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Blick auf den Ball: Laura Freigang (links) im Spiel gegen Turbine Potsdam. 

FFC Frankfurt

Schussel mit goldener Zukunft

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Laura Freigang ist mit 21 schon eine prägende Figur des Angriffs beim 1. FFC Frankfurt - trotz chaotischer Veranlagung.

Chaotin“ – so würden die Teamkolleginnen es auf den Punkt bringen, sollten sie Laura Freigang mit einem Wort beschreiben müssen. Das vermutet zumindest die 21-Jährige selbst. Denn wenn irgendjemand aus der Mannschaft des Frauenfußball-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt irgendwo etwas vergisst, ist es die Stürmerin. Sie selbst glaubt, es liegt in ihrer Künstlernatur begründet, der kreativen Ader, über die Freigang verfügt und die sie gerne in den sozialen Medien auslebt. Schlimm sei die „Schusseligkeit“ nicht. Wenn sie auf dem Platz steht, dann weiß die zielstrebige Sportlerin ganz genau, woran sie zu denken hat.

In ihrem ersten Jahr am Brentanobad trug sich die vormalige US-Sportstipendiatin mit zehn Treffern und damit gemeinsam mit Namensvetterin Feiersinger auf der Spitzenposition in der klubeigenen Torjägerinnenliste ein. Dabei musste sie sich damals an viel Neues gewöhnen: an die Liga, ihre Mit- und Gegenspielerinnen, aber auch daran, im ersten Eigenheim auf sich allein gestellt zu sein. Im Umfeld des FFC half Freigang eine, die ihr jetzt nicht mehr zur Seite steht: Marith Müller-Prießen teilte sich auf Auswärtsfahrten das Zimmer mit der sieben Jahre jüngeren Kollegin. Ein bisschen „wie Mama“ sei die Kapitänin zu ihr gewesen, „ein Ruhepol“ für eine, die nicht nur auf dem Feld sehr lebhaft ist. „Wir alle vermissen sie“, sagt Freigang mit Blick auf die im Sommer nach Paris Abgewanderte. Doch die neue Führungskraft Tanja Pawollek sei „von allen akzeptiert“.

Auf Abruf für Nationalteam

Verantwortung übernimmt Freigang aber auch selbst. Das Talent, das seit 2013 alle U-Nationalmannschaften durchlief und beim FFC einen Vertrag bis 2021 besitzt, gilt nicht nur im eigenen Verein als typische Vertreterin einer vielversprechenden Generation. Seit ihrem altersbedingten Abschied aus der U 20 nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM in Frankreich 2018 hat Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die gebürtige Kielerin auf der Liste. Zu Jahresbeginn durfte Freigang gemeinsam mit Pawollek und der im Sommer nach Frankfurt geholten Sjoeke Nüsken im Trainingslager der A-Nationalmannschaft in Marbella vorspielen. In dieser Woche teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit, dass sie wie FFC-Defensivkraft Sophia Kleinherne auf Abruf für die EM-Qualifikationsspiele gegen Montenegro in Kassel am 31. August und gegen die Ukraine in Lwiw am 3. September steht. Offenbar hatte Voss-Tecklenburg gefallen, was sie am Freitag beim 3:2 der Frankfurterinnen gegen Turbine Potsdam zum Ligaauftakt sah. Freigang war per Kopfball der Treffer zum 2:1 gelungen, zuvor hatte sie den Elfmeter zum 1:0 durch Feiersinger eingeleitet, als sie bei einem Alleingang Richtung Tor nur durch einen Rempler zu stoppen war.

„Das ist eine schöne Rückmeldung“, kommentiert die Spielerin das Signal von der Bundesebene. Doch der Traum von einer Premiere in der A-Nationalmannschaft soll die Sportstudentin nicht von dem ablenken, was bereits Realität ist. Beim Gastspiel am heutigen Freitag in München (19.15 Uhr/Eurosport) wollen die Frankfurterinnen nachlegen. Schon in der vergangenen Saison hatten sie an der Grünwalder Straße einen mutigen Auftritt hingelegt, aber trotzdem den Kürzeren gezogen. Jetzt, mit neuem Selbstbewusstsein ausgerüstet, könnte beim Vorjahreszweiten für den damaligen Fünften „mehr drin sein“, sagt Freigang. „Unser Sturm ist der gleiche geblieben“, habe sich seitdem jedoch wie das Team insgesamt weiterentwickelt.

Zur Unterstützung wurde der Kader für die Partie auf dem Weg nach Bayern erstmals auch von denen begleitet, die ihm diesmal nicht angehören. Der Bus war bis auf den letzten Platz besetzt, die Laune bestens. „Das zeigt“, sagte Freigang, „wie gut der Zusammenhalt bei uns ist.“

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