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Probleme in der Annahme: Tim Grozer.

Volleyball-Bundesliga

Fehlstart der United Volleys

  • vonHarald Joisten
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Überraschende Frankfurter 1:3-Heimspielniederlage gegen Lüneburg.

Ben Bierwisch saß minutenlang auf dem Hallenboden. Regungslos. Er schaute nicht hinüber zur anderen Seite des Netzes, wo die Gegner jubelnd tanzten. Nach und nach kamen seine Mitspieler der United Volleys vorbei, klopften dem derzeit größten Frankfurter Volleyballtalent aufmunternd auf die Schultern, trösteten ihn. Ausgerechnet er, der 18-Jährige, der in der Vorwoche beim deutschen Supercup gegen Meister Berlin (0:3) noch zum wertvollsten Spieler (MVP) der Partie gewählt worden war, hatte nun beim Bundesligastart einen ersten Tiefpunkt seiner jungen Karriere erlebt. Bierwisch besiegelte durch eine völlig verpatzte Annahme beim Matchball die überraschende 1:3 (14:25, 26:24, 20:25, 23:25)-Heimniederlage gegen SVG Lüneburg.

„Ich dachte nur: Mist! Ich war so enttäuscht von mir. Wir hätten ausgleichen und das Spiel noch drehen können“, so Bierwisch. In der Tat fehlten im vierten Satz beim Zwischenstand von 23:24 nur drei Punkte zum entscheidenden fünften Durchgang. So aber gingen die hoch gehandelten Frankfurter zum Ligastart punktemäßig komplett leer aus.

„Ich wusste letzte Woche nach dem Supercup nicht recht, ob ich mich wirklich freuen soll. Durch diese MVP-Wahl stand ich im Rampenlicht. Dadurch war heute mehr Druck da als sonst, und dann lief es nicht mehr so gut“, gestand Bierwisch, der bereits in der vergangenen Saison in den Erstligakader aufgerückt war. Im Supercup gegen Berlin spielten er und sein Team „mega-gut“, wie er empfand, „wenn wir das Niveau die ganze Zeit halten können, spielen wir ganz vorne in der Liga mit“.

Doch gegen Lüneburg war nicht nur Bierwisch kaum wieder zu erkennen. Sein gesamtes Team wirkte verunsichert, produzierte reihenweise Fehler. Im Angriff blieben Tim Grozer und Daniel Malescha immer wieder am gegnerischen Block hängen, während Lüneburg die Frankfurter Abwehr mehrfach düpierte. Vor allem hatten die Hessen große Probleme in der Annahme. Lediglich Libero Satoshi zeigte sich dort stabil. Lüneburg erkannte das Manko frühzeitig und spielte seine Aufschläge auf die anderen Frankfurter.

Quiroga positiv getestet

„Wir brauchen noch einen erfahrenen Annahmespieler, der dem Team Balance gibt“, betonte auch Trainer Juan Manuel Serramalera. Gemeint ist Neuzugang Rodrigo Quiroga. Der langjährige argentinische Nationalteamkapitän durfte nach seinem positiven Coronatest gegen Lüneburg erneut nicht eingesetzt werden. Möglicherweise kann er am Samstag in Bestensee gegen Königs Wusterhausen sein Debüt geben.

Wie wichtig ein erfahrener Akteur in dieser Mannschaft ist, zeigte Jochen Schöps. Der 37-jährige Altmeister wurde im vierten Satz für Malescha eingewechselt und verwandelte prompt sieben seiner elf Angriffe. „Jochen kam rein, machte gelassen sein Ding und strahlte Erfahrung aus. Da kann ich nur hochgucken, mir etwas abschauen und lernen“, so Bierwisch. Schöps war es auch, der nach dem verlorenen Matchball als Erster zu Bierwisch ging und Trost spendete.

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