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Power auf Dauer: Sebastian Brendel (links) und Tim Hecker bei ihrem Bronzelauf.
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Power auf Dauer: Sebastian Brendel (links) und Tim Hecker bei ihrem Bronzelauf.

Bärenstarker Endspurt

Freude vertreibt Muskelschmerz

  • VonMichael Wilkening
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Der erfahrene Sebastian Brendel und sein Partner Tim Hecker holen Bronze im Canadier-Zweier. „Diese Medaille ist eine Befreiung.“

Sebastian Brendel benötigte die Absicherung aus der Heimat nicht, aber sie tat ihm gut. „Ich habe kurz mit der Familie telefoniert, da waren alle am Feiern“, berichtete der 31-Jährige und grinste. Der Canadier-Fahrer erlebt in Tokio seine dritten Olympischen Spiele und kannte bislang nur das Gefühl, die Regattastrecke mit einer Goldmedaille zu verlassen. 2012 in London hatte der Modellathlet Gold im Einer gewonnen, vier Jahre später in Rio de Janeiro im Einer und Zweier triumphiert. Man hätte denken können, dass der dritte Rang im Zweier mit Tim Hecker im „Sea Forest Waterway“ eine Enttäuschung wäre. Brendel zerstreute diesen Eindruck aber schnell. Als er mit dem Handy einen Videocall mit den Lieben in Deutschland führte, grinste er und hielt seine Medaille vor das Display. Da fühlte sich ein hochdekorierter Athlet als Sieger, ohne gewonnen zu haben.

Es sind eben diese Momente, die dokumentieren, dass Olympische Spiele für Athleten die größten aller Wettbewerbe beinhalten – abgesehen von Golfern, Fußballern oder Tennisspielern. Jede Medaille hat einen Wert, der mit Geld nicht aufzuwiegen ist. Brendel ist zehnfacher Welt- und elffacher Europameister. Trotzdem zogen sich seine Mundwinkel leicht nach oben, wann immer er die Goldmedaille in die Hände nahm. „Für Tim sind das die ersten Spiele“, sagte er mit Blick auf seinen Partner und sorgte dafür, dass es nach dem Finallauf nicht nur um ihn, den dreifachen Olympiasieger geht: „Ich bin stolz auf Tim.“ Tim Hecker wirkte wie Brendel glücklich mit dem Stück Edelmetall um seinen Hals. Die Erschöpfung war zu diesem Zeitpunkt bereits abgeklungen, die das Rennen zwangsläufig verursacht hatte.

Starker Endspurt

Der berühmte Schlussspurt der Deutschen kam, aber er genügte nicht, um die Kubaner und die Chinesen noch abzufangen. „China ist Weltmeister, Kuba ist Vize-Weltmeister. Wir wussten schon, dass das heute nicht einfach wird“, sagte Brendel. Zur Hälfte der 1000 Meter langen Strecke lagen Brendel und Hecker deutlich hinter den größten Konkurrenten zurück, mehr als eine Bootslänge galt es aufzuholen. Die Deutschen nahmen den Kampf an, schoben sich immer dichter an die Führenden heran, doch die konnten auf den letzten Metern gegenhalten. Knapp sechs Zehntel fehlten zur Goldmedaille.

Unmittelbar nach der Zieldurchfahrt gab es den kurzen Moment der Enttäuschung, dass der größtmögliche Lohn ausgeblieben war, aber dieses Gefühl verschwand ebenso schnell wie der Muskelschmerz. Brendel wird an die zurückliegenden Jahre gedacht haben, als sein Selbstverständnis ins Wackeln geraten war und er sich ein Stück weit neu finden musste.

Zwischen 2014 und 2018 war er in großen Rennen im Einer unschlagbar, 2019 im ungarischen Szeged riss die Serie. „Ich hatte die Rennen immer hinten raus gewonnen, doch plötzlich klappte das nicht mehr“, erinnerte sich Brendel zurück. Mit Andreas Dittmer, ebenfalls dreifacher Olympiasieger, als neuem Bundestrainer hinterfragte er die Strategie, setzte im Training neue Reize und nutzte die coronabedingte Wettkampfpause, um dem Körper Ruhe zu geben. „Das tat gut, ich habe neue Energie gesammelt“, sagte Brendel zu Beginn des Jahres. Seither fühlt er sich wieder stark, die zwischenzeitlichen Zweifel verflogen – und das zahlte sich auf dem Sea Forest Waterway aus.

„Diese Medaille ist eine Befreiung und gibt mir sicher Ruhe“, sagte Brendel mit Blick auf seinen zweiten Einsatz auf dem Wasser des Hafens in Tokio. Am Freitag startet der Wettbewerb im Canadier-Einer. Der Deutsche kann der erste Kanute werden, der drei Mal hintereinander Gold auf dieser Strecke gewinnt, er könnte sich fest in den Geschichtsbüchern verankern. „Mal schauen, das werden harte Rennen“, sagte Brendel vor seinem dritten Start im Einer im Zeichen der fünf Ringe. Die Chance, noch einmal Gold zu gewinnen, ist klein. Der Deutsche ist nicht der Topfavorit, aber er weiß, wie man ein olympischen Finallauf gewinnt. Zudem könnte er sich freuen, wenn die Medaille eine andere Farbe haben sollte.

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