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Frust an der Linie: Mainz-Trainer Sandro Schwarz.

Nach dem 0:8 in Leipzig

Arznei für Mainz 05 gesucht

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Trainer Sandro Schwarz hat die Diagnose gestellt: Mainz 05 ist auswärts nach Rückständen „nicht mehr klar im Schädel“.

Wabernder Nebel hätte gut gepasst am Dienstagmorgen beim einzigen öffentlichen Wochentraining des aktuell ruhmlosen FSV Mainz 05. Stattdessen: Klarer Himmel, Sonnenschein. Die Stimmung darunter: Nun ja, ähem. Die Kiebitze (ein gutes Dutzend sind dem Verein noch geblieben) und die diesmal aus gegebenem Anlass überdurchschnittlich hohe Zahl an Reportern sahen einen tapferen Trainer, immerhin. Sandro Schwarz hatte Pressing. Zweikämpfe und immer wieder individuelles Sonderlob aufs Übungsprogramm gepackt. Die Spieler machten gut mit, aber der imaginäre Rucksack war bei jedem einzelnen ersichtlich. Ein paar Mal mussten die Sanitäter auf den Platz, weil es ordentlich gescheppert hatte. Als die Spieler unter der Dusche standen, diskutierte das Trainerteam noch. Es gibt gerade viel zu besprechen.

Mainz 05 drei Tage nach dem 0:8 in Leipzig.

Hinterher hat es das allwöchentliche Journalistentreffen mit dem Trainer gegeben. Meist kommen dann vier oder fünf Medienleute in den Container, den die Nullfünfer hinter der Haupttribüne des alten Bruchwegstadions aufgebaut haben. Diesmal waren es dreimal so viele, sogar das Pay-TV hatte einen Übertragungswagen geschickt. Krisen ziehen Reporter an wie Licht die Mücken.

Es ist nicht übertrieben zu behaupten: Mainz 05 ist angeschlagen nach dem achtlosen Achter von Leipzig. Indes: Sandro Schwarz ist es nicht. In den meisten anderen Klubs wäre ein Trainer in seiner Situation – die Schießbude der Liga liegt mit einem desaströsen Torverhältnis auf Platz 15 hinter dem nächsten Gegner Union Berlin – mindestens angezählt. In Mainz wankt Schwarz nicht mal ein bisschen, obwohl er es in der laufenden Saison nicht hingekriegt hat, seiner gewachsenen Mannschaft ein Mindestmaß an Verlässlichkeit einzubimsen. Alle Diagnosen, die Doktor Schwarz stellt, stimmen. Allein: Er hat die notwendige Arznei noch nicht gefunden.

Die 0:8-Niederlage, sagt Schwarz geradeaus, täte auch jetzt noch weh, „die geht ins Peinliche rein“ und sei „beschämend“, die Spieler fühlten da ganz ähnlich wie er selbst, es sei „brutal“, so hoch zu verlieren. Es gäbe nun zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: „Entweder, wie reden alles in Schutt und Asche, stellen alles in Frage und nageln die Spieler an die Wand.“ Das halte er für den falschen Ansatz. Also Variante zwei: Er sei überzeugt, dass die Mannschaft lernfähig ist, wiewohl sie in Leipzig eine ebenso kopflose Reaktion an den Tag gelegt hätte wie weiland beim 1:6 in München. Nach einer ordentliche Anfangsphase ging jeweils die Ordnung komplett kaputt, sobald sich ein höherer Rückstand einstellte, „die Gruppe ist dann nicht mehr klar im Schädel“.

Zu viele introvertierte Typen

Das Problem: Bei größerem Widerstand der Gegner fehlen den Nullfünfern vornehmlich auswärts Klebstoff-Spieler: Einer oder besser zwei oder drei, die sowohl die Persönlichkeit als auch die spielerische Klasse besitzen, um die Gruppe zusammenzuhalten. Die Kapitäne Danny Latza und Daniel Brosinski oder Mittelstürmer Adam Szalai wären dazu Kraft ihrer Mentalität in der Lage, es mangelt ihnen aber an der Topqualität, um auch durch Leistung vorangehen zu können. Andere Profis, wie Linksverteidiger Aaron Martin, Edimilson Fernandes oder Levin Öztunali, sind nicht unbedingt körperbetont zur Sache gehende Mentalitätsmonster, sondern eher introvertierte Typen, die mitgerissen werden müssen. Und: Die Offensivkräfte Jean-Paul Boetius, Karim Onisiwo und Robin Quaison bringen ihr Potenzial viel zu selten und zu unstet aufs Parkett. So kommt es, dass vor allem der als Ersatzkeeper in die Saison gestartete Robin Zentner derzeit jene gefestigte Persönlichkeit ausstrahlt, die im Abstiegskampf hilfreich ist. In den Heimspielen gegen Hertha BSC und Köln hielt er Siege fest, die sonst zu Niederlagen geworden wären. Das Mainzer Scheunentor steht viel zu weit offen, nicht nur in Leipzig.

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