Blicke ins Leere: Dominik Bahiense de Mello und Koko Archibong.
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Blicke ins Leere: Dominik Bahiense de Mello und Koko Archibong.

Frankfurt Skyliners

Plötzlich am Ende

  • Jan Szyszka
    vonJan Szyszka
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Die Skyliners-Basketballer trösten sich nach dem Halbfinal-Aus mit einer positiven Saisonbilanz.

Derrick Allen wollte allein sein. Die Hände vorm Gesicht, das Trikot bis über die Nasenspitze hochgezogen - so harrte der Power Forward der Frankfurt Skyliners auf der Bank des hessischen Basketball-Bundesligisten aus, während um ihn herum ausgelassene Bonner in der Ballsporthalle den Einzug ins Finale gegen Alba Berlin feierten.

Lange tat Allen sich den Anblick nicht an. Zusammen mit dem Rest der Mannschaft flüchtete er in die Kabine. Gesprochen wurde dort nicht, leere Blicke und Stille dominierten den kleinen Raum. Als Erster hatte sich Pascal Roller gefangen. "Wir können trotzdem stolz auf uns sein", sagte der Teamkapitän, nachdem die Mannschaft wieder aufs Spielfeld zurückgekehrt war, um sich von den Fans zu verabschieden. Andere brauchten länger.

"Das ging so schnell. Man kapiert gar nicht, dass alles vorbei ist, steht da und weiß nicht so recht, was man tun soll", sagte Alex King, der wie die meisten nach der dramatischen 74:75 Niederlage schnell das Weite suchte. Im frühzeitig leeren Vip-Raum flüchtete Trainer Murat Didin in die hinterste Ecke, derweil Sportdirektor Kamil Novak einige Runden Bier zur Frustbewältigung herbeischaffte.

Aber auch gestern tat das Aus noch weh, wie der Tscheche einräumte: "Doch wir dürfen in dem Schmerz nicht vergessen, dass wir eine sehr gute Saison gespielt haben."

Schwach gestartet

Zu Beginn hatte es danach gar nicht ausgesehen: Dem runderneuerten Kader (elf Ab- und zehn Zugänge) war die fehlende Eingespieltheit anzumerken. Trotz neu verpflichteter Stars wie BBL-Topscorer Derrick Allen, Verteidigungsexperte Koko Archibong sowie der Rückkehr von Roller dümpelten die Skyliners im Mittelfeld herum. Zur Rückrunde kam die Mannschaft besser in Tritt - vor allem, weil der zunächst formschwache Roller immer mehr zum Führungsspieler aufstieg.

Zwischen März und April siegten die Skyliners achtmal hintereinander. Selbst Tabellenprimus Alba Berlin wurde von den entfesselt auftretenden Frankfurtern auseinandergenommen. Dass das Team Potenzial hat, aber noch nicht gefestigt ist, hatte Didin auch während der Playoffs eingeräumt. Neben der fehlenden Erfahrung einiger Spieler wusste der Türke um die dünne Bank der Skyliners, auf der Fehleinkäufe wie Jimmie Hunt oder Kirsten Zöllner keine Zukunft mehr haben dürften.

Allen in Playoffs eingebrochen

Unerwartet kam dagegen der Einbruch von Allen: Der US-Amerikaner leistete sich in den Playoffs viele Ballverluste und erzielte durchschnittlich sieben Punkte weniger als während der Saison. Die Verantwortlichen nehmen ihn in Schutz. "In den Playoffs konzentriert sich der Gegner immer auf deine stärksten Spieler", sagte Novak.

Anders als Roller hielt Allen dem Druck nicht stand. Ein Grund, weswegen der 26-Jährige fortan mit dem hässlichen Makel Playoff-Versager konfrontiert werden könnte, ein Begriff, der ihn seit seinen ersten BBL-Playoffs mit Leverkusen begleitet, wo er ebenfalls pünktlich zum Saisonhöhepunkt in ein Loch fiel.

Abgesehen von seinem Einbruch gilt Allen - genauso wie Archibong, Roller und Ilian Evtimov - als tragende Säule des noch entwicklungsfähigen Teams. Die Skyliners wollen es weitestgehend zusammenhalten, bekräftigt Novak, derweil Geschäftsführer Gunnar Wöbke "gezielte Verstärkungen" ankündigt.

Bedarf dürfte dabei auf der Centerposition bestehen. Ken Johnson kommt mit Didin nicht zurecht. "Murat ist ein sehr schwieriger Trainer. Er braucht einen speziellen Typ an Spieler - ein anderer Typ, als ich es bin", sagt Johnson, der wohl zum letzten Mal das Skyliners-Trikot trug.

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