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Starkes Debüt; Sophia Kleinherne (links) vom 1. FFC Frankfurt behauptet sich gegen die Engländerin Georgia Stanway.

Fußball-Nationalelf

Das perfekte Paket

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Sophia Kleinherne ist nach langer Abstinenz wieder die erste deutsche Nationalspielerin vom 1. FFC Frankfurt.

Natürlich hatte Sophia Kleinherne am Montag der Schulalltag schnell wieder eingeholt. Fehlstunden hatte die Fußballerin des 1. FFC Frankfurt in der vergangenen Woche an der Carl-von-Weinberg-Schule schon genug angehäuft, da kann ein Debüt für das deutsche Frauen-Nationalteam beim 2:1.Sieg in England nicht die Absenz verlängern. Trotzdem hat ihr Vereinstrainer Niko Arnautis, der zugleich auch als ihr Lehrertrainer Fußball fungiert, den Ereignissen insofern Rechnung getragen, dass er die Neu-Nationalspielerin am Montag vom Teamtraining befreite. Ein Auftritt vor 77 786 Augenzeugen im Londoner Wembleystadion und in der Spitze 400 000 Fernsehzuschauern bei Eurosport muss erst einmal verarbeitet werden. Die 19-Jährige solle „ein, zwei Tage runterkommen“, so Arnautis.

Kurze Nacht in London

Kleinherne hatte in der Nacht nach dem Debüt in London kaum ein Auge zugemacht. Verständlich. Die Frankfurter Defensivspezialistin war der Überraschungsgast in der Startelf. Und weil Kleinherne ihre Aufgabe als Linksverteidigerin gleich so vorzüglich erledigte, durfte sie durchspielen. So wie sie sich beim Teamfoto neben Starspielerin Dzsenifer Marozsan aufstellte, mischte sie auch auf dem heiligen Rasen mit. Immer anspielbereit, oft präsent. Zwar mit einigen Schwächen nach hinten, aber mit viel Drang nach vorne.

„Ein paar Probleme im Stellungsspiel und bei den Laufwegen“ sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, „aber sie hat das mutig nach vorne verteidigt – kann man so machen.“ Die 51-Jährige hatte sich in den Trainingstagen in Tegelen an der deutsch-niederländischen Grenze von der vielseitigen Frankfurterin überzeugen lassen, die in Jugendzeiten als Stürmerin unterwegs war und in dieser Saison beim FFC als Innenverteidigerin gesetzt ist. Einen Tag vor dem besonderen Match, vor dem selbst erfahrenen Akteuren so aufgeregt schienen wie Kinder vor der Bescherung, kam die Kunde, dass Kleinherne spielen sollte.

„Ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe jede Sekunden genossen“, sagte die deutsche Nummer zwei. „Natürlich hat mich das vollkommen überrascht, aber das Nationalteam ist das Ziel von jedem Mädchen, das Fußball spielt.“ Spätestens nach einem anfänglichen Zusammenprall mit der englischen Weltklassespielerin Lucy Bronze wusste die Debütantin, dass auf dieser Bühne andere Bandagen gefragt sein würden, „aber wenn man nach oben will, muss man gegen solche Spielerinnen mithalten“.

Es ist genau diese Mischung aus Demut und Ehrgeiz, die Arnautis an seiner Musterschülerin schätzt. „Sie bietet das perfekte Paket.“ Beim 1. FFC Frankfurt hat sie Stück für Stück mehr Verantwortung bekommen; vergangenen Sommer bedeutete die U19-EM ein „weiteres Etappenziel“, wie die in Telgte im Münsterland geborene Kleinherne sagt, die in Schottland die Kapitänsbinde trug. Am Samstag (13 Uhr) im DFB-Pokalheimspiel gegen Bayer Leverkusen soll sie wieder als Abwehrchefin eine Führungsrolle im Verein ausfüllen. Als Eigengewächs mit Vorbildcharakter für die anderen aufstrebenden Talente, ob sie nun Tanja Pawollek, Laura Freigang, Shekiera Martinez oder Sjoeke Nüsken heißen.

Es ist nicht so lange her, da verfolgte der Rekordmeister im deutschen Frauenfußball eine andere Philosophie. Andere Klubs bildeten aus, der Frankfurter Manager Siegfried Dietrich kaufte ein: Für den geschäftstüchtigen Investor konnten im Grunde gar nicht genug gestandene deutsche Nationalspielerinnen im Stadion am Brentanobad spielen. Noch beim EM-Gewinn 2013 umfasste der Kader der DFB-Frauen acht FFC-Akteurinnen. Doch dieser Anteil schrumpfte von Jahr zu Jahr, und als nacheinander Mandy Islacker (2017) und Kathrin Hendrich (2018) Richtung FC Bayern den Verein verließen, hatte der Standort als Zulieferer auf einmal ausgedient.

Die U20-WM steht 2020 an

Nun steht die angehende Abiturientin Kleinherne, die in der Eliteschule des Sports für ihre Reifeprüfung ein Jahr mehr Zeit besitzt, für die Trendwende. Coach Arnautis sagt: Wir wollen demnächst noch mehr Nationalspielerinnen herausbringen.“ Gerade vor dem Hintergrund, dass im nächsten Sommer die Fusion mit Eintracht Frankfurt erfolgt, ist Präsenz in den Auswahlteams enorm wertvoll. Voss-Tecklenburg hat übrigens verraten, dass in Ermangelung eines großen Turniers für die A-Nationalmannschaft nächstes Jahr die beste Besetzung für die U20-Weltmeisterschaft nominiert wird. Damit wäre schon klar, dass Sophia Kleinherne nächsten Sommer auch nicht frei hat.

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