Beunruhigende Zurückhaltung

Skyliners-Trainer Murat Didin gibt sich nach der Pleite gegen Paderborn scheinbar gelassen

Von WOLFGANG HETTFLEISCH

Auf den ersten Blick schien es so, als nehme Murat Didin die 67:73-Heimniederlage der Skyliners gegen Paderborn nicht sonderlich tragisch. Der Gegner sei "am Ende einfach drangeblieben und hat sich den Sieg verdient", analysierte der Trainer des hessischen Basketball-Bundesligisten am Freitagabend äußerlich ruhig den ein bisschen unerwarteten Rückschlag auf der Jagd nach den Playoff-Plätzen.

Das Persönlichkeitsprofil des charismatischen 52-Jährigen hätte anderes erwarten lassen. Didin ist ein Mann der großen Gesten und Gefühle. Beides weiß er durchaus kalkuliert einzusetzen. Insofern war die vornehme Zurückhaltung des kommunikativen Basketball-Lehrers eine beunruhigende Botschaft für seine Spieler: Was im Schlussviertel gegen die keineswegs übermächtigen Gäste in der Ballsporthalle abgelaufen war, hatte dem Türken gar nicht gefallen. Saft-, kraft- und auch emotionslos ließen sich die Skyliners ein Spiel aus der Hand nehmen, das sie dank einer drei Spielviertel lang grundsoliden Defensive lange im Griff gehabt hatten.

Skyliners treten auf der Stelle

"Im Schlussviertel haben wir dann alles fahren lassen", ärgerte sich Didin. Dass seine Mannschaft den Heimvorteil nicht nutzen konnte, brachte den Coach in Harnisch. "Ein Heimspiel bedeutet mehr Intensität - und auch ein bisschen mehr Härte", krittelte Didin. Nach zwei Auswärtssiegen in Folge hatte er sein Team schon auf dem Weg in höhere Liga-Regionen gewähnt. So aber tritt der Tabellenelfte, der nicht zum ersten Mal die Chance verstreichen ließ, sich im Vorderfeld des Klassements festzubeißen, auf der Stelle.

Der zu blumigen Formulierungen neigende Didin drückte das so aus: "Es war ein sehr wichtiges Spiel, eine Art Halbfinale." Was wohl auch bei der leise und enttäuscht abziehenden Mehrheit der 4600 Zuschauer haften blieb, war der Eindruck, dass sich die Skyliners beim Versuch, den eigenen hohen Anspruch einzulösen, ganz gern selbst im Weg stehen.

Paderborns Coach Doug Spradley hatte nicht von ungefähr in der größeren Intensität und Entschlossenheit seines Teams nach der Halbzeitpause den Schlüssel zum Sieg gesehen, das womöglich auch von der Doppelbelastung des Gegners in Liga und Uleb-Cup profitierte. "Am Ende ist uns die Puste ausgegangen", sagte Skyliners-Spielmacher Pascal Roller.

Besonders deutlich wurde das bei der drastisch nachlassenden Trefferquote im Schlussviertel, das die Frankfurter mit 16:30 abgaben. Didin war dann auch bei aller Contenance erkennbar bedient: "Das muss man erst mal verdauen." Gelegenheit dazu besteht schon morgen im letzten Uleb-Cup-Heimspiel der auf europäischem Parkett sieglosen Frankfurter gegen Mariupol (19.30 Uhr).

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