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Eklat um „One Love“-Binde: Die Bedeutung bei der WM 2022 in Katar

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Von: Richard Strobl

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Die FIFA hat das Aus für die „One Love“-Kapitänsbinde bei der WM in Katar besiegelt: Was das bedeutet.

Frankfurt – „Bei FIFA-Endrunden muss der Kapitän jedes Teams die von der FIFA bereitgestellte Kapitänsbinde tragen.“ Dieser Satz aus Artikel 13.8.1 des FIFA-Ausrüstungsreglements sorgt aktuell für Furore. Denn mit diesem begründet die FIFA ihr Recht, das Tragen der „One Love“-Kapitänsbinde bei der Fußball-WM 2022 in Katar praktisch zu verbieten. Von einem „einmaligen“ Vorgang sprach daraufhin der niederländische Verband KNVB.

Die Vorgeschichte: Mit der sogenannten „One Love“-Binde wollten neben dem DFB ursprünglich sieben weitere Teams bei der WM auflaufen. Auf der Binde ist ein Herz in bunten Regenbogenfarben zu sehen, sowie der Slogan One Love zu lesen. Die Aktion stammt ursprünglich vom niederländischen Verband und war schon im September angekündigt worden. Auch Schweden und Norwegen wollten teilnehmen, qualifizierten sich aber nicht für die WM.

Verbände, die bei der WM die „One Love“-Kapitänsbinde tragen wollten

Deutschland

England

Die Niederlande

Belgien

Schweiz

Wales

Frankreich (Kapitän Hugo Lloris hatte frühzeitig angekündigt, die Binde nicht zu tragen)

Dänemark

Norwegen (nicht qualifiziert)

Schweden (nicht qualifiziert)

„One Love“-Binde: Bedeutung der Aktion bei der WM in Katar

Die Bedeutung: Die „One Love“-Binde steht für Vielfalt, Offenheit und Toleranz. Damit wollten die Verbände ein Statement gegen Homophobie, Antisemitismus und Rassismus setzen. Zudem sollte es ein Zeichen für Menschenrechte und Frauenrechte sein.

Manuel Neuer mit der „One Love“-Kapitänsbinde. Diese wird er bei der WM in Katar wohl nicht tragen. (Archivbild)
Manuel Neuer mit der „One Love“-Kapitänsbinde. Diese wird er bei der WM in Katar wohl nicht tragen. (Archivfoto) © IMAGO/ULMER/Markus Ulmer/Teamfoto

In gleich mehreren dieser Bereiche hatte es im Vorfeld der WM in Katar große Diskussionen gegeben. So gab es massenhaft Berichte über menschenrechtlich unhaltbare Zustände der Wanderarbeiterinnen und -arbeiter, die die Stadien der WM bauten. Zudem hatten zahlreiche Fan- und Menschenrechtsorganisationen die Haltung Katars gegenüber der LGBTQ+-Gemeinde kritisiert. Für Aufsehen sorgten die Worte des offiziellen Botschafters des WM-Organisationskomitees Khalid Salman: Im ZDF-Interview nannte er Schwulsein „haram“, also „verboten“, und nannte diese Form der Sexualität einen „geistigen Schaden“.

Insofern kann davon ausgegangen werden, dass die „One Love“-Botschaft nicht unbedingt auf positiven Beifall in Katar getroffen war. Doch nach Angaben von DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte die FIFA bis kurz vor der WM nicht auf die Ankündigung der Kampagne reagiert.

Bedeutung des „One Love“-Eklats: FIFA stellt eigene Binde vor

Dann die Kehrtwende: Die FIFA hatte erst am Freitag eigene neue Kapitänsbinden vorgestellt – zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel. „Die teilnehmenden Mannschaften erhalten während der Spiele über die Armbinden der Mannschaftskapitäne die Möglichkeit, Botschaften zu übermitteln“, teilte der Weltverband mit. Auf den FIFA-Binden sollen gesellschaftliche Kampagnen vorgestellt werden, die in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen entstanden seien.

Ausdrücklich heißt es in der Mitteilung: „Die FIFA ist eine integrative Organisation und unterstützt alle legitimen Anliegen wie ‚One Love‘“. Aber: „Dies muss im Rahmen der allen bekannten Wettbewerbsregeln geschehen.“

Wie heikel die Entscheidung ist, zeigt auch ein Statement von FIFA-Präsident Gianni Infantino in der gleichen FIFA-Mitteilung. Darin bekräftigte er seine Unterstützung der LGBTQI+-Community während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. „Ich habe mit der höchsten Führung des Landes über dieses Thema gesprochen“, sagte der FIFA-Präsident. „Sie haben bestätigt, und ich kann bestätigen, dass jeder willkommen ist. Wenn jemand das Gegenteil sagt, dann ist das nicht die Meinung des Landes und schon gar nicht die Meinung der FIFA.“

Bedeutung des „One Love“-Eklats: FIFA droht mit „einmaligen“ Sanktionen

Zurück zu Artikel 13.8.1 des FIFA-Ausrüstungsreglements: Dieser war den Verbänden selbstverständlich im Vorfeld bekannt. Auch, dass die FIFA wohl eine Geldstrafe für die Aktion aussprechen würde, war absehbar. Diese hätte man wohl in Kauf genommen. Neu ist allerdings, dass die FIFA nun sportliche Sanktionen für das Tragen der Binde ergreifen will. Dies habe die FIFA „sehr deutlich gemacht“, teilten die sieben verbliebenen „One Love“-Verbände mit. So könnte etwa DFB-Kapitän Manuel Neuer für die „One Love“-Binde schon zum Anpfiff direkt eine Gelbe Karte bekommen.

Reaktionen der Verbände auf das FIFA-Machtwort

„Dass die FIFA uns auf dem Platz bestrafen will, ist einmalig und geht gegen den Geist des Sports, der Millionen verbindet“, hieß es vom niederländischen Verband KNVB. „Wir stehen zur „One Love“-Botschaft und werden diese weiter verbreiten, aber unsere oberste Priorität ist es, Spiele zu gewinnen. Da möchte man nicht, dass der Kapitän das Spiel mit einer Gelben Karte beginnt.“

„Wir waren bereit gewesen, Strafen zu zahlen, was normalerweise bei Verstößen gegen Kleider-Regularien der Fall wäre. Dennoch konnten wir unsere Spieler nicht in eine Situation bringen, in der sie eine Gelbe Karte bekommen könnten oder gar gezwungen werden, das Spielfeld zu verlassen“, hieß es in der von der englischen FA verbreiteten gemeinsamen Stellungnahme.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte bereits am Sonntag von Meinungsverschiedenheiten mit der FIFA gesprochen, aber noch geäußert: „Wir haben gesagt, wir bleiben dabei, dass wir mit der Binde auflaufen. [...] Wir haben mit langem Vorlauf die FIFA immer wieder darauf hingewiesen, dass wir mit dieser Binde auflaufen wollen, es gab keine Reaktion der FIFA dazu.“

Nach Beratungen der Arbeitsgruppe der Europäischen Fußball-Union UEFA mit dem Fußball-Weltverband entschieden die beteiligten UEFA-Nationen, dann am Montag das Risiko einer möglichen Gelben Karte oder anderer sportlicher Sanktionen während der WM in Katar nicht einzugehen. Heißt: Die „One Love“-Binde wird nicht getragen. (rjs)

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