Körbe aus der zweiten Reihe

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Bahiense de Mello, King und Shtein beim Auftaktsieg der Skyliners gegen Bonn ein Faktor / Heute Spiel zwei

Als die Fernsehkameras bereits verstaut wurden, rückten Murat Didin und Michael Koch noch einmal kurz zusammen. Das Fachliche stand beim Small-Talk zwischen den Trainern der Basketball-Bundesligisten Frankfurt Skyliners und Baskets Bonn im Hintergrund. Vielmehr erkundigte sich Didin nach dem Problem, das die Bonner auf der Anreise vor dem ersten Halbfinalspiel in den Playoffs der Basketball-Bundesliga in Frankfurt gehabt hatten. Ein geplatzter Reifen hatte den Mannschaftsbus auf der A3 bei Neuwied kurzzeitig lahmgelegt und für Hektik gesorgt. "So schlimm war das alles nicht", wiegelte Koch ab, ehe er sich lächelnd verabschiedete.

Weit weniger nonchalant hatte sich der ehemalige deutsche Nationalspieler zuvor geäußert. In einer schonungslosen Analyse kritisierte er sein Team, das beim 75:72 (37:34) Sieg der Frankfurt Skyliners über weite Phasen einen schwachen Eindruck hinterlassen hatte. Koch bemängelte fehlende Aggressivität und ein Auftreten, bei dem seine vorherigen Anweisungen sträflich missachtet worden seien. "Wir haben uns auf das Spiel der Skyliners eingelassen. Dass wir so am Ende überhaupt noch eine Chance hatten, hat mich selbst gewundert", sagte Koch. Die fahrig wirkenden Bonner blieben den Beweis der Klasse schuldig, mit der sie im Viertelfinale Quakenbrück in vier Spielen aus dem Titelrennen geworfen hatten. Im Angriff wirkten sie unkonzentriert und ideenlos gegen die Zonenverteidigung der Hessen, von der Qualität der harten und ligaweit gefürchteten eigenen Verteidigung war wenig zu sehen.

Am Ende eines blutarmen Auftritts, in dessen Verlauf sich nur der starke Winsome Frazier (25 Punkte, davon sieben Dreier) gegen die Niederlage gestemmt hatte, standen 22 Ballverluste. "So kann man nicht gewinnen", grollte Koch. Fünf Minuten vor Schluss griff er beim Spielstand von 70:59 durch und wechselte vier Spieler aus. Die Maßnahme fruchtete, brachte aber nicht mehr den Sieg - vor allem, weil Derrick Allen seine Geschwindigkeitsvorteile gegen die Bonner Center John Bowler und den Ex-Frankfurter Bernd Kruel geschickt ausspielte. Der Skyliners-Topscorer, endlich in den Playoffs angekommen, sammelte 25 Punkte.

Überraschend war, dass die zweite Garde der Frankfurter mehr Akzente setzten konnte als die eigentlich ausgeglichener besetzte Bank der Bonner. Dominik Bahiense de Mello, Alex King und Maksym Shtein ließen das Fehlen von Center Ken Johnson vergessen, der das Spiel mit eitriger Mandelentzündung am Spielfeldrand verfolgte. King nutzte wiederholt die Räume, die sich in der Bonner Abwehr auftaten, die sich in der zweiten Halbzeit fast nur noch auf Allen konzentrierte, und sammelte zehn Punkte. Didin kam der überraschend starke Auftritt seiner Youngsters entgegen. "Kleine Details können in dieser ausgeglichenen Serie den Unterschied ausmachen." Auch dank dieser Unberechenbarkeit sieht Frankfurts Sportdirektor Kamil Novak die Skyliners vor dem zweiten Spiel der Best-of-Five-Serie (heute, 18.30 Uhr) in der Bonner Hardtberghalle im Vorteil. Pascal Roller erwartet hingegen eine Reaktion der Rheinländer: "Bonn wird sich etwas einfallen lassen, um gegen unsere wechselnde Verteidigung besser auszusehen."

Anders als die Bonner, reisen die Skyliners in den Playoffs übrigens schon einen Tag vorher zu Auswärtsspielen an. Auf ausdrücklichen Wunsch von Trainer Didin. Man kann nie wissen, ob die Reifen halten. Center Ken Johnson blieb wegen seiner Mandelentzündung in Frankfurt. Ob er kurzfristig nachreist, klärt sich erst heute.

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