Berlin

„Die Finals“: Mini-Olympia in der Hauptstadt

Das neue Multi-Event mit zehn deutschen Meisterschaften in Berlin sorgt für Vorfreude.

Die meisten Athleten sind voller Vorfreude, Bundesinnenminister spricht von einer „großartigen Idee“ und Berlins Sportsenator Andreas Geisel denkt schon über Olympische Spiele nach: Das neue Multi-Event „Die Finals“ mit deutschen Meisterschaften in zehn Sportarten am Wochenende in Berlin weckt im Vorfeld große Erwartungen.

„Die Veranstaltung hat schon ein Stück Olympia. Man ist Teil des Ganzen. Das wird die Athleten zu guten Leistungen motivieren“, sagte Thomas Kurschilgen, Direktor Leistungssport im Deutschen Schwimmverband (DSV). Nur eine Woche nach der erfolgreichen WM in Gwangju/Südkorea gehen die deutschen Schwimmer mit Doppelweltmeister Florian Wellbrock wieder ins Becken. Für beide Tage sind sämtliche Eintrittskarten verkauft.

Auch die Bahnradfahrer sind begeistert. „Wir sind mit dem Bahnradsport in den letzten Jahres etwas von der Bildfläche verschwunden, doch durch diese DM ist das Medieninteresse plötzlich wieder da“, sagte Günter Schabel, Vize-Präsident im Bund Deutscher Radfahrer (BDR).

Auch viele Athleten sind euphorisch. „Es wird hoffentlich einen leicht olympischen Charakter geben, wenn so viele Sportarten kompakt an einem Ort stattfinden“, meinte Kanute Ronald Rauhe. Speerwurf-Europameister Thomas Röhler sagte dem Format eine große Zukunft voraus: „Das ist ein total spannendes Konzept, was wir da erleben.“

Doch in der Leichtathletik gab es auch kritische Stimmen. Einige Sportler befürchten, dass das riesige Olympiastadion mit einem Fassungsvermögen von über 70 000 Besuchern nicht mal zur Hälfte gefüllt sein wird. „Ich habe das Olympiastadion noch nie voll erlebt – außer beim Helene Fischer-Konzert“, sagte Diskus-Olympiasieger Christoph Harting.

Dennoch gilt die Leichtathletik als Zugpferd für das Multi-Event. Insgesamt werden am Wochenende 3300 Sportler starten, an acht Sportstätten fallen 202 Entscheidungen. Beteiligte Sportarten sind neben der Leichtathletik, dem Schwimmen und dem Bahnradsport noch Turnen, Boxen, Kanu, Triathlon, Moderner Fünfkampf, Trialfahren und Bogenschießen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer lobte das neue Multi-Event in höchsten Tönen. „Ich halte diese neue Veranstaltungsform für eine großartige Idee und für einen Glücksfall für Sportarten, die zu Unrecht sonst nur selten im Mittelpunkt des Interesses stehen“, teilte der CSU-Politiker mit.

TV-Aufwand ist immens

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender haben keine Mühen und Kosten gescheut. 20 Stunden Sport übertragen ARD und ZDF live. Am Samstag beginnt das Erste um 10 Uhr, das Zweite einen Tag später um 10.15 Uhr. Dazu sind die Wettkämpfe online einzeln im Livestream abrufbar.

„Wir müssen alles selbst produzieren. Der Aufwand ist für uns ähnlich wie bei Olympia oder bei Fußball-Großevents“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. „Dieses Event ist etwas ganz Spezielles, weil wir keinen Veranstalter haben“, sagte ZDF-Projektleiter Achim Hammer.

Berlins für den Sport zuständiger Innensenator Andreas Geisel lobte die gute Organisation und dachte sogar schon laut über die Ausrichtung von Olympischen Spielen in Berlin nach. „Wir können Großveranstaltungen, und das schließt das nicht aus“, sagte Geisel. Eine Bewerbung Berlins wollte der SPD-Mann aber nicht auf den Weg bringen. Nur eine „nationale Bewerbung“, hinter der das ganze Land steht, mache Sinn, so Geisel. (sid)

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