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Streitbare Schlüsselspielerin

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Von: Paul Schönwetter

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Jackie Groenen steht auf dem Wunschzettel von europäischen Topklubs.
Jackie Groenen steht auf dem Wunschzettel von europäischen Topklubs. © afp

Europameisterin Jackie Groenen vom 1. FFC Frankfurt steht nicht nur sportlich im Blickpunkt.

Zwei Stadtpläne hängen als Poster über dem Bett von Jackie Groenen: Eines von der niederländischen Stadt Tilburg, wo ihre Familie lebt, und eines von Frankfurt, wo die 23-Jährige für den 1. FFC Frankfurt in der Frauen-Bundesliga spielt. Dabei ist sie nur selten zu Hause, sondern hetzt von Termin zu Termin. Ob Werbeshootings, Interviews, Lernen fürs Jura-Studium oder das soziales Engagement der ehemaligen Judoka für die niederländische Zerebralparese-Nationalmannschaft – „es ist ziemlich hektisch, ich habe aber gelernt, die Zeit einzuteilen.“ Seitdem Groenen Europameisterin ist, steht sie im Fokus und nutzt entsprechende Privilegien; nach Länderspielen zum Beispiel darf sie später beim Training erscheinen.

Doch nicht nur bei ihr, sondern auch im niederländischen Frauenfußball hat sich nach dem EM-Titel einiges geändert: Die Heimspiele sind in wenigen Tagen ausverkauft, zuletzt kamen 30 000 Zuschauer zum WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland, erstmals verkauft der Verband KNVB Tickets für Auswärtsspiele. „In den Niederlanden diskutiert man, ob das Heerenveen-Stadion mit 26 100 Plätzen zu klein ist“, sagt Groenen. Früher habe sie davon geträumt, vor so vielen Zuschauern zu spielen und nahm sich männliche Fußballer zum Vorbild: „Jetzt bekomme ich viele Briefe von Mädels und habe selbst eine Vorbildfunktion“, erzählt sie. Unerkannt können die Spielerinnen nicht mehr auf die Straße gehen.

Doch die Erwartungen an Groenen nach ihrer starken EM waren überhöht: In der Presse wird sie schon mal als „ungekrönte Pirouettenkönigin“ bezeichnet, von Fans auf der Webseite des „FF Magazins“ wurde sie zur bislang sportlich größten Enttäuschung dieser Saison gewählt. Doch eine nahezu perfekt harmonierende Nationalmannschaft ist mit dem FFC nicht zu vergleichen, wie sie selbst sagt: „Beide spielen einen anderen Fußball und ich kann bei der Nationalmannschaft andere Sachen machen als hier.“ Druck nach der erfolgreichen Heim-EM habe sie sich selbst gemacht, aber keinen von außen verspürt. „Es gehört als Führungsspielerin dazu, stärker im Fokus zu sein und kritisiert zu werden.“

Trotz allem ist Groenen einer der wichtigsten Spielerinnen im Team, ist die sportliche Schlüsselfigur im FFC- Mittelfeld. Sechs Tore in der Liga, dazu drei Vorlagen können sich sehen lassen, „auch wenn ich mir zehn Tore als Ziel gesetzt habe“. Selbstkritisch räumt sie ein, „etwas naiv gewesen zu sein und unterschätzt zu haben, wie es ist, wegen der EM ohne Pause durchzuspielen“.

So steht der selbstbewusste Star nicht nur im Fokus der Öffentlichkeit, sondern auch auf der Wunschliste großer Vereine. Auch wenn die Vereinsverantwortlichen nicht müde werden, zu betonen, Groenen bis zum Vertragsende 2019 halten zu wollen, dürften europäische Topklubs wie der VfL Wolfsburg – kommender Gegner am Sonntag (11 Uhr) – interessiert sein. Dafür müsste ein Verein viel Geld in die Hand nehmen – eine Ablöse, die höher als die 115 000 Euro für Mandy Islacker ausfiele, wäre nicht ausgeschlossen.

„Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne wieder Champions League spielen würde. Meine Hoffnung ist aber immer noch, die Qualifikation nächste Saison mit Frankfurt zu schaffen“, sagt sie, „ich kann mir vorstellen, hier zu bleiben, ich fühle mich wohl.“ Dem Verein verdanke sie viel: „Ich habe mich hier entwickeln dürfen. Es ist nicht so einfach, jetzt zu wechseln. Aber natürlich ist Fußball nicht nur eine Herzsache, sondern auch eine Kopfsache.“ Im September erscheint ein Kinderbuch von Groenen über ihre fußballerischen Anfänge – die Frage ist nur, ob sie dann als Buchautorin noch FFC-Spielerin ist.

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