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Siegfried Dietrich ist 1992 eingestiegen, um den Frauenfußball in Frankfurt auf ein neues Niveau zu heben.

1. FFC Frankfurt

Der rastlose Macher

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  • Paul Schönwetter
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Siegfried Dietrich fördert seit einem Vierteljahrhundert mit dem 1. FFC Frankfurt den Frauenfußball und feiert seinen 60. Geburtstag.

Die Absenz war ihm fast peinlich. Weil es eigentlich gegen sein Selbstverständnis und auch sein Selbstbild verstößt. Dass Siegfried Dietrich vor einer Woche nicht im Cardiff City Stadium weilte, wo doch gerade die lange von ihm betreute Nationalmannschaftskapitän Dzsenifer Marozsan mit Olympique Lyon in einem innerfranzösischen Finale um ihre zweite Krönung in der weiblichen Königsklasse kämpfte, hat er bedauert. Weil es sich für einen Mann nicht gehört, der im Grunde das ganze Jahr dafür kämpft, dass der Frauenfußball auf solchen Bühnen auftritt. Reinhard Grindel, der DFB-Präsident, oder Aleksandar Ceferin, der Uefa-Boss, waren auf der Ehrentribüne. Dietrich ausnahmsweise nicht.

Und so hat er nicht gesehen, wie das Lyoner Starensemble seinen vierten Sieg in der Women’s Champions League feierte. Und mit dem 1. FFC Frankfurt gleichzog. Noch 2015 hatte der Frauen-Bundesligist in Berlin selbst gegen Paris St. Germain triumphiert, und Dietrich stand als Strahlemann mal wieder auf der Sonnenseite. Es sind Momente wie diese, denen er mit seiner Agentur Sidi-Sportmanagement aus dem Frankfurter Stadtteil Heddernheim sein berufliches Wirken gewidmet hat, nachdem er zuvor als ausgebildeter Sportpyhsiotherapeut Eiskunstlauf- und Tennisstars, darunter Gabriela Sabatini und Boris Becker, betreut hatte.

Der in Marburg geborene Sohn des Theologen Wolfgang Dietrich hatte seine ersten Berührungspunkte vor 25 Jahren, als er die Spielerinnen der SG Praunheim, dem FFC-Vorgängerverein, zu einer Eiskunstlauf-Gala einlud. Der Gegenbesuch ließ nicht lange warten. Außer ihm kamen damals schon 2500 Zuschauer zu einem Bundesligaspiel gegen den FC Bayern, und dem Gast fielen vor allem die fehlenden Werbebanden auf. Und so witterte der Event-Organisator früh das Vermarktungspotenzial dieser Sportart.
 

Dietrich baute ein teils bis heute bestehendes Netzwerk auf und zog mit dem 1998 entstandenen 1. FFC Frankfurt ins Stadion am Brentanobad um, das die Stadt inzwischen – auch auf Dietrichs Drängen – für einen Millionenaufwand modernisiert hat. Sein Verein hat über Jahre den nationalen, aber auch internationalen Frauenfußball geprägt, ja sogar beherrscht. „Aus einer einzigen Bande sind über die Jahre vier Europapokalsiege geworden“, sagt der rastlose Überzeugungstäter rückblickend, der auf seine Art oft genug polarisiert hat. Die Scharmützel mit Gegenspieler Bernd Schröder (Turbine Potsdam) lieferten nicht nur eine Schlagzeile. Dietrich bedient viele Facetten: als Macher und Mahner, als Förderer und Ideengeber, wie in seiner langjährigen Funktion als Liga-Sprecher.


Die vergangene Bundesliga-Saison schloss der 1. FFC Frankfurt auf Rang fünf ab, historisch gesehen noch nie so schlecht wie seit der Gründung. Auch wenn Dietrich weiß, dass dies nach einer Epoche um Stars wie Birgit Prinz, Steffi Jones, Doris Fitschen, Nia Künzer, Sandra Smisek oder eben Marozsán dem Leistungsstand des aktuellen Teams entspricht, will er sich nicht damit abfinden.

So wie er in einem Vierteljahrhundert mit insgesamt 20 Titeln erfolgreich mitgestaltet hat, muss er nun neue Strategien finden, um den FFC im Wettbewerb mit den finanzstärkeren Männerlizenzvereinen zu positionieren. „Nur zu gerne würden wir in unserer neuen Orientierung so bald wie möglich auch wieder weiter oben anklopfen.“

Am Samstag feiert Dietrich seinen 60. Geburtstag. Erst einmal nur im engen Familienkreis mit seinem 92 Jahre alten Vater an dessen Alterssitz in Bad Mergentheim. Im August werde er aber eine Geburtstagsfeier an einem Ort, der den Erfolgen des FFC angemessen ist, mit Mannschaft, Weggefährten, Sponsoren und Medien nachholen, wie er der FR verriet.

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