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Feierabend an der Alten Brücke

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Von: Harald Joisten

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So siegt ein Sieger aus: Denis Chevrot aus Frankreich triumphiert in Frankfurt.
So siegt ein Sieger aus: Denis Chevrot aus Frankreich triumphiert in Frankfurt. © dpa

Kurios: Der Frankfurter Lukas Wojt beendet vorzeitig den Ironman, den Denis Chevrot gewinnt.

Und dann stieg er tatsächlich vom Rad. Mitten im Rennen. In der Spitze liegend, direkt hinter dem führenden Briten Andrew Horsfall Turner. An der Alten Brücke am Main drosselte Lukas Wojt sein Tempo, fuhr an den Straßenrand und beendete die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt vorzeitig. Nicht etwa, weil er Krämpfe hatte oder ihn ein Defekt am Rad stoppte. Der 40-Jährige hatte nie vorgehabt, das Ziel auf dem Römerberg zu erreichen. Er bereitete sich gestern in seiner Heimatstadt auf den Ironman Österreich am nächsten Sonntag vor. Kurios, aber wahr.

Im Kampf um den Sieg hätte der 40 Jahre alte ehemalige Olympia-Schwimmer gestern wohl ohnehin nicht eingreifen können. Dafür waren die Konkurrenten zu stark. Den Sieg bei der 20. Auflage in Frankfurt holte sich nach einem abwechslungsreichen Rennverlauf der Franzose Denis Chevrot in guten 7:52:54 Stunden. Dahinter landeten Robert Wilkowiecki (7:56:32), der als erster Pole einen Ironman unter acht Stunden beendete, und Clement Mignon (7:58:43). Der Franzose hatte zwei Kilometer vor dem Ziel noch den Darmstädter Paul Schuster (7:59:12) überholt und auf den undankbaren vierten Platz verdrängt. „Vor dem Rennen hätte ich Platz vier wahrscheinlich genommen“, sagte Schuster. „Wenn man dann im Rennen aber sogar zeitweise vorne liegt und am Ende Vierter wird, ist es schon bitter.“ Der 33 Jahre alte deutsche Meister von 2019 kündigte für seinen Start bei der Ironman-WM auf Hawaii am 8. Oktober an: „Ich denke, dort bin ich hinten raus auch konkurrenzfähig.“

Lukas Wojt war gestern bei der ersten Disziplin konkurrenzfähig. Der ehemalige Top-Schwimmer der SG Frankfurt, der 2008 an Olympia in Peking teilnahm, hatte sich vorgenommen, das Auftakt-Schwimmen im Langener Waldsee über 3,8 Kilometer zu gewinnen. Und das gelang dem 40-Jährigen in 46:00 Minuten. Den Schwimm-Rekord in Frankfurt verpasste der mehrfache deutsche Meister klar: Jan Sibbersen war 2004 dort 42:17 Minuten geschwommen.

Im Radrennen hielt Wojt zunächst bestens mit. Zwar wurde er schnell von Andrew Horsfall Turner überholt. Doch der Brite konnte den Frankfurter nicht abhängen. Gemeinsam lag das Spitzenduo gut drei Minuten vor 20 Verfolgern. Als Wojt das Rennen nach der ersten Radrunde wie geplant vorzeitig abbrach, bekam Turner den Atem der anderen Verfolger zu spüren. Allen voran von Boris Stein, der wie entfesselt fuhr und die Führung übernahm. Der 37-Jährige von der RSG Montabaur spulte die 180 Kilometer lange Radstrecke in 4:10:17 Stunden ab – obwohl er durch einen Defekt am Kettenblatt etwa eine Minute einbüßte.

„Mit Anstand verlieren“

Mit einem Vorsprung von 3:52 Minuten wechselte Stein, Sieger des Ironman Schweden 2019, als Erster auf den abschließenden Marathon entlang des Mains. Dort bekam der zweifache Gewinner der Halb-Ironman-EM in Wiesbaden (2015, 2019) die Strapazen zu spüren. Stein verlor an Boden und wurde an der Spitze von Paul Schuster abgelöst. „Ich hatte mich auf dem Rad gut gefühlt und weiß nicht, warum es im Laufen nicht so lief“, sagte Stein, der sein letztes Profijahr der Karriere bestreitet. Zum Abschied in Frankfurt sagte er: „Vielleicht bin ich momentan nicht besser. Man muss mit Anstand verlieren.“ Er wurde am Ende Achter in 8:08:33 Stunden.

Schuster konnte das besondere Gefühl der Führung nicht allzu lange genießen. Denis Chevrot flog förmlich vorbei, obwohl der Franzose zuvor eine einminütige Zeitstrafe am Streckenrand wegen „Coachings“ absitzen musste. Am Ende feierte der 34-Jährige den dritten Ironman-Sieg seiner Karriere. Selbst Schuster konnte später wieder lächeln. „Das Rennen war Gänsehaut mit den vielen Zuschauern. Ich glaube, ich habe noch nie so oft meinen Namen gehört.“

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