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Chefdirigent auf Zeit: Klaus Perwas.
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Chefdirigent auf Zeit: Klaus Perwas.

Skyliners

Plötzlich im Vordergrund

Co-Trainer Klaus Perwas ist nach der Rücken-OP von Skyliners-Headcoach Gordon Herbert vorläufig Chef.

Von Timur Tinç

Das Büro hat Klaus Perwas nicht gewechselt. Der 45-Jährige sitzt, wie seit mittlerweile acht Jahren, ganz hinten in der Trainingshalle der Skyliners in der Frankfurter Nordweststadt. Oder aus seiner Perspektive ganz vorne. Hinter den verglasten Scheiben hat der gebürtige Osnabrücker sowieso alles im Blick. Im Hintergrund hat sich Perwas immer wohl gefühlt, doch seit vier Wochen steht der Assistenztrainer plötzlich im Vordergrund. Kurz vor dem Trainingsauftakt des hessischen Basketball-Bundesligisten ist Cheftrainer Gordon Herbert am Rücken operiert worden und fällt auf unbestimmte Zeit aus. Zwischen sechs Wochen und drei Monaten ist alles möglich. „Es war jetzt keine Überraschung, dass ich es mache“, sagt Perwas, der mit den Skyliners heute bei einem zweitägigen Turnier im belgischen Oostende auf den Gastgeber trifft.

Eine Umstellung ist die Beförderung für ihn schon, schließlich muss er jetzt das große Ganze im Blick haben. „Als Cheftrainer hat man mehr Verantwortung, aber ich fühle auch Verantwortung wenn ich Assistenzcoach bin“, erklärt er. Denn Perwas ist, wie er selbst treffend sagt, nicht der alltägliche Zuarbeiter. Schon als Spieler und Kapitän in Bonn oder als Aufbauspieler in der Nationalmannschaft war er ein Charakterkopf mit einer starken Persönlichkeit. Einer, der sich nicht rumkommandieren lässt, sondern die Zügel selbst in der Hand halten will. „Mir ist es egal, ob ich der Cheftrainer oder der Co bin. Ich mach’ mein Ding auch so“ sagt er in seiner typisch trockenen Art.

Entscheidend sei für ihn, dass er in einem guten Klub ist, wo Sachen vorangetrieben werden. „So wie bei uns.“ Die Skyliners stehen auf soliden Beinen und haben in den vergangenen Jahren eine klare Philosophie vom Profiteam bis zu den Jugendmannschaften erarbeitet. Perwas kommt insbesondere bei der Förderung der jungen Talente und dem Individualtraining eine Schlüsselrolle zu, für die er von allen aktuellen und ehemaligen Spielern in höchstem Maße respektiert wird.

„Ich habe Klaus fast alles zu verdanken“, sagt Danilo Barthel, der im Sommer zum FC Bayern München gewechselt ist. „Als ich hier angefangen habe, habe ich teilweise bis zu vier Stunden mit Klaus in der Halle gestanden“, berichtet der 24-jährige Nationalspieler über die Monate vor dem Trainingsauftakt, die für die Basketballer entscheidend sind, um den nächsten Schritt in ihrer Karriere zu machen. „Ich habe mich so gut entwickelt, weil er genau die richtigen Methoden und Tricks hatte, um mich einen Schritt weiterzubringen“, sagt Barthel.

Perwas ist kein Kumpeltyp, sondern ein Mann, der Disziplin einfordert. Er muss spüren, dass die Spieler, die er trainiert, den unbedingten Willen haben sich weiterzuentwickeln. So wie er einst als junger Profi, als sich die Basketballer der BC Giants Osnabrück die Halle mit Kinderturnern und Volleyballern teilen mussten. „Ich durfte damals abends nicht alleine in die Halle, um extra zu trainieren“, erzählt Perwas. Also packte er Präsentkörbe für den Hausmeister, damit dieser etwas länger blieb und verteilte Freikarten an Kinder, damit sie ihm nach jedem Wurf den Ball zurückwarfen. „Wenn du dir das damals organisieren musstest, willst du auch, dass was dabei rauskommt“, sagt Perwas. Diese Wertschätzung, dass es immer eine offene Halle gibt, dass immer ein Trainer da ist, vermisst er bei einigen Jugendlichen.

"Ich bin ein Arbeiter"

Basketball war und ist das Leben von Klaus Perwas – auch als seine Karriere mit 27 Jahren jäh endete. „Der Arzt hat mir gesagt, dass ich in zehn Tagen wieder fit bin“, erinnert er sich an die erste Diagnose. Ein Meniskusriss und drei Operationen später musste Perwas die Basketballschuhe an den Nagel hängen. „Ich dachte, dass mein Bein steif bleiben würde“, erzählt er. Dank der intensiven Rehamaßnahmen konnte er das verhindern, sein Bein anwinkeln kann er heute aber nicht mehr, er humpelt ein bisschen, wenn er gerade aufgestanden ist. Zwar hat Perwas in der Firma seines Vaters eine Lehre als Versicherungskaufmann abgeschlossen, vom Basketball wollte er aber nicht lassen. So war er dankbar, als ihm angeboten wurde, zweiter Assistenztrainer und somit weiter Teil der Bonner Mannschaft zu bleiben, deren Kapitän der 1,94 Meter große Point-Guard bis dahin war. „Das war auch gut für mich, da ich drei Jahre mit meinem Bein zu tun hatte, konnte ich das nebenbei machen“, erzählt Perwas. Nach zwei Spielzeiten wechselte er 2002 zum Lokalrivalen Dragons Rhöndorf in die zweite Liga, ebenfalls als Assistenztrainer. 2005 übernahm er für eine Saison das Team als Cheftrainer, bis die Zusammenarbeit beendet wurde und er 2008 nach Frankfurt kam.

Hier ist er immer der Erste, der um 9 Uhr im Büro ist und erst spätabends, manchmal sogar nachts in sein Apartment geht – nur wenige Schritte von der Trainingshalle entfernt und ein Stockwerk über dem von Gordon Herbert. „Ich bin ein Arbeiter“, sagt Perwas. Am wohlsten fühlt er sich in der Halle, wenn er den Spielern die entscheidenden Kniffe zeigen kann. Gordon Herbert, mit dem er nach 2010, jetzt seit 2013 zusammenarbeitet, schätzt vor allem die Analysen des ehemaligen Aufbauspielers. In seinem Büro schneidet Perwas die Videos des eigenen und der gegnerischen Teams, zeichnet Stärken und Schwächen auf. „Ich bin jemand, der durchs Videostudium sehr gut visualisieren kann“, erklärt er. Herbert hat meistens für jede Partie schon eine Spielidee, er mache dann nur noch die Feinheiten.

In nächster Zeit muss Perwas beides alleine beziehungsweise mit der Unterstützung der Co-Trainer Eric Detlev und Sebastian Gleim machen. Mit Herbert ist er via WhatsApp, SMS und ab und zu per Telefon in Kontakt, die Entscheidungen trifft jetzt aber Perwas. Ob er sich auf Dauer vorstellen kann, auch mal Chef zu sein? „Ich glaube, ich würde es nicht mehr so vehement verneinen, wie ich es früher gemacht habe“, sagt Perwas schiebt aber nach: „Ich habe keine Probleme, in der zweiten Reihe zu stehen.“

Für mindestens einige Wochen wird er an der Seitenlinie in der ersten Reihe sein. Je nach Heilungsprozess des Rückens Gordon Herbert, vielleicht auch etwas länger.

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