+
Der FFC Frankfurt soll seine Eigenständigkeit aufgeben und Teil der Eintracht werden.

FFC Frankfurt

FFC und Eintracht Frankfurt: Vor der zweiten Hochzeit

  • schließen

Der 1. FFC Frankfurt will am Mittwoch die Weichen für den Zusammenschluss mit der Eintracht besiegeln.

Wer erfolgreich sein will, muss mit der Zeit gehen. Für die Verantwortlichen des 1. FFC Frankfurt bedeutet das, dass sie die Eigenständigkeit, die sie sich vor 21 Jahren durch die Gründung des reinen Frauenfußballvereins aus einer Abteilung der SG Praunheim heraus erarbeiteten, aufgeben, um unter das Dach von Eintracht Frankfurt zu schlüpfen. Auf einer nicht-öffentlichen Mitgliederversammlung an diesem Mittwoch (20 Uhr) soll der Weg zu diesem Schritt geebnet werden. Im Frühjahr stünde dann der Beschluss über die Auflösung des FFC an, der zu seinen besten Zeiten vier Europapokalsiege, sieben deutsche Meistertitel und neun DFB-Pokalsiege sammelte und an diese Triumphe gerne wieder anknüpfen würde.

Wie das Konzept aussieht, das Manager Siegfried Dietrich in Abstimmung mit dem Vorstand und den Gesprächspartnern bei der Eintracht dem Plenum vorlegen wird, will der 62-Jährige in Details noch nicht verraten. Das sollen zuerst die Mitglieder erfahren. Fest steht, dass eine Satzungsänderung verabschiedet werden muss, um auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben. Mit Gegenwehr rechnet Dietrich nicht. „Die Entscheidung ist genau zum richtigen Zeitpunkt und alternativlos, wenn man weiter den Leistungsgedanken in der Bundesliga und für alle Jugendteams verfolgt“, sagt der Vermarktungsfachmann des aktuellen Sechsten der Frauen-Bundesliga.

Doublesieger VfL Wolfsburg und Bayern München auf nationaler Ebene, Olympique Lyon oder der FC Barcelona im internationalen Geschäft machen vor, in welche Richtung die Entwicklung des Frauenfußballs geht. Um der zunehmenden Professionalisierung und den damit steigenden wirtschaftlichen und strukturellen Anforderungen gerecht zu werden, gibt es aus Sicht von Dietrich nur dieses eine Modell: die Zusammenarbeit mit einem starken Männerklub. „Die Eintracht ist in Deutschland einer der modernsten und am professionellsten geführten Vereine“, sagt Dietrich. Der Name könne nicht besser gewählt sein: Frauen- und Männerfußball in Eintracht unter dem Dach der Eintracht.

Noch sind viele Fragen offen. Etwa die, was mit den Teams neben der Profimannschaft passiert. So steht der FFC II in der zweiten Liga aktuell auf einem Abstiegsplatz und könnte in die Regionalliga abrutschen, in der im Süden die Eintracht spielt. Um dort Entscheidungen zu treffen, müsse man erst mal abwarten, wie es weitergeht, betont Dietrich. Doch klar sei: „Es ist vorgesehen, alle Spielerinnen und die Mitarbeiter mitzunehmen.“ Mit der Einschränkung, dass es im neuen Konstrukt zusammenpasst.

Im Profibereich wären bei einer Fusion die Verträge mit den Akteurinnen im Sommer nicht mehr gültig und damit auch die von Talenten wie A-Nationalspielerin Sophia Kleinherne, die man im Vertrauen auf die zu erwartenden Fortschritte langfristig gebunden hatte. Man habe den Zusammenschluss jedoch schon beim Abschluss berücksichtigt, betont Dietrich, und könne die Kontrakte in dem Fall „optimieren“. Die Verhandlungen darüber sind für Anfang 2020 vorgesehen. „Das Ganze“, sagt Dietrich, „ist ein sehr professionell vorbereiteter Prozess“, der durch die gerade beschlossene Reform der Champions League ab der Saison 2021/22 und die damit verbundene Aussicht auf einen dritten Platz für die Bundesliga zusätzlichen Schwung erfahren haben könnte.

Der FFC-Manager, der bei der Eintracht vorerst als Generalbevollmächtigter für den Frauenfußball Verantwortung übernehmen und später noch einen Sportlichen Leiter suchen soll, war diesen im Auftrag des bei der Mitgliederversammlung zur Wiederwahl stehenden Vorstands um Chef Jürgen Ruppel angegangen. „Wir sind noch jung genug, um noch einmal zu heiraten“, sagt Dietrich. Die Selbstständigkeit sei zwar eine schöne und damals auch zeitgemäße Sache gewesen. „Aber man muss sie sich leisten können.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion