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Der bislang letzte Titel des 1. FFC Frankfurt: Die damalige Kapitänin Marith Prießen 2015 mit der Champions-League-Trophäe.

Women’s Champions League

Groß gedacht

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Eine zentral vermarktete Gruppenphase soll die Champions League der Frauen aufwerten. FFC-Macher Siegfried Dietrich glaubt: „Das wertet die Frauen-Bundesliga deutlich auf.“

Der Beschluss vom Exekutivkomitee der europäischen Dachorganisation Uefa für den Frauenfußball wirkte ebenso überfällig wie logisch: Ab der Saison 2021/22 wird für die Women’s Champions League eine Gruppenphase mit 16 Mannschaften eingeführt. Mit Hin- und Rückspielen, anschließend Viertelfinale und Halbfinale. Vorgeschaltet wird eine erste Qualifikationsphase (in Vierergruppen) und eine zweite Phase mit einer Playoff-Runde. Bisher war der gesamte Wettbewerb in einer K.o.-Phase ausgespielt worden.

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin spricht von einer „Wende für den Frauenfußball“, endlich erhalte der prestigeträchtigste Vereinswettbewerb auch bei den Frauen „die Plattform und Sicherheit, die er verdient.“ Strategisches Ziel ist es, über eine Zentralvermarktung die Zuschauerzahlen und den kommerziellen Wert der Women’s Champions League in fünf Jahren zu verdoppeln. Die Erhöhung der Sichtbarkeit bei der Medienpräsenz ist allerdings auch dringend nötig.

DFB-Direktorin Heike Ullrich, lange auf internationaler Ebene aktiv, begrüßte auf FR-Anfrage die Reform: „Wir bewerten diese Entwicklung positiv. Sie ist ein bedeutender Schritt zur weiteren Stärkung des wichtigsten Klubwettbewerbs. Gleichzeitig auch eine Herausforderung für die Vereine.“ Für die Frauen-Bundesliga, aus der bislang immer nur Meister und Vizemeister direkt für die K.o.-Phase qualifiziert waren, öffnet sich die Tür für einen dritten Teilnehmer, sofern Deutschland weiter unter den Top-Sechs-Nationen steht.

Aber: Nur die Meister der drei besten Verbände qualifizieren sich direkt für die Gruppenphase. „Auf einen dritten Teilnehmer haben wir vor Jahren immer wieder hingewiesen“, sagt Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt und Vorsitzender des Ausschusses Frauen-Bundesligen. „Die Ligen werden interessanter. Das wertet die Frauen-Bundesliga deutlich auf und sorgt auch international für mehr Wettbewerb in der Breite.“

Konkret eröffnen sich neue Perspektiven für den 1. FFC Frankfurt, der am 11. Dezember auf der Mitgliederversammlung die Weichen für den Zusammenschluss mit Eintracht Frankfurt stellen will. Pünktlich zur Saison 2020/2021 könnten Frankfurts Fußballerinnen dann mit dem Adler-Logo nach einem solchen Startplatz trachten. Wovon die Eintracht-Männer noch träumen, könnten für die Frauen rasch Wirklichkeit werden. „Das macht es doppelt interessant“, sagt Dietrich, „und es gibt uns eine große Motivation, sich für die Champions League zu qualifizieren.“

Neue Ziele für Frankfurt

Der deutsche Rekordmeister hatte 2015 das vierte Mal diesen Wettbewerb gewonnen und ist danach von der internationalen Bildfläche verschwunden, weil Wolfsburg und Bayern die Startplätze zuletzt fast gepachtet hatten. Auch traditionelle Frauenvereine wie Turbine Potsdam, wo der FFC am Samstag (13 Uhr/ARD one und sportschau.de) zum Klassiker antritt, oder ambitionierte Ausbildungsklubs wie das gerade auf Platz zwei geführte Überraschungsteam der TSG Hoffenheim oder der SC Freiburg sollten vom neuen Anreiz profitieren.

Macher Dietrich glaubt, dass „sich die Bereitschaft zum Investment in den Frauenfußball verstärkt“. Die Kehrseite der Medaille bei deutlich mehr internationalen Spielen unter der Woche ist allerdings, dass die betroffenen Spielerinnen kaum noch einen anderen Beruf ausüben können. Die oft geforderte Professionalisierung der bislang noch häufig mit der dualen Karriere beschäftigten Spielerinnen wird damit zwangsweise vorangetrieben. Im nächsten Schritt dürften diese auch eine entsprechende Entlohnung verlangen, wenn der Fußball ihr alleiniges Standbein bildet. 

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