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Mit vereinten Kräften: Marco Völler (l.) und Quantez Robertson (r.) gegen John Bryant.

Skyliners Frankfurt

Tacheles im Büro des Trainers

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Auch beim 90:91 Gießen fehlt es einigen Skyliners-Spielern an der Einstellung. Center Kratzer vor Wechsel aus Bamberg.

Am Sonntagvormittag hat sich Gordon Herbert mit einigen Spielern für Einzelgespräche in seinem Büro verabredet. Natürlich verriet der Cheftrainer der Frankfurt Skyliners nicht, welche Spieler er sich in der Trainingshalle im Frankfurter Nordwestzentrum zur Brust genommen hatte, um Tacheles zu reden, aber auch einen Tag nach der 90:91-Niederlage in Gießen ist der Kanadier „so frustriert wie noch nie in meiner 20-jährigen Trainerkarriere.“ 

Er vermisst bei einigen seiner Akteure schlicht Einstellung, Herangehensweise und Hingabe zum Beruf. Selbst nach knapp zwei Monaten in dieser Saison 2018/2019 wird der Kanadier mit seinem Team einfach nicht warm. In der Bundesliga liegen die Skyliners nach fünf Niederlagen in sieben Spielen auf Rang 16. Ziel war ein Platz unter den Top vier. Während sich der etatmäßige Spielmacher Jason Clark in Gießen etwas verbessert zeigte, vor allem wenn er auf der Position des Shooting Guards spielt und Trae Bell-Haynes den Aufbau übernimmt, zieht sich Brady Heslip immer mehr den Unmut des Cheftrainers zu. 

Die letzten 15 Minuten schmorte der kanadische Nationalspieler auf der Bank, nachdem er mal wieder nur alibimäßig verteidigt hatte. Genauso war es dem 28-Jährigen schon am Mittwoch im Eurocup gegen Malaga ergangen. Herbert wird gestern das längste Gespräch mit Heslip geführt haben, der nur sieben Punkte in 13 Minuten erzielte. „Er hatte ein taffes Matchup“, sagte Herbert zu Heslips direktem Duell gegen den Gießener Max Landis. 

Trotzdem überlegt er mit seinem Trainerteam natürlich fieberhaft, wie er seiner Mannschaft neues Leben einhauchen kann. Am kommenden Sonntag laufen die Verträge von Bell-Haynes und Erik Murphy aus. „Wir haben noch zwei Spiele und dann müssen wir uns die Situation angucken“, sagt Herbert. Trotzdem sind eher Clark und jetzt auch Heslip die ersten Streichkandidaten als Bell-Haynes - auch wenn sie noch einen Vertrag bis Saisonende haben. 

Für kurzfristige Entlastung auf der Centerposition nach der Verletzung von Jonas Wohlfarth-Bottermann (Mittelfußbruch), könnte Leon Kratzer sorgen. Am Samstag teilte Ligakonkurrent Bamberg mit, dass der 21-Jährige seinen Vertrag bei den Oberfranken aufgelöst hat und nach Frankfurt wechselt. Eine Bestätigung der Skyliners steht noch aus. „Wir verkünden erst etwas, wenn etwas unterschrieben ist“, sagte Gunnar Wöbke, der geschäftsführende Gesellschafter. Der 2,11-Meter-Mann würde die dringend benötige Präsenz unter den Körben bringen.

Die Partie in Gießen reihte sich nahtlos in die vorherigen Auftritte des Basketball-Bundesligisten ein. „Wir lassen zu einfache Körbe zu“, monierte Herbert. 51 Punkte waren es in der ersten Hälfte. Erst im Schlussviertel zeigten die Skyliners in der Verteidigung mehr Leidenschaft und Einsatz. 7:37 Minuten vor Schluss lagen sie noch 71:81 zurück - und hatten vor allem dank einer starken Vorstellung von Richard Freudenberg (21 Punkte) gar die Chance auf den Sieg. 

Clark vergibt Siegchance

Doch in den letzten Sekunden zeigte sich die ganze Nervosität im Team. Zunächst dribbelte Jason Clark den Ball auf den Fuß von John Bryant. Er konnte von Glück sagen, dass Shawn Huff mit seinem Gießener Gegenspieler so sehr um das Leder kämpfte, dass es 7,3 Sekunden vor Schluss Sprungball gab und der Einwurfpfeil in Richtung der Skyliners zeigte. Dann hatte Gordon Herbert wahrgenommen, dass der Gießener Trainer Ingo Freyer eine Auszeit genommen hatte und die Skyliners-Spieler trotteten zur Bank. "Der Schiedsrichter hat dann aber plötzlich den Ball auf den Boden gelegt", berichtete Herbert.  Die Spieler hasteten ohne Ansage zurück aufs Parkett. Letztlich war es Jason Clark, der den Ball in Richtung Korb dribbelte, ihn aber nicht versenken konnte. Die Skyliners monierten Foulspiel, aber die Verteidigung des Gießener Brandon Thomas war im Rahmen des Erlaubten. Herbert legte wegen der nicht wahrgenommen Auszeit Protest ein.

„Wir können jetzt aufgeben oder in den Spiegel schauen und uns durchkämpfen“, sagte Herbert. Ob das mit dieser Mannschaft gelingt, die Woche für Woche aufs Parkett geschickt wird, scheint eher fraglich. 

Hinweis: In einer vorherigen Version des Textes stand, dass Gordon Herbert die Auszeit beantragt hätte. Es war aber der Gießener Trainer Ingo Freyer.

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