+
"Nach Spielen wie diesen möchte ich am liebsten mit dem Coachen aufhören", gibt Gordon Herbert zu.

Frankfurt Skyliners

Die große Standpauke

  • schließen

Skyliners-Cheftrainer Gordon Herbert lässt nach der 64:72-Niederlage gegen Göttingen kein gutes Haar an seinem Team.

„Die Spieler sofort rein“, fauchte Gordon Herbert seinem Sohn Daniel und Assistenztrainer zu. Dann stapfte der Cheftrainer der Frankfurt Skyliners, die Taktiktafel in der rechten Hand, in Richtung Kabine. Die Miene grimmig, den Kopf nach unten gesenkt. Kurz darauf schlichen die Spieler hinterher. Sie wussten, was sie gleich erwartet. 

„Ich habe ihnen gesagt, dass ich beschämt von der Art und Weise war, wie wir gespielt haben“, berichtete Herbert in der Pressekonferenz nach der 64:72 (28:38)-Niederlage gegen die BG Göttingen. „Das war eines der schlechtesten Spiele, in die ich involviert war.“ Und der 59-Jährige ist seit seinem 23. Lebensjahr als Spieler und Trainer im professionellen Basketball engagiert.

Doch an diesem Sonntagnachmittag war Gordon Walter Herbert von seinem Team maßlos enttäuscht worden. „Ich bin alt genug, um mit Niederlagen umzugehen. Aber nach Spielen wie diesen möchte ich am liebsten mit dem Coachen aufhören.“

Gordon Herberts Worte verpuffen

Bis auf ein paar gute Minuten im Schlussviertel, als die Skyliners sich auf zwei Zähler (58:60/38.) rangekämpft hatten, ehe die Göttinger mit drei Dreiern in Folge die Partie entschieden, ließ der hessische Basketball-Bundesligist so ziemlich alles vermissen, was es braucht, um erfolgreich Teamsport zu betreiben. „Wir haben Eins-gegen-Eins gespielt, egoistisch und keine Verteidigung“, zählte Herbert auf. 

Dabei zwangen die Skyliners die BG zu 18 Ballverlusten, holten 17 Offensivrebounds und hatten sage und schreibe 14 Wurfversuche mehr als die Göttinger - eine Welt im Basketball. Aber wenn man nur 29 Prozent seiner Versuche trifft, ist es nun mal schwer, ein Spiel zu gewinnen. Und wenn „die Einstellung furchtbar ist“, so Herbert, wird es fast unmöglich und schickte eine Entschuldigung an die 4120 Zuschauer in der Ballsporthalle hinterher.

Nach der guten Leistung im Eurocup am Mittwoch beim 70:61 in Vilnius wähnten sich die Skyliners auf einem Weg in die richtige Richtung, nachdem es zuvor auch nicht besonders rund lief. Herbert hatte seine Spiel auf die guten Dreierschützen der Göttinger eingestellt, „wir haben close-outs“, trainiert, sagte der Kanadier. Also die Verkürzung des Abstands auf den Spieler in Ballbesitz. „Der Grund warum Göttingen in der ersten Hälfte acht von 13 Dreiern getroffen hat war, dass wir bei einigen vergessen, dass sie Schützen sind und wir die Hand oben haben sollten“, analysierte Akeem Vargas, mit zehn Punkten zweitbester Skyliners-Schütze hinter Shawn Huff (14). Die Worte von Herbert waren verpufft.

Besonders verärgert war der Cheftrainer über seine erfahrenen Spieler, die vorangehen sollen. Er nannte zwar keine Namen von Spielern, die beim Zurücklaufen in die Defensive eine schlechte Einstellung gezeigt haben, doch seine Ein-und Auswechslungen machten offensichtlich, dass es sich um Jason Clark (5 Punkte), Brady Heslip (6) und Erik Murphy (8) handelte. Alle drei hatte Herbert schon in Vilnius auf die Bank verbannt, von allen drei kam in Litauen eine Reaktion. Am Sonntag blieb sie aus. „Die Bank sollte eine Stärke von uns sein, heute war sie negativ“, sagte Herbert.

Und offensiv wollte zudem einfach nichts fallen. Trotz 17 Offensivrebounds kamen die Skyliners nur auf neun Punkte nach den zweiten Chancen. „Wir hatten heute sehr viele qualitative Würfe, auch in den Händen der richtigen Leute“, fand Vargas. Dass sie nicht reingegangen sind, mache ihm keine Sorgen und führte die Niederlage wie der Trainer auf die Schwächen in der Defensive zurück.

Wie Gordon Herbert jetzt sein Team anpacken will, konnte er kurz nach der Partie noch nicht sagen. Allerdings befinden sich die Hessen an einem kritischen Punkt. Sollten die Leistungsträger nicht aus ihrem Loch herauskommen und keine bessere Einstellung an den Tag legen, kann die 20. Saison der Skyliners, in der man sich so viel vorgenommen hatte, eine ganz schwere werden. 
„Das Gute am Basketball ist, dass wir uns heute Abend über das Spiel Gedanken machen können und am Mittwoch (19.30 Uhr) haben wir vor eigenem Publikum im Eurocup eine Chance, uns gut zu positionieren.“ Die vierte Partie im Eurocup gegen Mornar Bar aus Montenegro wird zeigen, welche Wirkung Gordon Herberts große Standpauke beim Team hinterlassen hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion