FFC - Freiburg

Kompromisse für den besten Mix

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Der 1. FFC Frankfurt ist erstmals an einem Montagabend im Free-TV zu sehen ? das könnte ab nächster Saison häufiger der Fall sein.

Wenn das Spiel des 1. FFC Frankfurt am heutigen Montagabend (20 Uhr) gegen den SC Freiburg live beim TV-Sender Sport1 übertragen wird, rückt der hessische Frauen-Bundesligist immerhin in einer Kategorie auf Platz zwei vor: bei den Fernseh-Übertragungen. Es wird die sechste FFC-Partie sein, die der Sportsender zeigt, der seit Beginn der Saison neuer Fernsehpartner der Frauen-Bundesliga ist – nur Meister Bayern München konnten die Zuschauer häufiger sehen, nämlich achtmal.

„Das ist ein klares Signal für die Marke FFC und die Attraktivität unserer Spiele“, sagt FFC-Manager und Ligasprecher Siegfried Dietrich. Und: „Der FFC ist mit Blick auf die TV-Übertragungen flexibel, was die Anstoßzeiten betrifft.“ Der Sender bestätigt dies auf FR-Anfrage, man achte auf sportliche Relevanz und Tabellensituation, der Name spiele aber ebenfalls eine Rolle.

Überhaupt setzt Sport1 verstärkt auf Frauenfußball: Auch den „She-Believes-Cup“ des DFB-Teams und die Champions-League-Spiele des FC Bayern übertrug Sport1. Mit dem deutschen Meister gibt es zudem einen Exklusivvertrag.

Diese Saison verfolgen die Ligaspiele bei Sport1 durchschnittlich 180 000 Zuschauer, die auch im Internet von DFB-TV übertragen werden. Das macht einen Marktanteil von 1,3 Prozent aus – der generelle Schnitt liegt bei rund einem Prozent. Der Saisonbestwert kam mit FFC-Beteiligung zustande: Bei der Begegnung beim FC Bayern (0:1) am 13. November vergangenen Jahres sollen gar 390 000 Zuschauer vor den Bildschirmen gewesen sein. Insgesamt gibt es gar eine leichte Aufwärtstendenz.

Der Verdacht liegt nahe, dass, sobald ab der nächsten Saison die Rechte für das Zweitligaspiel der Männer bei Pay-TV-Sender Sky liegen, der prominente Sendeplatz mit Frauenfußball besetzt werden könnte. Auch wenn dementiert wird: Die heutige Übertragung kann getrost als Versuchsballon angesehen werden. Der dafür vorgesehene Samstag wurde dieses Jahr bisher nämlich erst einmal von Sport1 bespielt. Die anderen beiden Live-Spiele wurden am Sonntag um 17 Uhr gezeigt. Wie geht es nächste Saison weiter?

Rundum-sorglos-Paket

Die Verhandlungen dürften umso schwieriger werden, wenn die Telekom auf einer digitalen Plattform Spiele der Frauen-Bundesliga kostenpflichtig überträgt. Für Dietrich ein „absoluter Mehrwert. Wir sind noch nicht bei der Hälfte des Potenzials angekommen.“ Die ersten Gespräche stehen Anfang April an.

„Wichtig ist, dass das Stadion gut besucht ist, aber auch die bundesweite Wahrnehmung durch das Fernsehen. Wir müssen nach der Saison mit Sport1 ausloten, wie wir den besten Mix zwischen vielen TV-Zuschauern, aber auch vielen Stadionbesuchern hinbekommen“, sagt Dietrich. Wichtig hierfür seien „Kontinuität, also feste Zeiten, an die sich Besucher und TV-Zuschauer gewöhnen“, erklärt er und betont: „Die Suche nach geeigneten Anstoßzeiten müssen alle Vereine angehen.“

Der Fokus liegt für Dietrich auf einem bundesweiten Interesse für die Liga durch die wöchentliche Übertragung eines Spiels. Aber: „Für die TV-Optik sind gefüllte Ränge wichtig.“ Bei der Analyse mit Sport1 will Dietrich weitere Vorschläge einbringen. Er wünscht sich mehr Vor- und Nachlaufzeiten bei den Live-Spielen, „ein Rundum-Paket, bei dem der gesamte Spieltag im Fokus steht mit Highlights, Tabellen und einer Magazinsendung.“

Die Fernsehausstrahlung bringt nicht nur Positives mit sich. Der Zuschauerschnitt bei FFC-Heimspielen ist gesunken. Derzeit liegt er nach sieben Heimpartien bei rund 1300, in den zwei Spielzeiten zuvor kamen fast 2000 Besucher im Schnitt ins Stadion am Brentanobad. Auch heute erwartet Dietrich nicht viele Besucher zur ungewohnten Anstoßzeit: „Man muss manchmal auch einen Kompromiss eingehen – und ein Frauen-Spiel am Montagabend ist ein Alleinstellungsmerkmal.“

Allerdings sollten weiterhin Familien angesprochen werden, „die Großzahl der Spiele am Wochenende stattfinden“. Die bisher schlechteren Besucherzahlen sind laut Dietrich nur eine Momentaufnahme und hängen nicht mit dem Tabellenplatz, sondern mit den an den Wünschen des Fernsehens orientierten Anstoßzeiten zusammen. Und schließlich stehen für den 1. FFC Frankfurt noch die Topspiele gegen die Champions-League-Teilnehmer VfL Wolfsburg (23. April) und FC Bayern (7. Mai) auf dem Programm. Beides Heimspiele am gewohnten Sonntagmorgen. 11 Uhr. Ohne Sport1. Aber mit mehr Zuschauern vor Ort.

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