+
Einen Schritt schneller: Robin Quaison erzielt das 2:1 für Mainz, der Frankfurter Evan Ndicka kommt zu spät.

Mainz 05 - Eintracht Frankfurt

Alles rausgefeuert

  • schließen

Mainz 05 präsentiert Fußball wie zu Zeiten unter Klopp und Tuchel.

Das persönliche Gespräch gehört zum Werkzeugkasten eines guten Fußballtrainers. Und bei dessen Nutzung dann das richtige Einfühlungsvermögen mit einer ausgewogenen Mischung aus Lob und Kritik. Sandro Schwarz, der Chefcoach von Mainz 05, hat in der Vorbereitung des Wochenspiels gegen Eintracht Frankfurt offenbar den Ton gefunden. Schwarz hatte sich den schwedischen Angreifer Robin Quaison beiseitegenommen, nachdem der 25-Jährige beim 1:4 am vergangenen Sonntag in Leipzig unsichtbar geblieben war, was nicht am Schneetreiben lag, sondern an seiner mangelnden Umtriebigkeit. Unsichtbare Stürmer sind wenig hilfreich, so viel konnte Schwarz dem Mann aus Stockholm schlüssig erläutern und ihm zudem klarmachen, dass er mehr Tiefenläufe, mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum, mehr Konsequenz im Pressing und schlicht mehr Quote im Torabschluss von ihm erwarte. Gegen Eintracht Frankfurt schoss Quaison dann zwei blitzsaubere Tore, eins mit links und eins mit rechts. Es waren erst seine Treffer zwei und drei vor eigenem Publikum. Viel zu wenig für einen, der schon seit fast zwei Jahren vor Ort ist und in dem die Verantwortlichen beträchtliches Potenzial erkennen.

Das Fachblatt „Kicker“ belohnte Quaison mit der Berufung zum „Spieler des Tages“ des gesamten 16. Spieltags. Nach der rassigen Partie schlurfte der im Januar 2017 für 2,5 Millionen Euro aus dem italienischen Palermo verpflichtete schwedische Nationalspieler allerdings mit einem Gesichtsausdruck zu den Reportern, der wenig Freude verriet. Quaison humpelte und hustete und brachte wenig zitabel in dürren Worten zum Ausdruck, dass er nicht recht zufrieden sei.

Kann man so sehen, muss man aber nicht. Tatsächlich hat Mainz 05 die Eintracht ordentlich auf Trab gehalten, Sandro Schwarz fand gar sichtlich stolz, bei den ersten 45 Minuten habe es sich im 50. Bundesligaspiel unter seiner Anleitung um die seitdem beste Mainzer Leistung gehandelt. Sie hätten „alles rausgefeuert“ und die „brutale Qualität der Eintracht neutralisiert“. Tatsächlich war das, was die Rheinhessen über weite Strecken geboten haben, eine gelungene Reminiszenz an große Tage unter Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Vollgasfußball im besten Sinne, der einen technisch überlegenen Gegner ins Trudeln brachte.

Zu wenig Output

Aber Schwarz weiß natürlich auch, dass er ein paar Wundertüten im Kader hat, die noch weit weg davon sind, so stabil zu agieren, wie das die Frankfurter Angreifer Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic zu tun pflegen, die allesamt zu den Topscorern der Liga gehören. Von Mainz 05 findet man niemanden oben in dieser Liste, der Schwede Quaison, der Franzose Jean-Philippe Mateta, der Niederländer Jean-Paul Boetius, der Österreicher Karim Onisiwo, der Nigerianer Anthony Ujah, der deutsche Levin Öztunali – sie alle sind mitverantwortlich dafür, dass Mainz 05 zusammen mit Hannover 96, dem 1. FC Nürnberg und dem VfB Stuttgart zu den Teams gehört, die laut Statistik am wenigsten Chancen herausgespielt haben. Da gibt es noch eine Menge Luft nach oben, was im Übrigen auch für den Kapitän Stefan Bell gilt, der mit seiner bisherigen Hinrunde bei selbstkritischer Betrachtung nicht zufrieden sein kann.

Am Sonntagabend um 18 Uhr bei der TSG Hoffenheim erwartet die Mainzer eine Aufgabe, die wenig Anlass zu Optimismus gibt. Aber selbst für den Fall einer zu erwartenden Niederlage hätten die Rheinhessen mit 20 Punkten eine ordentliche Halbsaison gespielt. Hinzu kommt, dass mittlerweile auch in der Führung Ruhe eingekehrt und die jahrelange Lähmung aufgrund heftiger interner Zwistigkeiten überwunden ist. Ausdruck eines Aufbruchs könnte gar die am Mittwoch verkündete Vertragsverlängerung von Sportvorstand Rouven Schröder werden. Er glaube, so der auch privat inzwischen in Mainz glücklich gewordene 43-Jährige, der im Frühjahr vom Hamburger SV umworben wurde, „dass sich der Verein genau in die richtige Richtung bewegt. Wir alle haben erkannt, dass wir uns gegenseitig brauchen.“ Ziel sei es nun, „dass man mehr über uns als richtig guten Verein spricht“. Ganz so wie nach der flirrenden Flutlichtnacht gegen die Eintracht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion