marathon-1_120920
+
Jubelnd in Frankfurt ins Ziel: Katharina Steinruck im Jahr 2019.

Halbmarathon in Frankfurt

Flinke Füße hinter Gittern

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
    schließen

Die besten deutschen Langstreckenläufer tragen auf dem Frankfurter Messegelände am Sonntag einen Elite-Halbmarathon aus.

Es wird vor allem für Arne Gabius und Katharina Steinruck ein ungewohnter Anblick, wenn sich die deutschen Laufasse am Sonntagmorgen an der Frankfurter Messe in Bewegung setzen. Beide haben hier ihre besten Marathonleistungen erbracht: Gabius, 39, brach vor knapp fünf Jahren einen uralten Rekord der deutschen Leichtathletik (2:08:33); Steinruck, 30, finishte im vergangenen Jahr in persönlicher Bestzeit (2:27:26). Diesmal geht es nur auf die halbe Marathon-Distanz, 21,0975 Kilometer, und die Strecke führt auch nicht durch die Innenstadt, auf beiden Seiten des Mainufers zurück durch die Hochhausschluchten, sondern über sieben Runden um die Messehallen. Im Ziel wartet kein tosender Applaus von vollbesetzten Rängen in der Festhalle, sondern allenfalls ein bisschen Beifall an der frischen Luft.

Es ist ein Rennen in einer kurzfristigen Blase: Alle Eingänge zum Messegelände, geschützt von schweren Eisengittern, werden versperrt sein. Nur die Verschließbarkeit des weitläufigen Geländes garantiert die Genehmigung fürs Laufen auf dem drei Kilometer langen Rundkurs. Anders gehe es nicht, sagt Jo Schindler, Renndirektor in Frankfurt, der inzwischen eingesehen hat: Lauf-Veranstaltungen können nur mit „gebotener Vorsicht, besonderen Maßnahmen und etwas Kreativität“ ausgerichtet werden. Das mit den behördlichen Auflagen kompatible Elite-Halbmarathonrennen ist zugleich der offizielle Qualifikationslauf des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für die am 17. Oktober im polnischen Gdynia geplante Halbmarathon-Weltmeisterschaft.

Die Idee dafür kam übrigens von Christoph Kopp, dem langjährigen Sportlichen Leiter in Frankfurt. Beim Berliner Athleten-Manager scharrten die Profis immer ungeduldiger mit den Hufen, nachdem ein großes Event nach dem anderen abgesagt wurde: Darunter die Herbst-Highlights wie der Berlin Marathon, geplant am 27. September und der Frankfurt Marathon, vorgesehen am 25. Oktober. Fast ein Wunder, dass am 4. Oktober der London Marathon stattfinden soll; nur für die Topstars, die im St. James-Park abgeschirmt ihre Runden drehen. Zehntausende Läufer aus aller Welt können nur virtuell mitmachen.

Für das Elite-Rennen an der Themse bereitet sich Gabius (Therapie Reha Bottwartal) vor, der mit einer Bestzeit von 62:09 Minuten das Männerfeld anführt. Der deutsche Marathon-Meister Tom Gröschel (TC Fiko Rostock) muss unter 64 Minuten bleiben, um die WM-Norm zu knacken. Amanal Petros (TV Wattenscheid), der sich vor der Pandemie im Februar in Barcelona auf 62:18 Minuten verbesserte, will seine Nominierung bestätigen. Als Topfavoritin bei den Frauen startet Melat Kejata (Laufteam Kassel). Die gebürtige Äthiopierin hat die WM-Norm genau wie die Olympia-Norm beim Marathon bereits locker unterboten.

Aber vielleicht geht es diesmal gar nicht so sehr um Zeiten, sondern um das Erlebnis. „Ich danke den Organisatoren, dass ich sogar in meiner Heimatstadt starten kann. Damit hatte ich bis vor kurzem nicht gerechnet“, gibt die für LG Eintracht Frankfurt startende Steinruck zu. Das rund 40-köpfige Teilnehmerfeld besteht bis auf zwei Ausnahmen nur aus deutschen Läufern. Schindler, ein passionierter Läufer, weiß, dass mit der Vorauswahl auf einen kleinen Kreis der eigentliche Sportsgeist seines Lieblingssports konterkariert wird, wo sonst der schnellste Profi mit dem langsamsten Freizeitläufer unterwegs ist. Es sei „ein bitterer Beigeschmack“ dabei gewesen, gibt der 60-Jährige zu.

Schindler verdient kein Geld

Irgendwann setzte sich die Erkenntnis durch, lieber so etwas auf die Beine zu stellen, denn als Veranstalter weiter die Füße still zu halten. All die Überlegungen, wie ein Hygienekonzept denn für einen Marathon umgesetzt werden kann, waren eben doch nicht umsonst. Geld, das betont der gebürtige Regensburger ausdrücklich, verdient seine Agentur mit der Ausrichtung keines. Im Gegenteil. Ohne die Unterstützung der Stadt Frankfurt, des Landes Hessen und der Messe wäre es gar nicht möglich gewesen. Schindler hofft jetzt auf eine „schöne Bühne“, nach der sich hoffentlich der eine oder andere Athlet daran erinnert, wer das ermöglicht hat.“ Wenn sein Kompagnon Kopp also mal wieder um die schnellsten deutschen Männer und Frauen auf den klassischen 42,195 Kilometer buhlt, sollen sie bitte Frankfurt und nicht Hamburg, Düsseldorf, Köln oder Berlin die Zusage erteilen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare