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Harmonierendes Duo: Verena Aschauer (li.) und Laura Feiersinger, beide neu beim 1.FFC Frankfurt.

Laura Feiersinger und Verena Aschauer

"Im Misserfolg redet man gleich alles schlecht"

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Die Österreicherinnen Laura Feiersinger und Verena Aschauer über die Ziele des 1. FFC Frankfurt und die Qualität des deutschen Frauenfußballs.

Verena Aschauer (24) und Laura Feiersinger (25) sind die beiden prominentesten Neuzugänge des Fußball-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt. Die Österreicherinnen, die in der Nähe von Frankfurt eine WG bilden, standen mit der Nationalelf bei der EM 2017 überraschend im Halbfinale. Aschauer wurde sogar ins die Elf des Turniers gewählt. Feiersinger, die Tochter von Ex-Profi Wolfgang,gewann mit dem FC Bayern München zweimal die deutsche Meisterschaft und einmal den DFB-Pokal. Das FR-Interview vor dem Heimauftakt des 1. FFC Frankfurt gegen die TSG Hoffenheim (Sonntag 11 Uhr, Stadion am Brentanobad).

Der 1. FFC Frankfurt ist nach dem Herforder SV und dem SC Sand bereits ihre dritte gemeinsame Station – seit wann kennen Sie sich eigentlich?
Feiersinger: Wir haben das erste Mal in Österreichs U17 zusammen gespielt. Dann sind wir mit 16 beziehungsweise 17 gemeinsam nach Herford gewechselt. Es war für uns beide schwer, das erste Mal von zu Hause weg. Das hat uns zusammengeschweißt. So haben wir uns gegenseitig geholfen, bevor ich 2011 zu Bayern bin und Verena zu Cloppenburg gegangen ist. Dass wir 2016 beide nach Sand gewechselt sind, war eher Zufall. Aber ich war froh, denn Verena ist über die Jahre eine sehr gute Freundin geworden ist: Wir haben beide den gleichen Humor, sind beide ein bisschen verrückt (lacht). 

Sportlich hat Sand und Frankfurt vergangene Saison nur ein Punkt getrennt. Warum der Wechsel?
Aschauer: Für mich persönlich war es wichtig, einen Schritt nach vorne zu machen. 
Feiersinger: Die Ziele des Vereins, in naher Zukunft Talente zu entwickeln, klingen sehr attraktiv für uns. Außerdem hat das Gesamtpaket gepasst. 

Dazu zählt wahrscheinlich auch die Großstadt, die mehr zu bieten hat als ein beschauliches Dorf wie Willstätt (Sand ist ein Ortsteil der Gemeinde, Anm. Red.)? 
Aschauer: Beides hat Vor- und Nachteile. Ich mag es schon auch, in einer ruhigeren Gegend zu wohnen. 
Feiersinger: Ich bevorzuge eigentlich eher die ländliche Region. Wir haben aber hier eine gute Mischung gefunden, wohnen etwas außerhalb Frankfurts. Aber es ist schon gut zu wissen, dass man in wenigen Minuten in der Stadt ist. 

Frau Feiersinger, Sie sind in Saalfelden geboren. Das verbindet man eher mit Skifahren als mit Fußball. Da sind Sie wahrscheinlich eher durch Ihren Vater Wolfgang (Ex-Nationalspieler Österreichs, u.a. beim BVB, Anm. Red.) hingekommen, oder?
Feiersinger: Mein Talent habe ich natürlich von meinem Papa geerbt. Ich wollte aber nicht unbedingt Fußball spielen, nur weil er Fußball gespielt hat. Für mich war es immer selbstverständlich, dass ich mit den Jungs raus bin und gekickt habe, weil es mir am meisten Spaß gemacht hat. Ich habe viele Sportarten durchprobiert und bin immer wieder zum Fußball zurückgekommen. Im Winter fahre ich ab und zu Ski.

Verspüren Sie Druck oder nervt es, ständig mit Ihrem Vater verglichen zu werden?
Feiersinger: Ich denke, es wäre noch einmal etwas anderes gewesen, wenn ich ein Junge wäre. Außerdem spiele ich als Mittelfeldspielerin eine etwas andere Position, als der Papa (Libero, Anm. Red.) gespielt hat. Von dem her ist es schwierig zu vergleichen. In Österreich werde ich aber schon sehr, sehr häufig auf ihn angesprochen. Irgendwie gehört es dazu. Ich akzeptiere es und rechne schon bei jedem Interview mit mindestens einer Frage.

Der FFC hat keine Platzierung als Saisonziel ausgegeben, möchte sich in der oberen Tabellenhälfte etablieren. Was reizt an dieser sportlichen Aufgabe?
Feiersinger: Die Liga ist sehr ausgeglichen. Von dem her haben wir jedes Wochenende die realistische Chance, den Gegner zu schlagen. Sicher sind der VfL Wolfsburg und FC Bayern deutlich höher einzuschätzen, aber unsere junge Mannschaft spielt einen klasse Fußball. Vielleicht muss man sich aber erst noch finden, weil man doch wenig Zeit miteinander in der Vorbereitung verbracht hat. Wichtig ist, dass wir konstant spielen. 
Aschauer: Wir können nicht sagen, dass wir zehn überragende Spielerinnen wie die Bayern auf der Bank haben. Für mich hat es daher den Reiz zu sehen, was mit so einem jungen Team möglich ist. 

Am Sonntag steht das erste Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim mit Nationalmannschaftskollegin Nicole Billa an. Wie stark schätzen Sie die TSG ein?
Feiersinger: In der Vorbereitung haben wir unglücklich 1:2 verloren. Hoffenheim ist ein schlagbarer Gegner. 
Aschauer: Es ist schon immer eine sehr robuste Mannschaft. Beim Testspiel hat man gesehen, dass wir gut drauf sind, unsere Idee schon gut umsetzen konnten. 

Mit der Nationalmannschaft haben Sie gerade die WM-Teilnahme verpasst: Wie ärgerlich ist das als EM-Halbfinalist 2017?
Aschauer: Sehr ärgerlich. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, noch einmal solch ein Turnier erleben zu wollen. Dass das jetzt nicht bei der WM in Frankreich klappt, ist schon schwer. Vor allem, weil wir es selbst mit einem Unentschieden gegen Serbien vermasselt haben. 

Welche Ziele gibt es für das nächste große Turnier, die EM 2021?
Feiersinger: Die Qualifikation wird sicher kein Selbstläufer. Bei der WM-Qualifikation hat es viele Überraschungen gegeben. Die vermeintlichen schwächeren Teams werden immer stärker. 

Am 6. Oktober gibt es das Testspiel Deutschland gegen Österreich. Vor zwei Jahren haben Sie sich bei der 2:4-Niederlage gut verkauft. Was ist diesmal möglich?
Aschauer: Beim letzten Testspiel hat man gesehen, dass wir Deutschland ärgern können, wenn es für uns gut läuft. Sie haben zwar verdient gewonnen, waren aber nicht um Welten besser. 
Feiersinger: Ich freue mich schon auf das Testspiel, um zu sehen, wo wir stehen: Haben wir eine Chance oder sind die Deutschen doch deutlich weg? 

Trauen Sie Deutschland den WM-Titel 2019 zu? Kann man das Team noch als Topnation im Frauenfußball bezeichnen?
Feiersinger: Auf jeden Fall! Aber es ist ein Jahr vor dem Turnier schwer zu sagen, wer zu den Favoriten gehört. Außerdem gibt es dann ja wieder den Trainerwechsel (Martina Voss-Tecklenburg übernimmt ab November, Anm. Red.). Da weiß man auch noch nicht, was die Trainerin verlangt.
Aschauer: Ich finde das typisch: Kaum gibt es einen Misserfolg, redet man gleich alles schlecht. Aber nur weil es gerade nicht bergauf geht, heißt das ja nicht, dass Deutschland keine Topnation mehr ist. Ich finde die Diskussion steht in keiner Relation dazu. Wenn Deutschland wieder zur alten Stärke findet, können sie sicher etwas erreichen in Frankreich. 

Sie haben vor einem Jahr bei der EM mit dem österreichischen Nationalteam einen Hype erlebt. Das Fernsehen vermeldeten Millionenquoten, Männerspiele wurden verlegt, es gab Public-Viewing-Events.
Feiersinger: Ich denke noch sehr oft und gerne an die unheimlich coole Zeit zurück. Mit diesem Erfolg hat eigentlich keiner gerechnet, auch wir im Team nicht wirklich. Wenn es von Anfang an gut läuft, nimmt man den Schwung mit. Wir haben aber den Hype in Österreich gar nicht richtig wahrgenommen, weil wir in den Niederlanden sehr abgeschottet waren. Realisiert haben wir das erst nach der Heimkehr.

Wo steht der österreichische Frauenfußball heute?
Aschauer: Vieles hat sich durch die EM verbessert. Aber vergleichen mit Deutschland kann man Österreich noch lange nicht. Trotzdem merkt man schon, dass die Jugendarbeit besser gefördert wird – es geht voran, aber langsam. Es wird aber noch dauern, bis der Frauenfußball dauerhaft einen hohen Stellenwert bekommt. Uns fehlen vor allem Mädels, die Fußball spielen. Man muss ihnen von klein auf mehr Möglichkeiten bieten – auch dabei, mit den Jungs mitzuspielen.
Feiersinger: Es liegt ein Stück weit an uns, vor allem der Nationalmannschaft, wie wir den Fußball vertreten. Wenn wir in Zukunft erfolgreich sein können, kann das nur positiv sein für die jungen Mädels, weil die in uns Vorbilder sehen.

Oft fehlen Gesichter und Typen im Frauenfußball. Sie beide sind beispielsweise sehr aktiv in den sozialen Netzwerken. Wie wichtig ist das, um eine jüngere Generation zu animieren?
Aschauer: Ich glaube, dass das heutzutage ein sehr wichtiger Aspekt ist. Es gibt kaum jemanden, der nicht im Social-Media-Bereich aktiv ist. Es ist gut für uns, weil wir dadurch Unterstützung bekommen. Es ist aber auch gut für die Mädels, weil sie sehen, was wir im Spiel, im Training oder privat machen. 
Feiersinger: Außerdem ist es ein einfacher Weg, Einblicke zu ermöglichen. Für uns ist die Arbeit mit ein paar Klicks erledigt, um zu zeigen, wie viel Spaß Fußballspielen bereiten kann. 

Sie, Frau Feiersinger, wurden schon als „Modequeen“ betitelt. Sie sollen sich von Ihrer Schwester Denise beraten lassen, die in der Branche tätig ist.
Feiersinger: Das ist weniger geworden, da sie viel zu tun hat. Aber wir tauschen uns schon aus, ob das Foto mit diesem oder jenem Outfit so passt. Sie hat ein gutes Auge dafür. 

Ihre Verträge beim FFC laufen bis 2020. Können Sie sich vorstellen, danach ins Ausland zu wechseln?
Aschauer: England finde ich sehr interessant, gerade weil die Klubs gerade sehr viel investieren. Aber auch Skandinavien oder Spanien fände ich cool. Ich bin gerade in einer Phase, wo ich es mir vorstellen könnte, in ein anderes Land zu gehen, die Kultur zu entdecken, die Sprache zu lernen…
Feiersinger: … was hast Du denn noch alles vor? Willst Du bis 40 spielen (lacht)? Man sieht, dass viele Vereine im Ausland immer mehr im Frauenfußball aufrüsten. Aber das braucht noch Zeit, bis die Ligen dort ausgeglichen sind. Man muss das Sportliche sehen: Die italienische oder selbst die französische Liga haben nur zwei Topteams, der Rest fällt deutlich ab. Solange man noch selbst anspruchsvolle Ziele hat, muss man abwägen, ob es wirklich Sinn ergibt. Gehe ich nur dahin, weil der Vereinsname interessant klingt? 

Interview: Paul Schönwetter

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