Besuch vom Frisör

Beispiele von Ignoranz

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Dortmunder Profis missachten ziemlich fahrlässig das DFL-Hygeniekonzept.

Michael Zorc, Sportdirektor von Borussia Dortmund, und Trainer Lucien Favre kamen gestern mit Verspätung zur virtuellen Pressekonferenz. Sie hatten noch Personalgespräche zu führen gehabt. Mit Jadon Sancho, Axel Witsel, Raphael Guerreiro, Dan-Axel Zagadou, Achrif Hakimi und Manuel Akanji. Sie alle hatten Besuch vom Düsseldorfer Starfriseur Winnie Nana Karkari erhalten, davon waren Fotos aufgetaucht. Auf dem Instagram-Kanal des Coiffeurs.

Problem Nummer eins: Spieler und ihr Frisurbeauftragter jeweils ohne die vom NRW-Gesundheitsministerium vorgeschriebene Schutzkleidung. „Wir haben mit dem Friseur wie auch den Spielern gesprochen. Es wurde uns versichert, dass während des Haareschneidens die Hygienemaßnahmen eingehalten wurden.“ Karkari habe sogar ein Protection Shield und Handschuhe getragen, das und der Mundnasenschutz der Spieler sei nur fürs Foto abgenommen worden.

Das Problem Nummer zwei ist das größere – nur wollte Zorc das nicht erkennen. Denn gemäß dem Papier „Sonderspielbetrieb um Profifußball“, das Grundlage für die Politik war, die Bundesliga spielen zu lassen und das seit dem 14. März Bestandteil der Spielordnung ist, dürfen Spieler derzeit eben nicht zum Friseur. O-Ton zu „Vorgaben für die häusliche private Hygiene im Alltag“: „Keine Kontakte zur Nachbarschaft oder zur Öffentlichkeit. Im Haus/in der Wohnung bleiben. Keine Besuche empfangen.“

Zorc interpretiert es aber nicht so, dass wichtige Dinge nicht erledigt werden dürften. Dazu gehört für ihn, „dass ein Spieler sein Auto betankt, wenn das Benzin ausgeht. Oder nach Wochen des Wartens zum Friseur geht.“ Eine ausgesprochen freie Interpretation der gestrengen Vorgaben der Hygienevorgaben.

Mit der Deutschen Fußball Liga (DFL), die eine Stellungnahme zu den Dortmunder Verstößen ablehnt, befinde man sich „im Dialog, um den Sachverhalt aufzuklären“. Konsequenzen für die Spieler wird es seitens des BVB nicht geben. Jadon Sancho genießt sogar ausdrücklichen Welpenschutz. Lucien Favre: „Wir waren alle mal jung, 18, 19, 20.“ Medienberichten des gewöhnlich gut informierten ortsansässigen Boulevards, wonach Sancho im April sogar nach London geflogen sei, nach seiner Rückkehr in Quarantäne gemusst und der BVB ihn als verletzt gemeldet habe, um seine Abwesenheit beim Kleingruppentraining zu erklären, widersprach Zorc: „Er ist seit Wochen hier, wegen einer Zerrung in der Wade konnte er damals nicht trainieren.“

Lucien Favre sagt noch: „Ich stehe zu hundert Prozent hinter Jadon.“ Wie der Friseur.

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