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Fühlt sich unverstanden: Der geschasste Mainzer Trainer Achim Beierlorzer.

Kommentar

Mainzer Fehlersuche

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Mit der Beurlaubung von Trainer Beierlorzer sind längst nicht alle Probleme behoben. Sportchef Schröder ist jetzt besonders gefordert. Der Kommentar.

Wenn ein Fußballtrainer bereits nach dem zweiten Spieltag entlassen wird, könnte das Management-Versagen kaum größer gewesen sein. Deshalb ist es richtig, dass die Verantwortlichen von Mainz 05 nach der Beurlaubung von Achim Beierlorzer nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Zu viel ist schiefgelaufen im ganzen Klub.

Im Rückblick sieht man die Dinge oft klarer: Beierlorzer und Mainz 05 sind nie miteinander warmgeworden. Sportchef Rouven Schröder hat sich insoweit mit der Verpflichtung des Franken geirrt, er hat das bald erkannt, und er hätte besser also schon in der Sommerpause reagiert. Aber die coronabedingt angespannte Finanzlage und der Klassenerhalt überlagerten die atmosphärischen Störungen.

Gewiss ist auch: Vorgänger Sandro Schwarz hätte als Ur-Mainzer mit seiner Identifikation und dem guten Draht zum Team mehr Vertrauen verdient gehabt - erst Recht vom Klubchef Hofmann und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Höhne, die die Trennung im vergangenen November trotz Vertrags bis 2022 besonders vorantrieben. Da kein Geld vorhanden ist und der jetzt zum Chef beförderte Assistent Jan-Moritz Lichte wohl eher als Interimslösung gilt, stellt sich die untypische Frage nach einer Rückholaktion von Schwarz nicht nur theoretisch.

Im Zuge der krisenhaften Entwicklung hat vor allem Schröder an Autorität und Anerkennung eingebüßt, Ein Rätsel bleibt, weshalb es dem Sportvorstand nicht gelungen ist, der Mannschaft klar zu machen, dass ihr finanzieller Beitrag in der Corona-Pandemie unabdingbar ist. Mainz 05 hat längst medial kundgetan, dass dem Verein in dieser Saison rund 15 Millionen Euro Einnahmen fehlen werden. Sollte diese Botschaft nicht klar und deutlich auch intern kommuniziert worden sein, wäre das eine geradezu fahrlässige Unterlassung. Sollten die Profis nicht kapiert haben, warum sie von monatlichen Gehältern zwischen grob gerechnet 50 000 und 150 000 Euro mal wenige Monate auf 15 Prozent verzichten sollten, wäre eine solche Ignoranz der finanziellen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Virus ebenso unverständlich wie die interne Botschaft an die einfachen Klub-Angestellten in Kurzarbeit.

Öffentlich wollen Management und Mannschaft darüber nicht reden. Möglicherweise, weil es allen Beteiligten schlicht zu peinlich ist. Wie wäre es stattdessen mit einem glaubhaften Kommuniqué der Bescheidenheit?

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