+
Nicht der Leader, den die Skyliners bräuchten: Jason Clark (l.) gegen Philipp Schwethelm.

Basketball-Bundesliga

Unterirdische Vorstellung

  • schließen

Die Skyliners Frankfurt verlieren in Oldenburg mit 62:91. Spielmacher Jason Clark ist mit seiner Rolle einmal mehr vollkommen überfordert.

Vor dieser Saison war allenthalben Optimismus bei den Frankfurt Skyliners zu spüren. „Ich glaube, wir können ganz gut klicken“, sagte Akeem Vargas nach den ersten Eindrücken seiner neuen Teamkameraden in der Vorbereitung. Die Mannschaft war so früh wie noch nie zusammengestellt worden und Cheftrainer Gordon Herbert war recht schnell angetan von seinem neuen Personal und sprach von „einer der besten Mannschaften“, die er in Frankfurt je hatte.

Auf der Saisoneröffnungspressekonferenz formulierte er nach einer Sitzung mit dem Team neben dem Erreichen der zweiten Runde im Eurocup sowie dem Pokalsieg das große Ziel, unter die ersten Vier der Basketball-Bundesliga vorzustoßen. Davon sind die Skyliners nach der krachenden 69:91-Niederlage in Oldenburg meilenweit entfernt. Und in der aktuellen Form sind sie auch kein Playoff-Team. In Niedersachsen läutete ein 2:30-Lauf von der Mitte des ersten Viertels bis zur Mitte des zweiten Viertels die bereits dritte Bundesliganiederlage im vierten Spiel ein. Unterirdische zehn Minuten.

Die Saison verläuft für die Skyliners derzeit wie eine Achterbahnfahrt. Während die Hessen im Pokal gegen Ulm und auch im Eurocup – mit der Ausnahme in Malaga – ordentlich bis gut agierten, läuft es in der Bundesliga überhaupt nicht. Selbst der 88:83-Sieg in Vechta nach Verlängerung war mehr als glücklich. Gordon Herbert hörte sich im anschließenden Interview bei Telekomsport hilflos an. „Es ist ein Prozess. Wir müssen die kleinen Dinge besser machen. Wir hatten zu viele Ballverluste und keine gute Einstellung.“ Das klang alles sehr bekannt. 

Die Klatsche in Oldenburg hatte den erfahrenen Kanadier sichtlich ratlos zurückgelassen. Zeitweise saß er in seinem pinken Hemd mit verschränkten Armen auf der Trainerbank und ließ das Ganze über sich ergehen. Fest steht nach diesem Auftritt jedenfalls, dass es so nicht weitergehen kann. Die Niederlage deckte alle Schwächen des Skyliners-Spiels gnadenlos auf. Sie sind vorne zu ausrechenbar, der Ball stagniert viel zu oft und wenn der Dreier nicht fällt, wird es schnell zappenduster.

Jason Clark hat die schlechteste Plus-Minus-Statistik

Selbst die Defensive, sonst immer ein Markenzeichen von Herberts Teams, bricht regelmäßig ein. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die Skyliners produzieren die zweitmeisten Ballverluste (16,3), sie haben die drittwenigsten Assists (15,3), die drittschlechteste Punkteausbeute (74,25) und die zweitschlechteste Wurfquote (39,9 Prozent) aller 18 Bundesligateams.

Die größte Baustelle für die Skyliners ist die Spielmacherposition. Jason Clark ist mit der Rolle als Starter komplett überfordert. Mag sein, dass er vor zwei Jahren in Belgien bei Antwerpen zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt wurde, als er auf dieser Position agiert hat. Aber wenn der 28-Jährige tatsächlich so gut war, warum wurde er dann in der vergangenen Saison wieder als Shooting Guard gebracht? Clark hat von allen Skyliners-Spielern die schlechteste Plus-Minus-Statistik. Das ist die Statistik, die darüber Auskunft gibt, wie viele Punkte das Team erzielt, wenn Spieler X auf dem Platz steht. Bei Jason Clark steht eine -8,3. Auch beim Effektivitätswert schneidet kein Skyliners-Akteur aus der festen Neun-Mann-Rotation schlechter ab, als der US-Amerikaner (5,3). Und seinen durchschnittlich 2,3 Assists stehen sogar 3,8 Ballverluste gegenüber. 

Clark ist nicht in der Lage, das Team in die Spielzüge zu bringen. Der 1,88-Meter-Mann ist zwar schnell und athletisch, zieht aber nicht genug und vor allem nicht effektiv zum Korb. Gegen Oldenburg traf er nur einen seiner sieben Versuche aus dem Zweierbereich, kam am Ende auf sieben Punkte. Am ärgerlichsten ist sein ungelenker Mitteldistanzwurf, den er immer wieder einstreut, aber nur in der Eurocup-Partie in Vilnius von Erfolg gekrönt war.

Sein Backup, Trae Bell-Haynes, macht das mit dem Zug zum Korb zwar deutlich besser, der 23-jährige Rookie verliert aber wie Clark zu oft den Ball - in Oldenburg waren es sechs – und verweigert selbst den Dreier, wenn er frei steht. Der Vertrag des Kanadiers läuft am 25. November aus, der von Clark ist bis zum Ende der Saison fixiert.

Wenn die Skyliners ihre hochgesteckten Ziele erreichen wollen, müssen sich die beiden entweder enorm steigern oder die Hessen müssen reagieren. Sonst werden sie in der BBL riesige Probleme bekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion