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Trainer Sandro Schwarz nimmt ein Bad in der Menge.

Kommentar Mainz 05

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In seinem ersten Jahr als Erstliga-Fußballlehrer hat Sandro Schwarz auch fußballfachlich aus Fehlern gelernt.

Bei Mainz 05 ist in dieser Saison eine Menge schiefgelaufen, aber am Ende wurde an den entscheidenden Stellschrauben richtig gedreht. Das ist vor allem ein Verdienst von Trainer Sandro Schwarz, der in der Bundesliga noch immer für die allermeisten Menschen ein Niemand ist. Dem Bundesliga-Novizen Schwarz ist es gelungen, mit mehr Sozialkompetenz als Härte und mehr Empathie als Autorität eine allenfalls mittelmäßig begabte Mannschaft am Ende in einen sicheren Hafen zu leiten. Er hat dabei auch in seiner Außenwirkung nie die Nerven verloren.

In seinem ersten Jahr als Erstliga-Fußballlehrer hat der 39-Jährige auch fußballfachlich aus Fehlern gelernt. Die zur Jahreswende eingeführte Dreierkette, die nach hinten wenig Stabilität brachte und nach vorne die Wucht nahm und Mainz 05 sichtbar verzwergte, hat er konsequent wieder abgeschafft. Den Kampfgnom Pablo de Blasis hat er so sehr gestärkt, dass der Argentinier zum Riesen im Abstiegskampf wurde.

Den Verein, der im Zwist mit seinen Fans zu zerbrechen drohte, hat Schwarz mit einer emotionalen Rede, die dem eher mäßig begabten Rhetoriker so niemand zugetraut hatte, gerade noch rechtzeitig wieder geeint. Er hat es damit auch geschafft, die Irrungen und Wirrungen im vormaligen Vorzeigeklub um den irgendwann zurückgetretenen Präsidenten Johannes Kaluza zu überwinden. Personell hat Mainz die lange Phase der Lähmungserscheinungen nach der prägenden Ära Heidel/Strutz weitgehend abgestellt.

Für die kommende Saison sollte vor allem die Transferpolitik optimiert werden. Die Bilanz von Sportvorstand Rouven Schröder ist nicht zufriedenstellend. Weder Torwart René Adler noch die Offensivverpflichtungen Alexandru Maxim, Kenan Kodro und Viktor Fischer und auch nicht die Wintertransfers Anthony Ujah und Nigel de Jong erwiesen sich als Verstärkungen. Einzig der Franzose Abdou Diallo war ein Treffer. Zu wenig, um so überzuperformen, wie es Heidel geschafft hatte. Immerhin haben die Mainzer erkannt, dass aus der hochgelobten Nachwuchsschmiede mehr oben ankommen muss. Auch das ist ein Verdienst des ehemaligen U19- und U23-Trainers Schwarz. Stellvertretend dafür steht dessen Mut, den 20 Jahre alten Ridle Baku im Abstiegskampf in die Startelf zu befördern. Und am Abgrund blieben am Ende auch Abwehrmann Alexander Hack und Keeper Florian Müller auffällig cool. Beides gute Jungs, die wie Baku aus dem eigenen Unterbau kommen.

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