir werden nicht ins Risiko gehen, denn Risiko kann bedeuten, dass es Mainz 05 irgendwann nicht mehr gibt.“ Der Klub werde die Saison mit einem „siebenstelligen Plus“ abschießen, den Weg, den der Hamburger SV gegangen sei, „wird es in Mainz niemals geben“.

Auch einen Seitenhieb in Richtung Eintracht Frankfurt konnte sich Heidel nicht verkneifen: „Unsere Nachbarn haben Lakic im Winter für Unsummen verpflichtet. Das war uns nicht möglich.“ Lakic hat dann allerdings vier nicht ganz unwichtige Tore für die Eintracht erzielt, die halfen, die Qualifikation für die Europa League festzuzurren. Aus vergleichbarer Motivation waren die Mainzer im Vorjahr im Fall Mohamed Zidan verfahren, der als alter Bekannter mit sieben Treffern half, die Klasse zu sichern, ehe man sich aus guten Gründen lieber wieder vom eigenwilligen Ägypter trennte. Heidel: „Wir hatten das Gefühl, dass Mo sich nicht mehr quälen wollte.“ Für solche Spieler ist bei Mainz 05 kein Platz.

Für Adam Szalai natürlich schon. Dass der VfB Stuttgart an dem Ungarn interessiert gewesen sein soll, verwies Heidel ins Land der Fabel. Er habe eigens in Stuttgart nachgefragt: „Die haben sich totgelacht. Da ist null dran.“

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