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Nino Garris wird vielleicht nur noch in dieser Saison für die Skyliners spielen.

Vom Hoffnungsträger zum Problemkind

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Basketballer Nino Garris steckt seit seinem Wechsel zu den Skyliners vor drei Jahren in einer tiefen Formkrise

Eigentlich ist Stefano Garris kein Mann der leisen Töne. Der Flügelspieler der Frankfurt Skyliners lässt schon seit Jahren die Bässe wummern. Hip-Hop und Rap haben es dem Basketballer angetan, der selbst schon häufiger zum Mikro gegriffen und dumpfe Beats mit rhythmischem Redeschwall untermalt hat.

Anders sieht die Situation aus, wenn man den Sohn eines US-Amerikaners und einer Italienerin nach seiner Zukunft beim Frankfurter Bundesligisten befragt. Der Wortakrobat mutiert dann zu einem zurückhaltenden Taktierer: Stefano Garris, den alle nur Nino nennen, ist vorsichtig geworden. Mit gutem Grund: Everybody's Darling ist zur Zielscheibe der Kritik geworden.

Den Auslöser liefert ausgerechnet sein Trainer. Deutlich und scharf hatte Murat Didin den deutschen Nationalspieler, dessen Vertrag am Ende der Saison ausläuft, kritisiert. Garris sei ein "schwieriger Fall", begann Didin eine Wutrede, in der er sich vor allem über die Verletzungsanfälligkeit des Spielers aufregte. Den Anlass gab dessen jüngste Verletzung: Kurz nach den Weihnachtstagen war Garris bei einem Besuch seiner Schwiegereltern ausgerutscht und genau auf das Knie gefallen, das ihn schon Anfang Dezember zum Aussetzen gezwungen hatte. Weitere elf Tage Pause, bis vergangenen Mittwoch, waren die Folge.

"Er ist dauernd verletzt", zürnte Trainer Didin und legte noch einmal nach: Er habe den Verdacht, sagte der Türke, dass Garris schon bei kleineren Wehwehchen zum Arzt renne und sich zu sehr auf dessen Rat verlasse. Höhepunkt der Tirade war der Vorwurf, dass der 28-Jährige für sein hohes Gehalt "zu wenig Gegenleistung" biete.

Garris spielt Kritik herunter

Im Profisport sind das bemerkenswerte Anschuldigungen, die den Verdacht nahelegen, dass die Skyliners und Garris nach dieser Saison getrennte Wege gehen werden. Vielleicht wollte Didin den gebürtigen Ostwestfalen sogar zu einer vorzeitigen Auflösung seines Vertrages bringen. Diesen Gefallen hat Garris seinem Trainer nicht getan. Statt selbst auf die Barrikaden zu gehen und sich gegen die Vorwürfe des Trainers zu wehren, spielt der Familienvater die Angelegenheit herunter. Allenfalls die Art und Weise der Verbreitung über die Presse störten ihn, den Zornesausbruch Didins könne er aber verstehen. "Das Zustandekommen der Verletzung ist ja auch saublöd - und Murat ist ein sehr temperamentvoller Trainer", sagt Nino Garris.

Sein Kuschelkurs erscheint zudem angebracht: Das einstige Talent, das bei der Basketball-Weltmeisterschaft 2002 mit der deutschen Nationalmannschaft die Bronzemedaille gewann, hängt seit seinem Wechsel von Alba Berlin nach Frankfurt im Sommer 2005 in einer tiefen Formkrise. Von den 11,1 Punkten, die er bei Alba im Schnitt erzielte, ist der 1,99 Meter große Flügelspieler in Frankfurt weit entfernt. Immer wieder warfen Verletzungen Garris zurück. Auch die Chemie zu Didins Vorgänger Charles Barton soll nicht gestimmt haben. "Ich kann nicht zufrieden sein mit meiner Entwicklung", räumt Garris selbst ein.

Ob er eine weitere Chance bei den Skyliners erhält, erscheint zweifelhaft. Spekulationen über einen Wechsel zum Ligakonkurrenten Braunschweig, wo sein ehemaliger Berliner Trainer Emir Mutapcic arbeitet, wuchern bereits. Stefano Garris will sich nicht daran beteiligen. "Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich konzentriere mich aufs Training und darauf, den Rückstand aufzuholen." Ob er beim nächsten Bundesligaspiel der Skyliners am Samstag in Ulm (19 Uhr) eine neue Bewährungschance erhält, wird sich heute Vormittag entscheiden. Passenderweise beim Mannschaftsarzt, der sich das lädierte Knie noch einmal ansehen wird.

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