+
Fügte sich gut ein: Skyliners-Neuzugang Matt Mobley (rechts) im Duell mit Jordan Barnett.

Gießen

Frankfurt Skyliners mit Sieg im Hessenderby

  • schließen

Die Frankfurt Skyliners beenden ihre Niederlagenserie im Hessenderby in Gießen. Kratzer und Jones mit jeweils 23 Punkten.

Aus der Kabine am äußersten Ende der Sporthalle Ost drang laute Rapmusik. Der Kapitän der Frankfurt Skyliners, Quantez Robertson, hatte sein Handy an einen tragbaren Lautsprecher angeschlossen und beschallte seine Kollegen nach dem 90:82 (44:32)-Sieg im Hessenderby bei den Gießen 46ers. „Die Stimmung war sehr gut“, beschied Leon Kratzer grinsend, als er frisch geduscht als Letzter aus der Tür trat. Vor allem ein Gefühl herrschte vor: Erleichterung. Nach sechs Niederlagen in Folge und dem unterirdischen Auftritt eine Woche zuvor gegen Ludwigsburg war die Situation „für uns alle nicht ganz einfach“, sagte Kratzer, der mit 23 Punkten und zwölf Rebounds ein glänzende Partie gemacht hatte. Die knapp verlorenen Spiele zuvor gegen Oldenburg und Crailsheim, „das nimmt einen schon mit“.

Freudenberg fällt wieder aus

Sebastian Gleim hat es in der Woche geschafft, diese Verkrampfung zu lösen. „Wir haben versucht, mehr Lockerheit reinzukriegen“, sagte der Cheftrainer. Statt nach der Niederlage in Ludwigsburg draufzuhauen „haben wir die Tore aufgemacht“, beschrieb es Gleim. Im Training bekamen die Spieler mehr Freiheiten, die Aktionen erfolgten mehr auf Initiative denn auf strikte Vorgaben. Auch Kratzer hat festgestellt, dass Gleim „etwas lockerer geworden ist“.

Für Lamont Jones war der größte Unterschied zur Woche davor: „Wir hatten Spaß.“ Schon die ganze Woche im Training hätten die Spieler rumgealbert, Trash-Talk gemacht und alles sei wesentlich entspannter gewesen. Das habe sich auch auf das Spiel übertragen. Schon zur Mitte des zweiten Viertels führten die Skyliners mit 34:17. Auch Neuzugang Matt Mobley fügte sich sofort gut ein und zeigte mit neun Punkten und drei Assists in 13 Minuten, dass er eine echte Verstärkung für die Hessen ist.

Allerdings hatten die Frankfurter Korbjäger auch immer wieder schwächere Phasen drin, ließen Gießen Mitte des dritten Viertels auf 45:48 rankommen, zogen dann wieder davon und erhöhten den Vorsprung auf 82:70, ehe es in der Schlussphase (84:80) noch einmal brenzlig wurde. „Da haben wir zu viele Korbleger zugelassen. Das geht nicht“, sagte Gleim. Dank der individuellen Klasse von Topscorer Jones, der in der Schlussphase neun Punkte in Folge erzielte und am Ende auf 23 Zähler kam, war der Sieg nicht mehr in Gefahr. „Wenn wir so weitermachen, können wir noch einige Spiele gewinnen“, sagte der 29-Jährige hoffnungsvoll.

Bemerkenswert waren insbesondere zwei Statistiken. Gleich 27 Assists verteilten die Skyliners, davon kamen alleine acht von Robertson und sieben von Jones. Und sie gewannen das Reboundduell mit 43:27 klar gegen die 46ers. Neben Kratzer überzeugte vor allem Shaquille Hines mit neun Rebounds. „Alle Starter haben wirklich gut gespielt“, lobte Gleim. Von der Bank kommend erzielte außer Mobley nur noch Marco Völler zwei Punkte. Akeem Vargas kam in sechs Minuten auf keinen Zähler, Matthew McQuaid durfte nicht einmal zwei Minuten ran und ist der erste leidtragende der Mobley-Verpflichtung, die nach dem Ausfall von Center Darius Carter nötig geworden war.

Auch gegen Rasta Vechta am Samstag dürften die Starter um Jones, Robertson, Hines, Kratzer und Joe Rahon vor allem gefordert sein. Alle spielten mehr als 30 Minuten in Gießen. Mobley dürfte dann auch ein paar mehr Minuten bekommen. Eigentlich sollte auch Richard Freudenberg nach seinem Ödem im Fußgelenk am heutigen Montag wieder ins Training einsteigen. Er liegt aber seit Freitag mit einer Bronchitis im Bett und muss Antibiotika nehmen. „Wenn du Pech hast, dann hast du halt nochmal Pech“, sagte Gleim, der in dieser Saison mit zahlreichen Verletzungssorgen zu kämpfen hat.

Für die Skyliners geht es jetzt darum, die gute Stimmung mit ins Spiel gegen den Tabellensechsten zu tragen. „Der Sieg war mental enorm wichtig“, sagte Jones. Da die Konkurrenten im Tabellenkeller, der Mitteldeutsche BC und die Hamburg Towers, am Wochenende wieder verloren haben und den letzten Platz unter sich ausmachen dürften, beträgt der Vorsprung auf die beiden nun sechs Punkte. Und der Sieg im Hessenderby ist Balsam auf die geschundene Fanseele – zumal es der zweite war und die Skyliners damit den direkten Vergleich für sich entschieden haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare