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Kommt zu spät: Richard Freudenberg (r.) gegen Assem Marei (links), Akeem Vargas bleibt nur die Zuschauerrolle. 

Frankfurt Skyliners

Skyliners am Limit

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Frankfurter Basketballer bekommen die Grenzen von Bamberg aufgezeigt. Zu allem Überfluss droht der Ausfall von Shaquille Hines.

Sebastian Gleim ist kein Typ, der Mitleid braucht, wenn es schlecht läuft und keine Schulterklopfer, wenn es gut läuft. „Ich habe von Anfang an gesagt, ich bin für den Klub da“, sagte der Cheftrainer der Frankfurt Skyliners. Der 35-Jährige wusste, auf was er sich einließ, als er im Juni vom Trainer der zweiten Mannschaft, die in der drittklassigen Pro B spielt, zum Chefcoach des Basketball-Bundesligisten aufstieg. Das von Gunnar Wöbke, dem geschäftsführenden Gesellschafter, vorgebenen Budget war arg limitiert. Also musste Gleim einen Kader zusammenstellen, der mit fünf Ausländern auf Kante genäht ist und Potenzial hat sich weiterzuentwickeln. Rückschläge einkalkuliert.

Der erste kam kurz vor dem Saisonstart, als sich Spielmacher Anthony Hickey verletzte, zwei Monate ausfiel und vergangene Woche den Klub verlassen musste, weil er trotz schlechter Leistungen feste Spielzeiten forderte. Am Samstag bei der klaren 72:87-Niederlage vor 5000 Zuschauern in der Ballsporthalle gegen Bamberg knickte Shaquille Hines in der ersten Halbzeit um, und droht nun ebenfalls auszufallen. „Das sah nicht gut aus“, sagte Gleim. Am Montag wird eine Kernspintomographie Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben.

„Gegen Bamberg brauchst du ziemlich viele weitere Spieler, um mitzuhalten. Wenn wir die Gegner hinter uns schlagen wollen, brauchen wir ein bis zwei Spieler“, sagte Gleim. Wahrscheinlich wird es aber nur einen geben, sollte Hines nicht länger ausfallen, weil finanziell nicht viel möglich ist. „Auch das Angebot ist klein. Es ist nicht Dezember, Januar oder Juni, Juli. Wir sind jetzt in einer Phase, wo sich die Teams finden“, erklärt Gleim.

In die Partie gegen Bamberg waren die Skyliners ganz gut reingekommen, doch irgendwann im zweiten Viertel kam der Bruch im Spiel, den die Gastgeber nicht mehr kitten konnten. Weil auf der anderen Seite ein Team stand, das in dieser Saison wieder richtig guten Basketball zeigt, den Ball sehr schnell laufen lässt und unheimlich intensiv spielt – und das mit einem tiefen Kader. Den Skyliners fehlt es schlicht an Qualität in der Rotation, um gegen solch ein Team mitzuhalten. „Unter allen Umständen, die wir haben, war dass das Maximum“, analysierte Gleim. Sei es der Ausfall von Hines oder dass sich Spielmacher Lamont Jones nach einem Schlag in den Magen im dritten Viertel zweimal übergeben musste.

Zudem kamen „zwei, drei mentale Knackpunkte“, so Gleim, hinzu: Zum einen ein fragwürdiges Offensivfoul gegen Akeem Vargas im zweiten Viertel beim Stand von 29:39. Dann traf Tre McLean im Schlussviertel einen Dreier zum 73:56 für Bamberg – allerdings war die Wurfuhr abgelaufen, wie man in der Wiederholung deutlich sehen konnte. Die Schiedsrichter schauten sich die Szene trotz einer Frankfurter Auszeit nicht an, obwohl sie die Möglichkeit dazu hatten. „Wir haben dreimal nachgefragt“, berichtet Gleim. „Uns wurde gesagt: Es steht nicht in den Regeln. Die Schiedsrichter waren ohnehin nicht besonders kommunikativ.“

Auch Vargas ärgerte sich über die Unparteiischen. „Ich würde gerne mal wissen, wann der Videobeweis eingesetzt wird. Das kann mir keiner erklären“, sagte der 29-Jährige, der sich im Schlussviertel ein „unnötiges“ (Gleim) unsportliches Foul leistete. Der dritte Knackpunkt aus Sicht seines Trainers.

Für Vargas war der Grund für die Niederlage, dass das Team „einfach zu soft“ spiele. Es müsse im Training mehr zur Sache gehen, damit es das auch im Spiel tue. „Angefangen mit mir und Quantez Robertson muss es mehr knallen. Wir müssen diejenigen sein, die die Linie vorgeben“, forderte Vargas, der auf 14 Punkte kam. Sebastian Gleim fand schon, dass sein Team „taff aufgetreten“ sei. Besonders froh war er über das Spiel von Matthew McQuaid, der Topscorer mit 19 Punkten wurde und jetzt richtig in der Bundesliga angekommen scheint.

In der Liga geht es für die Hessen erst in zwei Wochen in Crailsheim weiter. Und danach haben sie nochmal zwei Wochen Pause bis zum nächsten Heimspiel gegen Braunschweig (22. Dezember). „Das ist eine halbe Katastrophe“, sagte Gleim, der für Freitag (18.30 Uhr) ein öffentliches Testspiel gegen den Zweitligisten Trier angesetzt hat. Für die andere spielfreie Woche suchen die Skyliners noch einen Gegner, um im Rhythmus zu bleiben. Keine leichte Aufgabe, aber: „Der Trainer ist dafür da, wenn es schlecht läuft und nicht für die tollen Momente, wenn alle mit Applaus alles genießen“, sagte Gleim.

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