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Mainz jubelt nach dem 3:1-Sieg. 

Mainz - Köln 3:1

Armin Veh versteht die Welt nicht mehr

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Der Kölner Sportchef ärgert sich über einen nicht gegebenen Strafstoß in der Partie gegen Mainz 05. 

Sollte irgendwo in Mainz noch eine Stimmungskanone für eine der vielen Fastnachtssitzungen gesucht werden, ist dringend empfohlen, Jean-Paul Boetius einzuladen. Vermutlich würde der 25 Jahre alte Niederländer bereits in schallendes Gelächter ausbrechen, bevor überhaupt jemand in die Bütt steigt. Wenn einer nach dem überraschend unterhaltsamen 3:1 des FSV Mainz 05 gegen den 1. FC Köln den Frohsinn verkörpert hat, dann der spielfreudige Antreiber. Bester Spieler auf dem Platz. „Wir haben viel geredet und gezeigt, dass wir als Mannschaft auch einen Rückstand drehen können.“ Mit seiner hübschen Einzelleistung zum 1:1 (21.) gab die auf der Zehner-Position spielende Nummer fünf persönlich die Initialzündung, dann sorgte ein Gewaltschuss von Robin Quaison zum 2:1 (57.) für das fußballerische Highlight in der gut besuchten Arena am Europakreisel.

Den Kölnern bescherte der Flatterball eine Diskussion über Torwart Timo Horn („Der Schuss war der Wahnsinn“), die Mainzer sahen darin eine Tugend. Strahlemann Boëtius: „Wer’s nicht probiert, schießt kein Tor.“ Von 18 Mainzer Torschüssen (Köln 16) war es auf jeden Fall der unberechenbarste. Eine Flugkurve wie aus dem Zufallsgenerator. Gleichwohl war der dritte Saisonsieg nicht nach dem Zufallsprinzip zustande gekommen. Ein starker Rückhalt Robin Zentner („Die Atmosphäre in der Mannschaft und von den Rängen hat Spaß gemacht“), eine verbesserte Verteidigungshaltung und hohe Intensität mündeten in keinen unverdienten Erfolg. „Von der Art und Weise haben wir genauso einen Sieg gebraucht. Kompliment, wie viel Energie in diesem Klub steckt“, konstatierte Trainer Sandro Schwarz.

Der 41-Jährige spannte den Bogen damit bis zum vergangenen Montag, als auf der Mitgliederversammlung die prägenden Klubgrößen von Jürgen Klopp, Christian Heidel bis hin zum Ehrenpräsidenten Harald Strutz ihre Anteilnahme an den Nullfünfern ausgedrückt hatten. „Von mir aus können wir jede Woche Mitgliederversammlung machen“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder. Es sei durchaus ein Faktor für einen Berufsfußballer, wenn er bei solch einer Veranstaltung persönlich erfasst, „welche Bedeutung generell der Bundesligafußball für Mainz 05 hat“. Schröder wusste indes auch, dass der Sieg am seidenen Faden hing. Als nämlich Moussa Niakhaté den Ball an den ausgestreckten Arm bekommen hatte und Schiedsrichter Frank Willenborg sich die Szene am Kontrollschirm ansah, waren sich selbst eingefleischte Mainzer Anhänger sicher, dass es beim Stande von 2:1 Elfmeter geben würde. Doch Willenborg zeigte nicht auf den Punkt. „Die Gradzahl, wie der Arm abgespreizt war, hat wahrscheinlich nicht ausgereicht“, sagte Schröder und grinste. Schwarz vermied auf der Pressekonferenz zwar einen offenen Disput mit seinem erbosten Kollegen Achim Beierlorzer („Es fühlt sich so noch viel beschissener an“), erklärte aber: „Wenn der Arm oberhalb der Schulter aus kurzer Distanz getroffen wird, ist es ein Elfmeter. So war es in diesem Fall nicht. Insofern ist es keine klare Fehlentscheidung.“ Darüber schüttelte der Kölner Sportchef Armin Veh später nur den Kopf. „Dann können wir ja die Arme immer breit halten?“, fragte der ehemalige Trainer von Eintracht Frankfurt und streckte zum Beleg seine Gliedmaßen wie ein Verkehrspolizist beiseite. „Gibt es da jemanden, der sagt, das war kein Handspiel?“ Der 58-Jährige unkte: „Wenn das kein Elfmeter ist, habe ich die Regelschulung nicht verstanden.“

Die Rheinländer können sich mit Wehklagen indes nicht lange aufhalten, weil es am Dienstag im DFB-Pokal zum Regionalliga-Spitzenreiter 1. FC Saarbrücken geht. Die bereits aus dem Pokal eliminierten Rheinhessen hingegen können sich in aller Ruhe auf das Auswärtsspiel beim gerade kriselnden Spitzenklub RB Leipzig nächsten Samstag vorbereiten. Einem wie Daueroptimist Boetius ist davor nicht bange: „Wir gehen da nicht hin, um ein bisschen zu kicken. Wir wollen da Punkte holen.“

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