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Zu schnell für seine Gegenspieler: Trae Bell-Haynes.

Skyliners

Wachsendes Verständnis

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Die Frankfurt Skyliners stehen im Pokal-Halbfinale - Spielmacher Trae Bell-Haynes überzeugt.

Es wird das erste Weihnachtsfest ohne seine Familie sein. „Das ist hart“, sagt Trae Bell-Haynes, „aber die Jungs sind jetzt meine Familie.“ Gemeint sind seine Mitspieler bei den Frankfurt Skyliners. Mit einigen von ihnen wird der Kanadier den heutigen Heiligabend verbringen, vormittags ein bisschen in der Halle trainieren und abends etwas zum Essen bestellen. Geschenke wird es untereinander eher nicht geben, aber seinem Arbeitgeber haben der 23-Jährige und seine Kollegen am Samstagabend mit dem 80:70-Erfolg vor 4800 Zuschauern in der Ballsporthalle gegen Braunschweig ein vorweihnachtliches Präsent beschert: Den Einzug ins Pokal-Halbfinale der Basketball-Bundesliga (BBL), der dem Klub 50 000 Euro in die Kasse spült. Der Gegner stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest. 

„Wir zeigen eine Entwicklung. Endlich fügen wir die Teile im Team zusammen“, sagte Bell-Haynes nach dem bislang überzeugendsten Sieg in dieser Spielzeit. Der Spielmacher war in der „wahrscheinlich besten zweiten Halbzeit dieser Saison“, der überragende Mann auf dem Parkett. Er kam am Ende nicht nur auf 16 Zähler, sondern verteilte auch zehn Assists. Selbst im College war ihm ein sogenanntes Double-Double laut eigener Aussage nur einmal gelungen. Nach der Länderspielpause hat Cheftrainer Gordon Herbert die Rollen im Team neu verteilt. Der eigentlich als Starter auf der Spielmacherposition geholte Jason Clark spielt mittlerweile als Shooting Guard, wo er deutlich besser aufgehoben ist. Und Bell-Haynes, der zuvor die Rolle als Backup innehatte, wird von Herbert nun von Beginn an als Point Guard gebracht. „Ich bin natürlich glücklich darüber, aber ich fülle jede Rolle aus, die der Trainer mir gibt“, sagt der Rookie artig.

Überragendes Tempo

Nachdem es in den ersten Spielen nach der Länderspielpause nicht so lief, hat Bell-Haynes wieder seinen Rhythmus gefunden – und mit ihm auch das ganze Team. „Die Spieler fangen an, sich gegenseitig besser zu verstehen“, sagte Cheftrainer Gordon Herbert. „Wir bewegen den Ball besser, wir hatten 22 Assists, und auch defensiv werden wir besser.“ 

Es war das erste Mal in dieser Saison, dass die Skyliners einen Gegner aus der Bundesliga bei 70 Punkten halten konnten. „Das war eine klare Vorgabe von Gordie“, sagte Akeem Vargas, der nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel wieder mitwirkte und dem Team defensive Stabilität gab. Wenn man jetzt noch bedenke, dass „wir das Reboundduell deutlich verloren haben, ist es gut, dass wir noch Luft nach oben haben“, so Vargas. 17 Offensivrebounds haben die Skyliners zugelassen, das ist deutlich zu viel. Dafür zwangen sie die Braunschweiger zu 19 Ballverlusten. Vor allem die zweite Halbzeit war genau nach dem Geschmack von Cheftrainer Herbert. „Wir haben im dritten Viertel die direkten Duelle gewonnen“, sagte der Coach. 

Und er hatte mit Trae Bell-Haynes den überragenden Offensivakteur in dieser Phase in seinen Reihen. Acht Zähler erzielte der Kanadier in den dritten zehn Minuten. „Sein Tempo war überragend“, lobte Herbert. Nicht nur seine Beschleunigung zum Korb, auch wenn es darum ging, das Spiel zu beruhigen. „Trae ist immer dann gut, wenn er versteht, dass er einen zweiten Speed hat, den nur ganz wenige mitgehen können“, findet Vargas. Viel zu oft habe er das nicht genutzt. Wenn er das tue, habe er immer starke Spiele gemacht. „Jetzt muss er den Speed nur auf beiden Seiten des Feldes an den Tag legen“, so Vargas. Also nicht nur offensiv, sondern auch defensiv. 

Probleme hat der Aufbauspieler noch, wenn er stark unter Druck gesetzt wird und manchmal, wenn er zu viel will. Am Samstag fabrizierte er vier Ballverluste. „Ich versuche natürlich, besser auf den Ball aufzupassen. Aber ich will nicht zu vorsichtig sein, denn ich bin ein aggressiver Spieler“, so der Mann aus Toronto.

Ganz so viel Heimweh wird bei ihm an Weihnachten nicht aufkommen können, da es schon am Mittwoch in der Bundesliga weitergeht. Da treffen die Skyliners am zweiten Weihnachtsfeiertag auf die Eisbären Bremerhaven. Der Tabellen-16. ist genau der richtige Gegner, um sich in der BBL weiter nach vorne zu pirschen. Die Skyliners sind nur 13. Und es ist eine gute Gelegenheit, weiter an der eigenen Identität zu feilen. 

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