+
Ist guter Dinge, es in Mainz zu packen: Achim Beierlorzer.

Mainz 05

Achim Beierlorzer: Vom 17. zum 16.

  • schließen

Die Nullfünfer holt den just in Köln geschassten Achim Beierlorzer und erklärt: „Wir lassen uns das nicht kaputtreden“. Ex-Kapitän Niko Bungert wird Co-Trainer.

Es gehört zu den Routineabläufen des Profifußballgeschäfts, dass Trainer gehen und Trainer kommen. Im Fall des neuen Mainzer Coaches Achim Beierlorzer als Nachfolger von Sandro Schwarz bekommt diese Routine allerdings eine besondere Würze. Am Montag saß Beierlorzer zu seiner Vorstellung nämlich genau auf demselben Platz im Presseraum, auf dem er gerade erst als zwei Woche später entlassener Trainer des 1. FC Köln die 1:3-Niederlage bei Mainz 05 hatte erklären müssen. Und, noch skurriler: Mit Köln unterlag Beierlorzer am 8. November in letzter Minute 1:2 gegen die TSG Hoffenheim, was den Ausschlag über seine Demission gab - und nun, Ironie des Schicksals, dazu führt, dass der nächste Gegner am Sonntagabend, 24. November, wieder Hoffenheim heißt. Dazwischen lag wegen der Bundesligapause kein einziger Spieltag.

Natürlich hat es in den gängigen Fanforen ein paar sarkastische Hinweise darauf gegeben, dass Mainz 05 auf Platz 16 den Trainer beurlaubt und als Nachfolger den ebenfalls just rausgeworfenen Ex-Coach des Tabellen-17. präsentiert. Rouven Schröder hat sehr deutlich darauf reagiert. Er lasse sich, so der Sportchef der Nullfünfer, „das nicht kaputtreden“. Er bemesse die Persönlichkeit und Qualifikation von Beierlorzer nicht an den paar komplizierten Monaten in Diensten des 1. FC Köln, sondern lieber an gemeinsamen Tagen bei der Spielvereinigung Greuther Fürth (Schröder damals Sportdirektor, Beierlorzer Jugendtrainer) sowie Beierlorzers Arbeit als Sportlicher Leiter der Jugendteams bei RB Leipzig und dessen Erfolgsgeschichte bei Jahn Regensburg mit den Plätzen fünf und acht nach dem Aufstieg in die zweite Liga.

Typische Trainer für Mainz 05

Beierlorzer, so Schröder sichtlich zufrieden mit seiner Personalauswahl, sei ein „typischer Trainer für Mainz 05“, die „Erfahrung Köln“ gehöre für ihn „zum Leben dazu“ und habe in der Entscheidungsfindung „keine Rolle gespielt“.

Ein typischer Mainz-05-Trainer war natürlich auch Sandro Schwarz, mit dem der neue Coach alsbald Kontakt aufnehmen will. Zudem wird dem vorhandenen Co-Trainerteam der ehemalige Profi Niko Bungert zugeführt, der schon als ständig verletzter und deshalb nicht einsatzbereiter Kapitän wichtige kommunikative Dienste verrichtet und tief in die Mannschaft hineingehört hatte. So einer könnte gefehlt haben in den vergangenen Monaten.

Offensiv will jeder

Beierlorzer, 51 und damit zehn Jahre älter als sein Vorgänger Schwarz, machte am Montagnachmittag einen selbstbewussten Eindruck und wirkte trotz der Enttäuschung mit seinem vormaligen Arbeitgeber voller Tatendrang: „Da hat sich energetisch überhaupt nichts getan. Wäre das nach vier Monaten beim 1. FC Köln nicht so, dann wäre ich für den Job nicht geeignet.“ Gerade hatte er mit seiner Frau eine Fernurlaubsreise gebucht, die umgehend storniert wurde, nachdem feststand, dass er keine zwei Wochen nach dem Aus in Köln schon den nächsten Job antritt. „Achim Beierlorzer“, sagte Achim Beierlorzer, „passt sehr gut zu Mainz 05.“ Und zwar deshalb, weil er den zuletzt allerdings verschütt gegangenen Mainz-05-Fußball spielen lassen wolle: nach vorne verteidigen, aktiv sein, mit Leidenschaft Fußball spielen. Man kennt dieses Trainersprech inzwischen zur Genüge. Tatsächlich gibt es kaum einen neuen Übungsleiter, der sagen würde, er plane, sich mit seiner Mannschaft am eigenen Strafraum einzuigeln.

Der Kommentar: Trainerwechsel - die bizarre Bundesliga

Vor allem aber setzt Beierlorzer auf die typische Psychologie, von der jeder neue Trainer auf der ganzen Welt profitiert: einen „Neustart im Kopf“ der Profis. Natürlich hatten sich nach zweieinhalb Jahren unter Sandro Schwarz gewisse Abläufe ein- und abgeschliffen, die Kommunikation und der Umgang waren allen bekannt. Rouven Schröder ist somit sicher, dass der Reiz des Neuen „den Konkurrenzkampf neu entfacht“. Das allerdings dürfte nun auch beim 1. FC Köln geschehen, dem Mainzer Tabellennachbar dort drunten im Keller. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion