Entfesselte Skyliners drehen im Schlussviertel Spiel drei gegen Bonn - und schnuppern am Einzug ins Finale.
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Entfesselte Skyliners drehen im Schlussviertel Spiel drei gegen Bonn - und schnuppern am Einzug ins Finale.

Frankfurt Skyliners

Wild entschlossen

  • Jan Szyszka
    vonJan Szyszka
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Entfesselte Skyliners drehen im Schlussviertel Spiel drei gegen Bonn - und schnuppern am Einzug ins Finale.

Zwei Schritte links, einmal kurz geduckt - und weg war er. Selbst in den Katakomben der Ballsporthalle war Dominik Bahiense de Mello nur schwer zu stoppen. Dem Distanzschützen des Basketball-Bundesligisten Frankfurt Skyliners war die emotionale Bedeutung des zweiten Siegs gegen die Baskets Bonn in der Halbfinal-Serie auch Minuten nach der Schlusssirene noch anzumerken: Nicht nur, weil er ein gebürtiger Bonner ist und dort das Basketballspielen lernte, sondern vor allem, weil es seine ersten Playoffs sind.

Der 23-jährige de Mello war in der kampfbetonten Partie nicht der einzige Frankfurter, der voll mitging. Frustschreie und ärgerliche Gesten bestimmten die erste Halbzeit auf Seiten der Hessen, während nach der Pause die zum Jubel Richtung Hallendecke gereckte Faust dominierte. Grund dafür war ein überragendes Schlussviertel, in dem die Skyliners mit einem 16:2-Lauf das Spiel zum 58:48 (24:30)-Erfolg drehten. In der Best-of-Five-Serie fehlt ihnen damit nur noch ein Sieg, um ins Finale einzuziehen.

Der unbedingte Wille, dieses Ziel zu erreichen, war den Skyliners nach der Pause anzumerken. Jedem Ball, jedem Rebound setzten die aufgedrehten wirkenden Hessen nach, jede noch so kleine Unsicherheit der Bonner versuchten sie zu nutzen. "Wir wissen, worum es geht - und dass wir den Kampf suchen müssen", erklärt de Mello die hohe Drehzahl.

Die gleiche Devise hatte Bonns Trainer Michael Koch vor dem Spiel ausgegeben - was das intensive, aber nicht hochklassige Spiel erklärt. Die Frankfurter starteten übernervös. Nach vier Minuten lagen sie mit 2:10 hinten. Einen Fehlstart hatten sie schon bei der Pleite in der Bonner Hardtberghalle vor vier Tagen hingelegt.

Skyliners-Coach Murat Didin reagierte früh und brach durch zahlreiche Wechsel den Bonner Spielfluss. Schrittweise kämpften sich die Frankfurter trotz schlechter Wurfquote auf 24:28 (17. Minute) heran. Dennoch sah es zur Pause nicht gut aus für die Gastgeber: Einerseits wegen ihrer Ideenlosigkeit gegen die starke Bonner Verteidigung, andererseits, weil mit Jimmy McKinney und Koko Archibong zwei Spieler gehandicapt wirkten.

Archibong hatte wieder früh sein drittes Foul bekommen, McKinney war kurz vor der Halbzeit auf sein verletztes Handgelenk gefallen. "Es hat weh getan - aber es ging", sagte der US-Amerikaner, der seit Monaten wegen eines Bänderrisses zwischen den Handgelenksknochen mit gipsähnlicher Manschette spielt.

Wie erfolgreich McKinney das Handicap verdrängt, war Anfang der zweiten Hälfte zu sehen. Per Dreier läutete er die Aufholjagd ein. Als Archibong zur ersten Führung der Skyliners traf (38:37, 25.), stand die mit 4960 Zuschauern fast ausverkaufte Ballsporthalle Kopf. Im Schlussviertel gelang den Frankfurtern fast alles: Im Angriff kehrte das Wurfglück zurück, in der Verteidigung wuchsen sie über sich hinaus. Bonn gelang bei 15 Versuchen kein einziger Korb mehr aus dem Feld. Für de Mello der Knackpunkt: "Wir haben nicht aufgegeben - und als Bonn eine Zeit lang locker ließ, haben wir das genutzt."

"Wenn wir weiter so verteidigen, glaube ich fest ans Finale", sagte Coach Didin. Ob im vierten Spiel (Dienstag, 18.30 Uhr, in Bonn) oder in einem eventuellen fünften (Donnerstag, 18 Uhr, in Frankfurt) ist ihm egal.

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