Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Treppab: Fritz Keller in der DFB-Zentrale.
+
Treppab: Fritz Keller in der DFB-Zentrale.

Deutscher Fußball-Bund

Fritz Keller räumt das Feld

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen

DFB-Präsident kündigt nach Krisensitzung Rücktritt an. Auch Generalsekretär Friedrich Curtius übergibt an Nachfolgerin. Vize Koch wird vorübergehend Co-Verbandschef, stellt sich aber beim nächsten Bundestag nicht wieder zur Wahl.

Die bisherigen Führungskräfte des Deutsche Fußball-Bunds beugen sich dem Druck der Öffentlichkeit, der Sponsoren Volkswagen und Adidas, der Bundesligaklubs, der Landesverbände und der Deutschen Fußball-Liga. Sowohl der noch amtierende Präsident Fritz Keller als auch Generalsekretär Friedrich Curtius räumen zeitnah das Feld, Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge folgen. Beide kandidieren beim nächsten großen DFB-Bundestag, der auf Anfang 2022 vorgezogen wird, nicht mehr für ihre derzeitigen Ämter.

In einer kurzfristig angesetzten außerordentlichen Sitzung des DFB-Präsidiums zog der in seinen Grundfesten erschütterte Verband am Dienstag somit endlich Konsequenzen aus der anhaltenden Führungskrise und begann mit den dringend notwendigen Aufräumarbeiten.

Der DFB veröffentlichte am Dienstagabend eine Pressemitteilung. Darin hieß es: „Präsident Fritz Keller hat aus eigener freier Entscheidung in Verantwortung des Amtes als Präsident seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, nach Abschluss der Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht, am kommenden Montag, sein Amt zur Verfügung zu stellen.“ Kellers Intimfeind Curtius, der mit dem ehrenamtlichen Chef nie eine gedeihliche Arbeitsatmosphäre gefunden hatte, wird Keller laut DFB „nach einer Verständigung über eine Aufhebung seines Arbeitsvertrags und der Übergabe seiner Amtsgeschäfte unmittelbar folgen“. Ganz billig dürfte die Trennung vom 45-Jährigen Curtius nicht werden, der seit 2004 für den Verband arbeitet.

Fritz Keller war schnell überfordert

Ehe der führende Vizepräsidenten Rainer Koch beim nächsten Ordentlichen Bundestag nicht mehr für das Amt des 1. Vizepräsidenten Amateure kandidiert, wird der 62-Jährige erst einmal befördert. Gemeinsam mit dem Ligamann Peter Peters, einem treuen Gefährten von DFL-Chef Christian Seifert, die gemeinsam die Demission von Curtius und Koch vorantrieben, wird Koch nach dem Rücktritt von Fritz Keller vorübergehend als Interimspräsident fungieren.

Für den Multifunktionär und Vielflieger, der auch Mitglied in der Uefa-Exekutive ist und außerdem Chef des bayerischen Fußballverbandes, ist es das dritte Mal, dass er den Verband vorübergehend führt. Nach den Rücktritten von Wolfgang Niersbach 2015 und Reinhard Grindel 2019 tat der umtriebige Bayer das schon an der Seite des ehemaligen Liga-Präsidenten Reinhard Rauball. Kochs Ziel gemeinsam mit Peters laut DFB-Bulletin: Sie wollen „den Verband gemeinsam mit dem Präsidium schnellstmöglich in ruhige Fahrwasser zu bringen“. Auch eine interimistische Nachfolgerin für Curtius ist schon gefunden: Die stellvertretende Generalsekretärin Heike Ullrich wird Geschäftsbereiche kommissarisch übernehmen. Im Verband traut man der zuverlässigen Frau allemal zu, den Job auch langfristig gut auszufüllen.

Niederlage für DFL-Boss Christian Seifert

Das Scheitern des Breisgauers Fritz Keller ist auch eine Niederlage für Koch und Seifert. Die beiden hatten sich gemeinsam mit einer gut dotierten Unternehmensberatung schnell auf einen einzigen Kandidaten geeinigt. Seifert und dessen Getreue wollten mit dem ehemaligen Präsidenten des SC Freiburg einen Mann der Liga im DFB installieren, nachdem dem vier Jahre zuvor von Koch gegen den ausdrücklichen Willen der Liga durchgeboxten Grindel keine glückliche Amtszeit beschieden war.

Doch Keller, der im Verband einerseits aufräumen wollte, andererseits aber qua neu justierter Satzung lediglich repräsentative Aufgaben übernehmen sollte, entpuppte sich schnell als überfordert. Zudem beschwerte er sich wohl nicht zu Unrecht, von zentralen Informationen, speziell über einen 360 000 Euro teuren Medienberater, abgeschnitten worden zu sein. Die Vertragsunterzeichnung hatte er allerdings bald nach seinem Amtsantritt im Herbst 2019 selbst geleistet, wie behauptet wurde, durch List und Tücke seiner internen Widersacher Koch, Curtius und Osnabrügge.

Weil ihm Informationen vorenthalten worden waren, hatte Keller seinen Bürochef hinter dem Rücken von Curtius ins Controlling geschickt, um dort Papiere zu kopieren, die später beim ZDF landeteten. Das Misstrauen hätte nicht größer sein können, man zerrte sich gegenseitig vor die verbandseigene Ethikkommission, man steckte ständig kompromittierende Informationen an die Medien durch, es wurde ein furchtbares Hauen und Stechen, bei dem auch die DFL eine Rolle spielte.

Wie viel Rückendeckung hatte Rainer Koch?

Das Vertrauen der 21 Landeschefs hatten Keller und Curtius spätestens seit der epischen Sitzung in Potsdam vor zehn Tagen verloren. Koch wurde von den Chefs der Basis noch lange getragen und dürfte nach wie vor Rückendeckung genießen, wohl aber nicht mehr ausreichend breite. Der hessische Verbandschef Stefan Reuß sagte am Dienstag im Interview mit der Frankfurter Rundschau, Keller habe mit seinem Nazi-Vergleich gegen Koch „eine Schwelle überschritten, die ein DFB-Präsident nicht überschreiten darf“. Koch dagegen wisse „eine klare Mehrheit“ der Landeschefs hinter sich.

Nach FR-Informationen könnten sich am Dienstag jedoch sehr einflussreiche Regionalvertreter dann doch mit Distanz zum bislang mächtigsten Mann der Amateure gestellt haben. Koch, der wie Keller keineswegs vorhatte, sein Amt zur Verfügung zu stellen, sagte nun der Sportschau, er werde sicher „als haftender Vorstand“ ausscheiden. Bleibt der große Einfluss als Boss des Süddeutschen Verbandes. Im Fall von Keller ist dagegen klar: Ohne die Unterstützung der Landesverbände kann ein DFB-Präsident nicht arbeiten, zumal auch sein öffentliches Ansehen trotz diverser Entschuldigungen für seinen verbalen Ausfall gegen Koch erheblich gelitten hat. Keller brauchte mehr als zweieinhalb Wochen, bis er sich zu der Rücktrittsankündigung durchringen konnte.

Kritik von Hessens Verbandschef Stefan Reuß

Der hessische Verbandschef Reuß, ein im DFB angesehener SPD-Politiker, schlägt nun im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau vor: „Aus meiner Sicht sind zwei Dinge wichtig. Erstens: Alles, was kolportiert, erzählt und berichtet wird, muss transparent auf den Tisch.“ Zweitens müsse man sich im Verband fragen: „Wie richten wir uns für die Zukunft aus?“ Das Verhältnis der Amateure zu den Profis sei „in den entscheidenden Gremien nicht sauber geklärt“. Denn, so die Argumentation des 50-Jährigen: „Als die DFL gegründet wurde, hat man sie seinerzeit quasi wie einen 22. Landesverband im DFB aufgenommen.“ Er sei „skeptisch, ob das so funktionieren kann.“

Derzeit säßen stets zwei Vertreter der DFL in den Gremien des DFB unterhalb des Präsidiums. „Ob das so zielführend ist, bezweifle ich. Das sollte man zumindest kritisch überprüfen. Wenn in diesen Gremien reine Amateurfragen diskutiert werden – warum sollten die Profis dann mitreden?“ Der DFL werden solche Argumentationen nicht gefallen. Gewiss ist jedenfalls: Nie waren die Gräben zwischen Amateurvertretern und DFL größer als jetzt.

Zuviel Macht der Profis?

Dazu passt, dass Reuß die Ausrichtung der neuen, im Dezember 2021 fertiggestellten, 150 Millionen Euro teuren DFB-Akademie an der alten Frankfurter Galopprennbahn kritisiert: „Da stellt sich schon die Frage: Ist die allein für die Profis da oder auch auf die Amateure?“ Er hab „den Eindruck, dass noch vieles geklärt werden muss und wir gerade auch in der Akademie dem Amateurfußball eine zentrale Rolle zukommen lassen sollten“.

Und wie geht es weiter mit der Suche nach einem neuen DFB-Präsidenten? Reuß schlägt vor: „Er sollte wie ein Aufsichtsrat agieren und sich aus dem operativen Geschäft raushalten. Das wäre ein vernünftiger Weg, der gelebt werden muss.“ Präsident Keller hat diesen Weg in einem verminten Umfeld nicht gefunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare