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Ob er jemals wieder Basketball spielt, ist unbewiss: Niklas Kiel.

Frankfurt Skyliners

Niklas Kiel: Ein Talent vor dem Karriereende

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Die Frankfurt Skyliners planen die Saison ohne Niklas Kiel. Nach drei Gehirnerschütterungen befindet sich der 21-jährige Basketballer wieder in Untersuchungen. Ob er jemals auf das Parkett zurückkehrt, ist völlig ungewiss.

Niklas Kiel war sich sicher: „Jetzt geht es immer geradeaus.“ Es war der 29. März, der Tag seines Comebacks nach 316 Tagen. Das dritte nach drei Gehirnerschütterungen. Die 80:100-Niederlage gegen Rasta Vechta? Nebensache. Wichtig war, dass der Flügelspieler der Frankfurt Skyliners nach monatelanger Aufbauarbeit tatsächlich wieder spielen konnte. Er machte noch ein paar gute Spiele bis zum Saisonende, agierte vorsichtig, ganz normal für einen, der so lange keinen Basketball mehr gespielt hat und heftige Treffer am Kopf abbekommen hatte. Im Sommer flog Kiel in die USA, offenbar, um sich weiteren neurologischen Untersuchungen zu unterziehen.

Drei Gehirnerschütterungen für den Basketballer

Wieder zurück in Deutschland muss Kiel wohl einen Rückfall erlitten haben, denn er nahm weder am Mini-Camp Anfang August noch am offiziellen Trainingsstart vor einer Woche in Frankfurt teil. Gestern teilten die Hessen nun mit, dass sie nicht mehr mit Kiel für die Saison 2019/2020 planen. „Niklas befindet sich seit seinen drei Gehirnerschütterungen in ständiger ärztlicher Untersuchung. Dabei sind einige Dinge zum Vorschein gekommen, die weitere Untersuchungen nötig machen. Daher ist er nicht ins Teamtraining eingebunden“, hieß es ganz versteckt am Ende einer Pressemitteilung zum ersten Testspiel gegen Heidelberg (84:62).

Anscheinend haben die drei Gehirnerschütterungen doch so starke Nachwirkungen hinterlassen, die Profisport nicht möglich machen. Das wäre zwar schade für Kiel, der einst mit 16 aus Paderborn als das vielversprechenste Talent in Deutschland nach Frankfurt kam. Aber die Gesundheit geht selbstverständlich vor. Schlimmer wäre es, wenn Kiel auf dem Parkett zusammenbricht.

Eins hat Niklas Kiel von der NBA geträumt

Skyliners holen Jones
Die Frankfurt Skyliners haben am Montag die Verpflichtung von Lamont Jones bekanntgegeben. Der 29-jährige US-Amerikaner spielte zuletzt bei Ligakonkurrent Ludwigsburg und kam auf 17,2 Zähler im Schnitt. Der 1,83-Meter-Mann ist ein Combo Guard. Jones ist der fünfte Ausländer im Kader. Den sechsten Platz soll ein großer Spieler einnehmen. „Wir suchen“, sagte Cheftrainer Sebastian Gleim. tim

Niklas Kiel hatte große Träume: Er wollte in die NBA, in die beste Basketballliga der Welt. Im Februar 2015 schnupperte er schon einmal in die große Welt des Basketballs herein. Er war als einziger Deutscher zum sogenannten Basketball Without Borders Global Camp eingeladen worden. Im Madison Square Garden. In New York. Im Rahmen des NBA-Allstar-Wochenendes. Er schaffte es sogar in den Kader der besten Talente der Welt, die gegen eine US-Auswahl vor zahlreichen NBA-Trainern und Scouts vorspielte. „Ich sehe jetzt klarer, wie mein Weg nach Amerika aussehen könnte“, hatte Kiel gesagt.

Zurück in Deutschland, ging es darum, ihn behutsam an die Profis heranzuführen. Sein Debüt in der Basketball-Bundesliga feierte der gebürtige Herforder mit 18 Jahren im Oktober 2015 gegen Tübingen. Sein erster Wurf, ein Dreier, fand sein Ziel, das große Talent war für jeden erkennbar. Er sah sich immer als „Point Forward“ – der flexibel ist, werfen, rebounden, aber auch den Ball nach vorne bringen kann.

Nach dem Knorpelschaden beim Bruder hat es „Klick“ gemacht

Doch Basketball war nie alles für Niklas Kiel, er wollte und sollte auf jeden Fall sein Abitur zu Ende bringen. „Wenn die Schule nicht läuft, darf ich auch nicht trainieren.“ In der Zeit wohnte er bei der Familie Merz in Kronberg, eine echte Basketballfamilie. Wie schnell der Traum einer großen Sportkarriere zerplatzen kann, erlebte er dort hautnah mit. Der kleine Bruder von Teamkollege Max Merz, Jakob, musste mit 17 die Basketballschuhe an den Nagel hängen. Knorpelschaden in beiden Füßen, lautete die bittere Diagnose. „Da hat es Klick gemacht“, sagte Kiel. Er paukte, baute sein Abitur und spielte anschließend eine gute erste richtige Profisaison, kam auf 27 Einsätze und durchschnittlich fast 15 Minuten und 6,4 Punkte.

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In der Saison 2017/2018 wollte er dann voll angreifen. Der Plan war: Noch zwei gute Jahre in der BBL spielen und sich 2019 für den NBA-Draft anmelden – bis ihn in der Vorbereitung Teamkollege Mike Morrison den Ellenbogen unabsichtlich ins Gesicht rammte. Die erste Gehirnerschütterung, nach wenigen Wochen war er wieder zurück. Doch schon im dritten Spiel bekam er wieder einen Ellenbogen ins Gesicht. Gehirnerschütterung Nummer zwei. Diesmal dauerte es drei Monate bis zum Comeback. Im Sommer vergangenen Jahres stürzte Kiel nach einem Schwindelanfall im Treppenhaus, fiel auf den Kopf – wieder Gehirnerschütterung. Viele Wochen musste Kiel in abgedunkelten Räumen sitzen, durfte nichts machen. Gleichgewichtssinn und das Riechvermögen waren beschädigt, das Sichtfeld eingeschränkt, massive koordinative und physische Defizite waren zutage getreten. Mit der Hilfe von Athletiktrainer Dennis Wellm kämpfte er sich zurück. Erst ins Teamtraining, dann in die Liga.

Das Comeback von Niklas Kiel im März 2019 war das Highlight in einer schwachen Skyliners-Saison. Im Moment sieht alles danach aus, als wäre es sein letztes gewesen.

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