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Findet Fußballerinnen cool: Bundespräsident Steinmeier neben Bundestrainerin Voss-Tecklenburg und Spielführerin Popp.

Frauen-Fußballnationalmannschaft

Mit präsidialem Segen

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Der Besuch von Frank-Walter Steinmeier soll den Nationalspielerinnen über das Trainingslager hinaus Rückenwind für die Fußball-WM geben.

Es herrschte ein ganz schönes Gedrängel auf der hölzernen Terrasse des Teamhotels, ehe der Schnappschuss am Samstag nach dem gemeinsamen Mittagessen in Grassau wirklich im Kasten war. Der 23-köpfige WM-Kader der Frauen-Nationalmannschaft zusätzlich der fünf Backup-Spielerinnen sowie Trainerteam und Teile des Betreuerstabs wollten alle mit aufs Bild, wenn der Bundespräsident eigens an den Chiemsee reist. Frank-Walter Steinmeier bekam als Dank für seine Aufwartung ein von allen unterschriebenes Deutschland-Trikot mit der Nummer 19 überreicht.

Der 63-Jährige hatte im Gegenzug reichlich warme Worte parat. „Wir dürfen der WM in Frankreich mit großen Hoffnungen und Erwartungen entgegensehen. Die Spielerinnen tun dies ganz gewiss.“ Das Team um die neue Spielführerin Alexandra Popp sei für viele junge Mädchen – aber nicht nur für die – zum Vorbild geworden, weil sie „nicht die großen Einnahmen“ wie die Männer hätten, aber „technisch auf einem ähnlichen Niveau und mit großem Herz bei der Sache“ seien.

Natürlich sollte Steinmeier auch seine Meinung zu jenem frechen Werbespot abgeben, der mit einer provokanten Selbstironie („wir haben keine Eier – wir haben Pferdeschwänze“) die sozialen Netzwerke im Sturm erobert hat. „Unheimlich witzig und cool“ sei die Botschaft. Und die Frauen hätten mit ihrer Feststellung in dem Clip ja wirklich Recht, „dass die Frauengesichter und die dazugehörigen Namen noch bekannter werden müssen.“

Dem Staatsoberhaupt dürfte die Stippvisite an einem politisch so bedeutungsvollen Wochenende eine willkommene Abwechslung gewesen sein. Zuvor gab es eine Trainingseinheit zu besichtigen, die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gewohnt couragiert coachte. Ihr ausgiebiges Händeklatschen bei den Fitnesstests war ebenfalls als Ansporn zu verstehen. Bis zum ersten Gruppenspiel am 8. Juni gegen China in Rennes ist es nicht mehr lang hin. „Die Zeit muss reichen“, sagt Voss-Tecklenburg, „wir haben uns einiges erarbeitet, darauf bauen wir auf“. Die nur kurze Vorbereitungsphase könne „auch ein Vorteil sein“, glaubt die 51-Jährige. Bei der Heim-WM 2011 hatte der gesamte Frauenfußball in Deutschland seinen Spielbetrieb bereits im März eingestellt, um Silvia Neid mehrere Trainingslager zu ermöglichen – der Sinn und Zweck blieb hinterher zweifelhaft. Voss-Tecklenburg muss es anders angehen, so voll ist auch der Frauen-Kalender inzwischen. Ihre Haltung: „Ich bin weit davon entfernt zu jammern. Die WM ist ein Privileg.“

Weiterhin unterm Radar

Und doch könnte es nach der Gruppenphase – weitere Gegner sind Spanien und Südafrika – eine Gratwanderung werden: Im deutschen Kader stehen 15 Akteure, die noch nie ein WM-Turnier gespielt haben. Entsprechend gefordert sind Spielerinnen wie die nach Paris wechselnde Sara Däbritz oder Melanie Leupolz, die vor vier Jahren in Kanada noch als „Lehrlinge“ unterwegs waren, nun den Schritt in die Verantwortung zu gehen. Und auch Dzsenifer Marozsan, frisch gebackene Triple-Gewinnerin mit Olympique Lyon, ist gefordert, ihren persönlichen Reifeprozess aufs Team zu übertragen. Mentale Stabilität könnte ein wichtigerer Faktor werden als die von der Trainerin geforderte Systemvariabilität, an der in Grassau gearbeitet wird.

Noch bewegen sich die deutschen Fußballerinnen vor dem Alpenpanorama weitgehend unter dem Radar einer größeren Öffentlichkeit, aber wenn die letzten Finals im Männer-Vereinsfußball gespielt sind und die Frauen-WM am 7. Juni vom Gastgeber Frankreich eröffnet wird, könnte sich das allmählich ändern. Schon für die deutsche Generalprobe gegen WM-Teilnehmer Chile in Regensburg am kommenden Donnerstag (17.45 Uhr/ARD) hat die Kartennachfrage so spürbar angezogen, dass bei 8000 verkauften Tickets nun auch die Stehplatzbereiche geöffnet werden.

Ursprünglich war das gar nicht vorgesehen. „Wir wünschen uns ganz viele Zuschauer im Stadion, um die WM-Stimmung mitzunehmen“, hatte Voss-Tecklenburg zuletzt bei der Kadernominierung gesagt. Es könnte wirklich sein, dass nicht nur Frank-Walter Steinmeier Rückenwind geben will, wenn ihre Mannschaft am 3. Juni Richtung Bretagne reist. (mit dpa/sid)

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