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Feuerwerk aus Lautsprechern

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Von: Katja Sturm

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Kann es auch ohne Musik: Dressurreiterin Isabell Werth. Foto: dpa
Kann es auch ohne Musik: Dressurreiterin Isabell Werth. Foto: dpa © dpa

Dressurreiterin Isabell Werth muss beim Reitturnier in Frankfurt einen ungeplanten Boxenstopp einlegen. Das stört sie zwar, ändert aber nichts an ihrem Sieg.

Man könnte meinen, Isabell Werth hat in ihrer mehr als 30 Jahre währenden internationalen Karriere im Dressursattel schon alles erlebt. Doch am Freitagnachmittag, beim Festhallen-Reitturnier in Frankfurt, sah sich die siebenfache Olympiasiegerin aus Rheinberg einer für sie neuen kuriosen Situation ausgesetzt. Gerade erst hatte die 53-Jährige mit ihrem Wallach Emilio mit dem Pflichtprogramm im Grand Prix begonnen, da knallte es aus den Lautsprechern wie bei einem Feuerwerk. Zuschauer, Richter und Reiter, alle zeigten sich irritiert von den ungewöhnlichen Geräuschen, und Werth sah keine Möglichkeit mehr, mit den geforderten Lektionen fortzufahren. Also hielt sie an.

„Ich wusste nicht, wie lange das dauert“, erklärte sie später, warum sie dann erst mal minutenlang mitten im Viereck im Sattel ausharrte, statt noch mal hinauszureiten. Als es endlich ruhig, die Technik ausgeschaltet war, nahm sie das Programm mit ihrem Gefährten wieder auf. Allerdings ohne die gewohnten Hintergrundklänge, in seltsamer Stille. „Wo ist meine Musik?“, mahnte Werth mittendrin an.

„Vom Feinsten“

Ihren Triumph in dieser ersten großen Prüfung bei der 49. Auflage des Traditionsevents konnte der Boxenstopp nicht verhindern. Mit 74,631 Prozent gewann die neunmalige Weltmeisterin vor dem Schweden Patrik Kittel auf Forever Young (73,630), Turnierchef Matthias Rath aus Kronberg mit Destacado (72,870) und dessen Frankfurter Klubkollegin Dorothee Schneider auf Faustus (72,065). „Emilio hat das super weggesteckt“, lobte Werth den vierbeinigen Partner. Am Sonntag (11.15 Uhr) würde sie dessen Kür-Komposition aber gerne ohne nervigen Krach abspielen lassen.

Vor sieben Jahren hatte das Paar an gleicher Stelle das Finale der hoch angesehenen Nachwuchsserie Louisdor-Preis für acht- bis zehnjährige Pferde für sich entschieden, mit der bis heute aktuellen Rekordmarke von 79,1 Prozent. Diesmal, glaubt Werth, könnte diese am Sonntag (9 Uhr) fallen. Der Bad Homburger Sönke Rothenberger legte bei der Einlaufprüfung ordentlich vor und erzielte mit Fendi 79,553 Zähler. „Vom Feinsten“ sei der Ritt gewesen, gratulierte die ältere Kollegin.

Noch fehle ihm die Routine, müsse er austesten, was der achtjährige Fendi braucht, um „am Tag X“ auf den Punkt seine Bestleistung abzurufen. Das gelte auch fürs Abreiten, bei dem die Pferde aufgewärmt, aber nicht ausgepowert werden dürfen. „Draußen war er heute noch on fire“, erzählte Rothenberger, aber beim Einreiten in den Innenraum habe er gefühlt: „Heute geht alles.“

Wie aufgezogen absolvierte Fendi seine Übung, elegant und mit geraden Linien. Im nächsten Jahr soll sich das Bewegungstalent auf Grand-Prix-Niveau etablieren. „Spielerisch“, so Rothenberger, habe der dänische Wallach sein bisheriges Können erlangt. Nach Rio-Goldmedaillengewinner Cosmo könnte er der nächste sein, der den Traum seines 28 Jahre alten Reiters erfüllt, „oben mitzumischen“.

Dann traten die stärksten Springspezialisten erstmals im Parcours gegeneinander an. Die Eröffnungsprüfung im Stangenwald gelang dem Franzosen Julien Anquetin am besten, der mit Gravity für eine fehlerfreie Runde 55,88 Sekunden brauchte. Bester Deutscher war auf Rang zwei Felix Haßmann aus Lienen mit Quiwitino, in 59,38 Sekunden. Die Technik funktionierte da bereits wieder einwandfrei.

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