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Stefan Bell war lange unangefochtener Kapitän in Mainz, zuletzt saß er oft auf Bank oder Tribüne.

Mainz 05

Stefan Bell gibt noch nicht auf: „Ich bin fest entschlossen, auf den Platz zurückzukommen“

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Der Mainzer Verteidiger spricht erstmals seit drei Monaten des beharrlichen Schweigens.

Einen Großteil der Sommerpause hat Stefan Bell auf der Baustelle seine Vereins verbracht. Es galt, beim FV Villa Wehr 700 Quadratmeter Pflastersteine zu verlegen. Bell ist Präsident beim B-Ligisten, die Arbeit an der Basis hat ihm geholfen, den Kopf freizukriegen. Der 27-Jährige war fast fünf Jahre lang unangefochtener Stammspieler bei Mainz 05, oft trug er die Kapitänsbinde, ehe er nach einer 1:3-Niederlage Ende März in Bremen nur noch abwechselnd auf der Tribüne oder der Ersatzbank hockte. Ein hartes Los, das aber sportlich nachvollziehbar erschien. Der Innenverteidiger hatte die Mainzer Abwehr im Abstiegskampf nicht mehr solide zusammenhalten können, vor allem, so die interne Analyse, wegen Defiziten in der Antrittsschnelligkeit, die bei der hochstehenden Abwehr mit seiner Erfahrung nicht mehr zu kompensieren waren.

Bell hat seinerzeit darauf verzichtet, sich über seine Rückversetzung öffentlich zu beklagen – mit Rücksicht auf das Ziel Klassenerhalt. „Es erschien mir unangemessen, einen anderen Schwerpunkt zu setzen als den sportlichen.“ Bell sagt das am gestrigen Freitagnachmittag nach mehr als drei Monaten des konsequenten Schweigens. Sein linkes Schienbein ziert ein Verband. „Halb so schlimm, nur ein Schlag im Training.“ Die Presseanfragen hatten sich zuletzt gehäuft, sogar Pay-TV-Sender Sky hatte gestern einen Reporter samt Übertragungswagen nach Mainz geschickt.

Stefan Bell trägt sich nicht mit konkreten Abwanderungsgedanken

Im Rückblick, sagt Bell, sei er womöglich nach mehreren Jahren des Abstiegskampfes „vom Kopf her erschöpft gewesen“ und seine Aussortierung deshalb sogar nachvollziehbar. Aber er räumt auch ehrlich ein, dass es schwierig gewesen sei, mit der ungewohnten Situation umzugehen.

Noch ein Jahr läuft sein Vertrag, und natürlich hat Stefan Bell mitbekommen, dass Mainz 05 intensiv nach einem neuen Abwehrchef fahndet. Und doch trägt er sich nicht mit konkreten Abwanderungsgedanken: „Ich bin fest entschlossen, auf den Platz zurückzukommen.“ Er sei „noch immer ein guter Bundesligaspieler, der noch einige Spiele machen kann“. Ob mit oder ohne Binde, „ist zweitrangig, dafür werde ich jetzt bestimmt kein Plädoyer halten“.

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Er werde seine Rolle abseits des Platzes ohnehin einnehmen, ganz so, wie es der hochangesehene Niko Bungert in den vergangenen Jahren getan hat, obwohl er nur selten zum Einsatz kam. „Die Zeit, dass ein Kapitän schreiend auf dem Platz herumläuft und Ansagen macht, ist sowieso vorbei.“

Der 1,92-Meter-Mann gehörte gemeinsam mit Jan Kirchhoff und André Schürrle unter Trainer Thomas Tuchel schon zur Mainzer A-Jugendmeistermannschaft 2009. Er lebt Mainz 05 wie kaum ein anderer. Ein paar Kontakte von damals sind geblieben, wenn auch nicht zu Tuchel, Schürrle und Kirchhoff. Der Plan, in diesem Sommer ein Zehnjähriges zu organisieren, blieb in den Kinderschuhen hängen. So ist das im modernen Profifußball, es gibt nicht viele, die wie Bell so unmittelbaren Kontakt zur Basis haben und so viele Jahre in einem Klub spielen.

Stefan Bell denkt schon über den Horizont eines Spielers hinaus

Er denkt schon über den Horizont eines Spielers hinaus. Für die kommende Saison von Mainz 05 hofft er, „dass wir einige unserer Toptalente integriert kriegen“. Dazu will er seinen Beitrag leisten. Nachdem in Mainz praktisch alle Stammspieler geblieben sind, hat Bell „ein gutes Gefühl“ für die neue Spielzeit. „Wir haben eine gute Chance, uns zu stabilisieren. Wir wissen, was der Trainer von uns will.“ Alsbald wird in seinem Heimatklub auch der neue Kunstrasenplatz eröffnet. Es soll eine große Feier geben. Stefan Bell freut sich darauf, der Präsident will seinen Verein fit für die Zukunft machen – mit dem Schwerpunkt auf der Jugendarbeit und ohne den ganz großen Leistungsdruck für die B-Klassespieler. Es reicht schon, wenn der Präsident davon reichlich hat.

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