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Adrettes Erscheinungsbild: Leipzigs Sportchef Markus Krösche.

Markus Krösche im Porträt

Der Frischling

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Leipzigs Sportchef Markus Krösche hat sich in einer neuen Welt schnell an die Herausforderungen angepasst.

Das hellblaue Hemd passte zum dunklen Pullover. Markus Krösche war gut angezogen und gar nicht schlecht gelaunt, als RB Leipzig einen Tag nach dem Pokal-Aus bei Eintracht Frankfurt (1:3) seinen Last-Minute-Neuzugang Angelino vorstellte. Der von Manchester City ausgeliehene Linksverteidiger verbreitete viel Zuversicht vor dem Spitzenspiel beim FC Bayern (Sonntag 18 Uhr). „Ich möchte mit dem Klub alles gewinnen. Die Gruppe hat eine unglaubliche Qualität.“ Große Unterschiede zwischen der Premier League und der Bundesliga könne er nach seinem ersten Einsatz nicht erkennen. Sondern: „Auch Julian Nagelsmann und Pep Guardiola sind sich sehr ähnlich.“

Trotzdem ist aus dem Herbstmeister schon wieder ein Herausforderer geworden. Es oblag dem Manager, die Erwartungshaltung auf ein realistisches Maß herunterzuschrauben: „Es ist kein Endspiel. Am Sonntag wird nichts entschieden.“ Doch der 39-Jährige weiß, dass dieser Showdown die Weichen stellt. In aktueller Verfassung droht den Sachsen eine Lehrstunde wie im Pokalfinale, als RB-Vordenker Ralf Rangnick hernach mächtig angefressen war. Erst danach verständigte sich der Brauseklub darauf, die sportliche Leitungsebene komplett neu zu besetzen.

Neben Julian Nagelsmann als jüngster Trainer trägt für die jüngste Mannschaft der Liga nun auch einer der jüngsten Manager die Verantwortung. 20 Minuten Gespräch hätten ihm gereicht, erzählte Rangnick, um sein Erbe in guten Händen zu wissen. Krösche kam als Baumeister vom SC Paderborn, der von der Dritten Liga bis in die Bundesliga gestürmt war. Der gebürtige Hannoveraner ist Rekordspieler der Ostwestfalen, wo er seine Karriere 2014 mit dem ersten Bundesliga-Aufstieg beendete. Er machte seine Fußballlehrerlizenz, hat ein BWL-Studium abgeschlossen und eine Autoleasing-Firma aufgebaut.

Die Zeit an der Pader hat ihn geprägt, aus wenig viel zu machen. Er hätte bereits zum Hamburger SV gehen können, aber erst das Angebot aus Leipzig war zu verlockend. Der Frischling bezog das Rangnick-Büro und repräsentiert die Bullen in erster Reihe. „Der Verein strahlt Dynamik und Offenheit aus.“ Genau wie er: Auch wenn alles jetzt zwei, drei Nummern größer ist, kennt er das Geschäft von der Pike auf. Verbindlich und loyal im Auftreten, wenig wirkt bei ihm gestelzt. Sein Coup im Winter war, den spanischen U21-Europameister Dani Olmo für 20 Millionen Euro Sockelablöse zu holen. Ein typischer RB-Deal. Sieben Akteure haben Marktwerte jenseits der 30 Millionen, aber kein einziger hat so viel gekostet. Gleichwohl gibt es für das vom österreichischen Getränkeimperium erschaffene Konstrukt noch Grenzen. Krösche hätte gerne noch Erling Haaland vom Schwesterverein in Salzburg nach Leipzig gelotst. Ein Doppelsturm mit dem Wunderkind und Timo Werner – das wäre eine Wucht. Dem Vernehmen nach hatte das vom BVB geschnürte Paket für Spieler und Berater allerdings 20 Millionen mehr Volumen.

Wenn Krösche sich für Akteure wie den quirligen Offensivmann Christopher Nkunku entscheidet, spielt das persönliche Gespräch die wichtigste Rolle. Nachdem die 18 hauptamtlichen Scouts ihre Arbeit gemacht haben, die Langzeitreports durchleuchtet sind, fragt er die familiären Verhältnisse, den Bildungshintergrund, die Interessen ab. Und er erkundigt sich nach den Stärken und Schwächen. „Wenn ein Spieler sich richtig einschätzen kann, ist er auch kritikfähig.“ Und damit entwicklungsfähig für das Großprojekt in der Brause-Welt. Eine einleuchtende Logik.

Krösche findet, eine Profimannschaft sei wie ein Puzzle, das ein schönes Bild ergeben müsse. „Ich kann einem Trainer nicht einen Haufen hinstellen und dann hoffen, das wird schon funktionieren.“ Ein einziges Mal hat der Sportchef bislang den Spielern ins Gewissen geredet, als im Oktober vergangenen Jahres einiges nicht im Fluss schien. Aktuell ist aus seiner Sicht keine extra Ansprache nötig. Das aktuelle Tief sei „kein Thema von Einstellung, Mentalität oder Einsatzbereitschaft“. Das Überholmanöver gegenüber den Bayern wird vielleicht nur noch mal vertagt.

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