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Erkennt Räume, die andere nicht sehen: Lorenzo Insigne. dpa
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Erkennt Räume, die andere nicht sehen: Lorenzo Insigne. dpa

EM 2021

Italiens Lorenzo Insigne: Feiner Fuß vom Vesuv

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Lorenzo Insigne ist beim italienischen Turnierfavoriten der Spieler, der den Unterschied macht.

Dass Lorenzo Insigne auf seinem großflächig bemalten Körper noch ein Fleckchen frei räumen würde für den Allergrößten, war klar, ihm sowieso und alle anderen auch. Auf dem linken Oberschenkel ließ sich Insigne, der am Sonntag mit der italienischen Nationalmannschaft das letzte Gruppenspiel gegen Wales bestreitet, ein großes Bild des großen Argentiniers stechen, ein paar Tage nach seinem plötzlichen Tod im letzten November. Diego Armando Maradona war sein Vorbild, eine Legende, eine Ikone, nicht nur für Neapolitaner, aber für die noch ein Stückchen mehr, keine Frage also für Insigne, vor 30 Jahren im Norden Neapels geboren, sich sofort ins Tattoostudio zu begeben.

Der nur 1,63 Meter große Lorenzo Insigne sticht ein klein wenig heraus aus dem von Roberto Mancini brillant komponierten italienischen Ensemble, dessen Erfolg momentan auf Ballbesitz, Spieldominanz und Herrschaft über das Feld beruht - und deutlich weniger auf dem klassischen Catenaccio. Und Insigne, der feine Fußballer vom Fuße des Vesuvs, macht den Unterschied. Ja, die Squadra Azzurra hat einen baumlangen Torwart, Donnarumma, seit ewigen Zeiten ohne Gegentor, hat die Haudegen Chiellini und Bonucci, hat Locatelli, Spinazzola, Jorginho und vorne die wilden aus dem Süden Berardi und Immobile. Aber Lorenzo Insigne ist der, der für den Überraschungsmoment sorgt, für das Unerwartete. Ihm zupass kommt natürlich sein extrem niedriger Schwerpunkt. Der kleinste Spieler des Turniers ist dadurch ungemein wendig, nicht zu packen. Dazu ist er gewitzt, flink auf den Beinen, ballsicher sowieso, er sieht Räume, die andere nicht sehen. In Neapel nennen sie ihn „genietto“, das kleine Genie, das mal spektakulär, mal simpel den Mitspieler in Szene setzte. Und zudem torgefährlich ist. Im Auftaktspiel gegen die Türkei erzielte er den Treffer zum 3:0, in der Serie A hat er mit 207 Torschüssen die meisten abgegeben, 19 Treffer hat er in der letzten Saison für den Tabellenfünften geschossen.

Dass die italienische Auswahl, seit 29 Spielen unbezwungen, inzwischen nicht nur zum Turnierfavoriten avanciert ist, sondern auch „bel gioco“ präsentiert, das schöne Spiel, hat viel mit Insigne zu tun, seit 2006 beim SSC Neapel unter Vertrag. Der Rechtsfuß kommt im offensiven System des Roberto Mancini liebend gerne über die linke Seite - und ein bisschen erinnert er in seiner Spielweise an den Frankfurter Amin Younes. Oder umgekehrt.

Lorenzo Insigne, inzwischen auf einen Marktwert von 48 Millionen Euro taxiert, stammt aus Frattamaggiore im Norden Neapels, aus eher ärmlichen Verhältnissen und aus einer Gegend, in der die Camorra großen Einfluss hat. Als Lorenzo, dessen drei Brüder allesamt Fußballer geworden sind, allerdings nicht so hochklassig spielen, acht Jahre alt war, konnte der Vater nicht mehr den Beitrag im Jugendverein Olimpia Sant’Arpio bezahlen, Lorenzo durfte trotzdem weiter mitmachen, weil er damals schon besser war als die anderen, selbst wenn er manchmal fehlte, weil er auf dem Markt, auf dem die Familie Obst verkaufte, aushelfen musste. Der Fußball, sagte Insigne einmal, „hat mir den Weg vorgegeben, der Fußball hat mich gerettet.“ Der Fußball hat ihm in einer problembehafteten Umwelt den nötigen Halt gegeben.

Mit 15 schloss er sich seinem Herzensverein an, dem SSC Neapel, er durchlief alle Jugendmannschaften, seinen Durchbruch schaffte er aber erst 2011 bei Pescara Calcio, seinerzeit zweite italienische Liga, nachdem er die Mühen der Ebene in Cavese und Foggia durchschreiten musste. Zdenek Zeman, der polnische Trainer des Klubs aus den Abruzzen, hatte ihn maßgeblich geprägt, dort spielten seinerzeit auch Ciro Immobile und Marco Verratti, mittlerweile einer der besten defensiven Mittelfeldspieler, aktuell leicht angeschlagen. Pescara stieg mit dem Trio aus der Serie B auf.

Nicht zu ersetzen

Lorenzo Insigne bildete mit Immobile ein Sturmduo, das in 42 Partien 46 Mal traf, er erzielte selbst in 37 Spielen 18 Tore. Ab 2012 zählt der zweifache Vater von Söhnen, zu den Leistungsträgern beim SSC Neapel, er gewann zweimal den italienischen Pokal. Seit 2019 führt er den SSC Neapel, bei dem er noch bis 2022 unter Vertrag steht, als Kapitän aufs Feld.

„Er hat einen Fuß und einen feinen Kopf“, lobte ihn einst SSC-Präsident Aurelio de Laurentiis. Und sein Trainer Mancini adelte ihn unlängst als jenen Spieler im Team, der „am wenigstens ersetzbar ist“. Das kann was werden mit der Squadra Azzurra und Lorenzo Insigne.

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